Kinder mit Handicaps im Blickpunkt

Lions-Präsidentin Marianne Behrens (Zweite von links) überreichte den Erlös des Benefiz-Brunches in Höhe von 6.500 Euro an Catherine Thiem, die Vorsitzende der Lebenshilfe Osterode (Mitte).
 
Zahlreiche Gäste folgten der Einladung des Lions-Clubs zum diesjährigen Benefiz-Brunch.

10. „Benefiz-Brunch“ des Lions Clubs Seesen-Osterode -Roswitha von Gandersheim

Zum nunmehr 10. Male fand am letzten Wochenende der „Lions-Brunch im Schildautal“ in den Räumlichkeiten der Asklepios-Kliniken in Seesen statt, eine Benefiz-Veranstaltung, die von den Damen des Lions-Clubs Seesen-Osterode „Roswitha von Gandersheim“ alle zwei Jahre zugunsten einer allgemeinnützlichen Organisation durchgeführt wird.

Und so konnte die diesjährige Präsidentin des Lions-Clubs Marianne Behrens an diesem Vormittag mehr als 120 Gäste aus Politik, Kultur, Wirtschaft und öffentlichem Leben begrüßen, die auch längere Anfahrtswege nicht gescheut hatten.
Der obligatorische Sektempfang war diesmal eingebettet in eine wundervolle Ausstellung des international ausgezeichneten Fotografen und Filmers Dietrich Kühne, der mehrere von der Lebenshilfe Osterode betreute Kinder porträtierte und deren Lebensweg in speziell dazu gestalteten Handouts aufzeichnete.
Die Lebenshilfe für Menschen mit Behinderungen, Kreisvereinigung Osterode am Harz, betreut Kinder mit unterschiedlichsten Behinderungen und deren Familien.
Oft werden die Familien nach der Geburt eines behinderten Kindes zunächst vollkommen überrascht und vor für sie vollkommen neuartige Probleme gestellt. Wie geht es weiter? Wo kann man um Hilfe und Unterstützung fragen? Was für finanzielle Hilfen stehen einem zu?
Um all diese Fragen zu beantworten und den Familien einen guten Start mit ihrem „besonderen“ Kind zu ermöglichen, soll eine Eltern- und Familien-Akademie gegründet werden, die den Betroffenen zur Seite steht.
Nach einleitenden Worten durch Club-Präsidentin Marianne Behrens und Grußworten der Vice-Governorin von Lions für Niedersachsen, Frau Küppers, begrüßte Prof. Dr. med. Manfred Holzgraefe, ärztlicher Leiter der Neurologischen Rehabilitation und Frührehabilitation, die Gäste im Namen der Asklepios Kliniken Schildautal.
Er stellte die vielfältigen Möglichkeiten und Einsatzbereiche der modernen Rehabilitation vor. Insbesondere die Ergotherapie, die sich um die Verbesserung und Wiedererlangung der motorischen Fähigkeiten bemüht und die Logopädie, welche bei Menschen mit Sprachstörungen und sogenannten Aphasien Anwendung findet, kommen an den Asklepioskliniken bei Krankheitsbildern wie dem Schlaganfall und neurologischen Störungen schwerpunktmäßig zum Einsatz und sollen den Patienten helfen, ihren Alltag möglichst selbständig zu bewältigen. Auch bei diversen – von Geburt an bestehenden – Behinderungen sind diese Verfahren für eine möglichst gute Entwicklung äußerst wertvoll.
Hiermit leitete Prof. Holzgraefe zum Vortrag des ersten Referenten über – Dr. med. Gerhard Hammersen, der als Kinderarzt seit 2006 im Team der Down-Syndrom-Sprechstunde in der Cnopf´schen Kinderklinik Nürnberg tätig ist. Dr. Hammersen erläuterte in einem hochinteressanten wissenschaftlichen Vortrag die Ursachen und Variationen des Down Syndroms und deren unterschiedliche Ausprägungen und Prognosen.
Das Down Syndrom wird auch Trisomie 21 genannt, da Chromosom Nr. 21 dreimal in den Zellen vorhanden ist. Menschen mit Down Syndrom haben dadurch im Gegensatz zu anderen Menschen 47 statt 46 Chromosomen.
Die Trisomie 21 geht mit gewissen Einschränkungen, sogenannten „Behinderungen“ und Gesundheitsrisiken einher, die von Dr. Hammersen im Einzelnen erläutert wurden. Wichtig hierbei ist, dass eine Trisomie in unterschiedlichen Stadien der Zellteilung eintreten kann und es deshalb auch sogenannte „Mosaik-Formen“ gibt, bei denen nicht alle Zellen dieses zusätzliche Chromosom haben und die Betroffenen deshalb die typischen Merkmale kaum oder nur in abgeschwächter Form zeigen. Das dritte Chromosom 21 beeinflusst Aussehen, Entwicklung und Gesundheit der betroffenen Kinder, allerdings in unterschiedlicher Ausprägung, sodass jedes Kind mit Down Syndrom ein Individuum mit ganz eigenen Fähigkeiten, Talenten und Veranlagungen ist.
Im Anschluss erläuterte Frau Professor Dr. Etta Wilken, emeritierte Professorin für allgemeine und integrative Behindertenpädagogik der Leibnitz Universität Hannover, sehr anschaulich die Möglichkeiten einer gezielten syndromspezifischen Förderung und Begleitung von Kindern und Jugendlichen mit Down Syndrom. Hierbei ist es vor allem wichtig, die Besonderheiten eines jeden Kindes alters- und entwicklungsbegleitend zu berücksichtigen. Vor allem sprachliche und motorische Fähigkeiten bedürfen hierbei einer speziellen Förderung, aber auch auf soziale Kompetenzen und typische Verhaltensweisen ist angemessen einzugehen. Durch eine solche entwicklungsbegleitende Unterstützung werden die Zukunftsperspektiven von Menschen mit Down Syndrom heute vielfältiger und günstiger.
Nach diesen äußerst interessanten Vorträgen übergab die Präsidentin Marianne Behrens als Erlös des Benefiz-Brunches einen Scheck in Höhe von 6.500 Euro an Catherine Thiem, die Vorsitzende der Lebenshilfe Osterode, die sich bedankte und die Lebenshilfe kurz vorstellte.
Die Eltern- und Familien-Akademie wurde von Frau Anabel Reinhardt, selbst Mutter einer einjährigen Tochter mit Down Syndrom initiiert. Sie schilderte anschließend anschaulich die Situation der Eltern, die plötzlich nach der Geburt eines Kindes mit Behinderung den vielfältigsten Problemen und Herausforderungen gegenüber stehen.
Die Eltern-Akademie steht den anfangs überforderten Familien mit praktischer Hilfe, zum Beispiel bei Behördengängen, und auch emotionalem Beistand zur Seite und bietet auch im weiteren Verlauf wertvolle Beratungs- und Freizeitangebote.
Den Abschluss der Veranstaltung bildete auch in diesem Jahr wieder das vom Küchen-Team der Asklepios-Kliniken hervorragend, reichhaltig und lecker hergerichtete und zudem gespendete Brunch-Buffet.
Bei guten Gesprächen in angenehmer Atmosphäre konnten sich die Gäste und die Damen des Lions Clubs über das gute Gelingen einer wiederum äußerst erfolgreichen Veranstaltung freuen, deren Erlös von 6.500 Euro auch in diesem Jahr wieder für eine äußerst wertvolle Einrichtung Verwendung findet.