Keine Bewährungsfrist für notorischen Dieb

Vier Wochen Freiheitsentzug für den Diebstahl von Tabakwaren im Wert von zwölf Euro

Das deutsche Strafrecht ist im Vergleich zu der Rechtsprechung in vielen anderen Ländern äußerst differenziert. In Südafrika bekommt man beispielsweise derzeit für den Diebstahl eines Handys fünf Jahre Freiheitsstrafe aufgebrummt. So berichtet es zumindest „Der Spiegel“ in seiner aktuellen Ausgabe. In Deutschland hingegen werden so genannte Bagatelldelikte meist gar nicht oder mit einer vergleichsweise geringen Strafe geahndet.
So verwundert es, dass ein 41-jähriger Mann aus Vienenburg für den Diebstahl von Tabakwaren im Wert von rund zwölf Euro vom Amtsgericht Seesen zu einem Monat Freiheitsstrafe ohne Bewährung veruteilt wurde. Bei einem Diebstahl von Waren im Wert von rund zwölf Euro handelt es sich ohne Frage um die Entwendung geringwertiger Sachen.
Am 15. Dezember 2009 betrat der Angeklagte, sichtlich angetrunken, in Begleitung eines bisher nicht identifizierten zweiten Mannes den Marktkauf in der Jacobsonstraße Seesen. Der Weg der Beiden führte direkt zu den Tabakständern in Höhe des Informationsstandes. Dort entwendete der in Russland geborene Deutsche Tabak und verließ den Supermarkt durch die Fluchtür. Alarmiert durch ein kurzes Signal der Notausgangstür nahm der Marktleiter des Marktkaufes die Verfolgung auf. Im Treppenhaus erreichte er den Dieb, der ihm kurzerhand etwas Tabak entgegenwarf. Ein weiterer Angestellter des Marktes folgte seinem Chef und dem Dieb die Treppe hinauf auf die Bahnhofsstraße. Dort stellten die beiden den stark angetrunkenen Dieb mit großer Mühe. Wild um sich schlagend versuchte sich der Täter aus seiner misslichen Lage zu befreien, um die Flucht anzutreten. Die Beute hatte er inzwischen wegegeworfen. Nach großer Anstrengung gelnag es den beiden Marktkaufmitarbeitern den 41-Jährigen zu überwältigen. Die Marktkaufleitung brachte den Diebstahl zur Anzeige und der Mann fand sich nun sechs Monate später auf der Anklagebank des Seesener Amtsgerichts wieder.
Ein wirkliches Geständnis legte der Mann nicht ab. In gebrochenem Deutsch brachte er lediglich mehrfach die Worte „ich entschuldige mich dafür, will nicht wieder machen“, hervor. Worte, die den Richter nicht wirklich überzeugten. Vor allem nicht, da der Vienebürger mehrfach einschlägig vorbestraft ist.
Seine Verbrecherkarriere begann der Angeklagte bereits im Jahr 1992, als er wegen Urkundenfälschung vor Gericht stand. Ab diesem Zeitpunkt wurde der 41-Jährige regelmäßig strafffällig. Ob er nun betrunken und ohne Fahrerlaubnis einen Pkw führte oder wegen schweren Diebstahls in zahlreichen Fällen auffällig wurde – die Strafrichter konnten den Mann nicht zurück auf den Weg der Tugend führen. Immer wieder appellierten die zuständigen Richter an den notorischen Dieb und offensichtlichen Spiegeltrinker. Mehrere Freiheitsstrafen wurden zur Bewährung ausgesetzt. An die Auflagen hielt sich der Vienenburger eingentlich nie. Insgesamt fristete er zwei Jahre und vier Monate ein Dasein hinter schwedischen Gardinen. Nach jeder Straftat, so lassen die meist milden Urteile vermuten, hofften Richter und Staatsanwälte auf Besserung. Die Gutmütigkeit hat der Angeklagte jedoch scheinbar nicht verdient. Erst am 27. Oktober 2009 wurde dem 41-Jährigen ein Strafrest erlassen und zur Bewährung ausgestzt. Seine Bewährungszeit dauerte bis zum 24. November des gleichen Jahres. Noch nicht mal einen Monat später wurde der Mann erneut strafffällig. Er klaute den besagten Tabak im Wert von zwölf Euro.
In den Augen der braunschweigischen Staatsanwaltschaft und des zuständigen Strafrichters ist bei dem Angeklagten nicht von einer positiven Sozialprognose auszugehen. Dafür hat er seinen Kredit zu oft verspielt.
Zwar merkte der Angeklagte an einen „1-Euro-Job“ in Aussicht zu haben. Für den Richter jedoch auch kein Indiz für seine Läuterung. Nun hat er vier Wochen Zeit für einen zwölf Euro-Diebstahl einzusitzen.