Kinderbuch-Erstling einer talentierten Autorin

Wann? 04.04.2014 15:30 Uhr

Wo? Stadtbücherei, Jacobsonplatz 1, 38723 Seesen DE
Autorin Ulrike Kurbach (links) und Illustratorin Diana Pfister – hier mit drei begeisterten „Canna“-Fans aus dem DRK-Kindergarten Münchehof – stellen am 4. April ihr Buch in der Stadtbücherei Seesen vor.
Seesen: Stadtbücherei |

Seesenerin Ulrike Kurbach stellt mit Illustratorin Diana Pfister „Cannas Geschichten vom Frühling“ am 4. April in der Stadtbücherei vor

Sollte es stimmen, dass Menschen produktiver sind, wenn sie ihren Beruf mit Leidenschaft ausüben, dann ist die Seesenerin Ulrike Kurbach wohl ein leuchtendes Beispiel dafür. Seit nunmehr 18 Jahren ist sie als Kindergärtnerin tätig. Fast eine ganze Generation von Kindern durfte sie in dieser Zeit durch den DRK-Kindergarten Münchehof begleiten.

Den Kindern Märchen und Geschichten auch aus der eigenen Feder vorlesen, das mochte und mag sie dabei am meisten. Mit „Cannas Geschichten vom Frühling“ ist vor dem Weihnachtsfest 2013 ihr erstes Kinderbuch erschienen. Ende kommender Woche wird es offiziell im Rahmen einer Lesung in der Seesener Stadtbücherei vorgestellt.
Wenn ihr jemand mit Lob kommt, dann wird die sonst recht selbstbewusste Ulrike Kurbach doch ein wenig unsicher. Fast schon verlegen streicht sie sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht; das macht sie sympathisch. Nie kommt auch nur der Verdacht auf, sie wolle sich über ihr außerberufliches kreatives Schaffen selbst profilieren. „Ich habe einfach einen Riesenspaß am Umgang mit Kindern, am Geschichtenerzählen, am Schreiben“, sagt sie. Das glaubt man ihr nicht nur, das merkt man ihr deutlich an.
Die Idee zu den täglichen Gute-Nacht-Geschichten entstand aus dem Wunsch eines Bekannten, ein indisches Kind zu adoptieren. Da stellte sich die Frage, wie man abends an der Bettkante wohl Geborgenheit spenden kann, auch wenn Sprache und Umgebung noch fremd sind. Nicht ohne Grund ist die Hauptprotagonistin des Buches eine „Canna indica“, eine besonders farbenprächtige Zierpflanze, die man im Deutschen als „Indisches Blumenrohr“ kennt. „Canna“ fühlt sich auf ihrer Wiese recht einsam. Weit und breit sieht niemand und nichts so aus wie sie. Sie ist traurig, fühlt sich ausgeschlossen, bis sie zunächst Freundschaft schließt mit dem kleinen sensiblen Gänseblümchen und später dann auch mit dem Reisevogel Felix. Der ist schon weit in der Welt herumgekommen und erzählt Canna etwas über deren indische Wurzeln, über ihre Verwandten. Und Felix erklärt Canna, dass er sie in seinem Bauch mitgenommen und über der Wiese verloren habe. Jeder abenteuerliche Tag endet damit, dass die Glühwürmchen Canna mit ihrem Lichtertanz in den Schlaf wiegen. Im Laufe des Buches tauchen unter anderem noch Frau Maus, Doktor Hirschkäfer, der Retter-Tausendfüßer mit der Trage auf dem Rücken, die sich stets streitenden Käfer Karl und Konrad, Manfred Marienkäfer und die pollennaschende Biene Ursula auf – ein herrlich unterhaltsames Sammelsurium an Charakteren, jeder auf seine Weise liebenswert.
Einsamkeit, Anderssein, Freundschaft, Streit, Hilfsbereitschaft: Die Themen in „Cannas Geschichten vom Frühling“ sind die gleichen wie in der etablierten großen Literatur, nur eben ganz pfiffig und gekonnt übertragen in die Sprache der Kinder. „Um Kindern das Leben zu erklären, muss man keine Menschengeschichten erzählen, das geht viel besser auf diese Weise“, sagt Ulrike Kurbach, die es aus ihrem Berufsalltag schließlich wissen muss. „Aggressive Wörter habe ich an keiner einzigen Stelle verwendet. Ich will mit meinen Geschichten an die Gefühle der Kinder herankommen, ohne dass es schmerzt und wehtut“, so die 37-Jährige weiter.
Was außerdem auffällt: Es handelt sich hier im besten Sinne des Wortes um Kinderliteratur, die diesen Namen auch verdient. Das macht sich immer wieder an gewissen Formulierungen fest. Beispiele gefällig? „Der Regentropfen erzählte Canna seine Geschichte, während er sich mit der Erde verband“ oder „Langsam stieg die Sonne in ihren Schlafanzug, der aus leuchtenden Farben gewoben war“ oder „Es ist nur richtig, auch mal zu weinen, wenn man vor lauter Glück überläuft. Dann wird das Lachen hinterher noch besser“.
Was die Tätigkeit des Schreibens an sich angeht, so hat die in Stauffenburg aufgewachsene Ulrike Kurbach zwar kein besonderes Rezept, aber diszipliniert ist sie schon: „Ich setze mich einfach hin und schreibe darauflos, meistens zwei bis drei Stunden täglich. Dann bin ich im Flow.“ Von Blockaden und fehlenden Ideen keine Spur. Ulrike Kurbach ist so etwas wie ein Naturtalent. Schon jetzt ist der geplante Nachfolgeband „Cannas Geschichten vom Sommer“ so gut wie fertig.
Ihrem „gewaltfreien Hobby“ geht Ulrike Kurbach übrigens zusammen mit der befreundeten Diana Pfister nach. Die studierte Bauingenieurin und zweifache Mutter hatte ihrer ältesten Tochter Canna-Geschichten vorgelesen und dann angeboten, zu den Geschichten Bleistiftzeichnungen anzufertigen. Das nahm die Autorin gerne an. Das bunte Titelbild und die Zeichnungen sind eine echte Bereicherung.
Schwierig gestaltete sich wie erwartet die Suche nach einem Verlag. „Nach der elften Absage bin ich eben ins kalte Wasser gesprungen und habe eine kleine Auflage auf eigenes Risiko bei ‘Papierfresserchens MTM-Verlag’ in Auftrag gegeben“, sagt die Autorin. Ihre Patentante, von Haus aus Deutschlehrerin, hat das Werk an einem Abend korrigiert. Dass es Ulrike Kurbachs großer Traum ist, einmal vom Schreiben leben zu können, versteht sich wohl von selbst. Das Buch „Cannas Geschichten vom Frühling“ wird am Freitag, 4. April, um 15.30 Uhr in der Stadtbücherei Seesen vorgestellt. Karten sind dort für zwei Euro (Kuchen und Getränke inklusive) erhältlich. Telefon: (05381) 947411; E-Mail: buecherei@seesen.de. Das Buch kann an diesem Nachmittag für 11,80 Euro erworben und von der Autorin signiert werden. Ansonsten gibt es das Buch in der Buchhandlung Isabella Beier, Jacobsonstraße 33, und in der Bücherwelt Seesen, Bismarckstraße 16.