Klang & Leben gegen das Vergessen

Graziano Zampolin zu Gast beim Paritätischen. Er referierte zum Thema „Die Demenz kann uns mal“ – Ohrwürmer hören gegen das Vergessen.

Demenz-Aufklärungsarbeit: Graziano Zampolin war zu Gast beim Paritätischen

Zu einem Vortag der anderen Art hatte der Paritätische Seesen am vergangenen Mittwoch im Rahmen der Lokalen Allianzen für Menschen mit Demenz in das St. Vitus, Evangelisches Alten- und Pflegezentrum Seesen, eingeladen.

Der Tagungsraum war bis auf den letzten Platz belegt. Dies zeigte wieder einmal, wie wichtig die Aufklärungsarbeit und das Interesse am Thema Demenz ist. Sven Dickfeld, Geschäftsführer des Paritätischen Seesen, hieß den Referenten und alle Anwesenden herzlich willkommen und wies darauf hin, dass der Abend ein weiterer Baustein in der Reihe „Musik & Demenz“ ist – eine erstaunliche Verbindung. Graziano Zampolin, Krankenpfleger, Demenzcoach und Initiator des Musikprojektes „Klang & Leben“ referierte zum Thema „Die Demenz kann uns mal“ – Ohrwürmer hören gegen das Vergessen. Im Fokus der Ausführungen Zampolins stand die Bedeutung der Musik für demenziell veränderte Menschen. Als betroffener Angehöriger berichtete Zampolin, wie sich gewachsene familiäre Strukturen an neue Gegebenheiten anpassen müssen, wenn im persönlichen Umfeld, ein Mensch mit fortschreitender Demenz lebt. Demenziell veränderte Menschen verlieren nach und nach die Erinnerung an ihr gelebtes Leben. Zunächst knüpfen sie an eine Zeit an, die 30 bis 40 Jahre zurückliegt und halten sich für sehr viel jünger, als sie sind. Soziale Beziehungen aus der jüngeren Vergangenheit sind praktisch kaum noch existent. Dies ist gerade für den Partner und die eigenen Kinder eine schmerzliche Erfahrung. Betreuer/-innen in der alltäglichen Begegnung wiederum werden als vertraute Personen wahrgenommen, wenn sie durch ihr Aussehen, ihre Stimme oder ihren Geruch an einen Menschen aus der Vergangenheit erinnern. „Ich selbst bin schon als Sandkastenfreund und große Liebe erkannt worden“, berichtet Zampolin aus seiner Arbeit. Weiter betont er, dass die Biografie eines demenziell veränderten Menschen ein wichtiger Schlüssel in der Begegnung und Motivation ist, denn über positive Assoziationen aus der Vergangenheit gelingt auch ein Zugang zum Hier und Jetzt, reduziert Ängste und gibt Geborgenheit. Wünschenswert wären hier bei dem fast zweistündigen Vortag einige Klangbeispiele gewesen, um die Ausführungen neben der Bildpräsentation etwas aufzulockern oder zu ergänzen.