Klazzbrothers: "Classic meets Cuba"

Im Zugabenteil bleibt keiner mehr sitzen. In der Aula wird, trotz Stuhlreihen, getanzt.

„Classic Meets Cuba II“ das war ein begeisternder Konzertabend beim Seesener Kulturforum, eine mitreißende „Mambophonie“ zwischen Klassik und Cuba, von Beethovens „Freude schöner Götterfunken“ cross over zu den heißen Rhythmen der „Neuen Welt“ Dvoraks, mitmischend Tschaikowsky (Ouverture 1812) zusammen mit den Anklängen der französischen Nationalhymne.

Die Klazz Brothers waren – längst überfällig eigentlich – zusammen mit ihren cubanischen Percussionisten jetzt endlich auch beim Seesener Kulturforum zu Gast. Die „Klazz Brothers“ – das sind Bruno Böhmer Camacho (piano), Kilian Forster (bass) und Tim Hahn (drums) – und die „Cuba Percussion“ mit Alexis Herrera Estevez (timbales) und Elio Rodriguez Luis (congas) präsentieren ein im besten Sinne des Wortes mitreißendes Programm. Zu Beginn klären die fünf Herren in Weiß das Publikum über den Ursprung der Salsa-Musik auf und finden ihn bei Johann Sebastian Bachs „wohltemperiertem Klavier“ in Leipzig. Beethovens „Mondschein-Sonate“, vorgegeben am Steinway-Flügel, landet ebenfalls nach heftig-aggressiven Einwürfen durch den Bassisten bei den cubanischen Rhythmikern, ehe auch Beethoven wieder zu Ton kommt.
Zur möglichen Frage nach den Entstehungsprozessen der klassisch-rhythmischen Mixturen spielen die Musiker eine Probensituation. Sicherlich nicht leicht umzusetzen ist Boccherinis Streichquintett opus 11, bekannt aus „Ladykillers“. „Afro Macho beginnt!“ Der Pianist versucht es spanisch zu klären. Aber: „Das ist kein Karneval, das ist Europa!“ Die Szene wird in einer Kampfszene eingefroren, ehe – „drei Wochen später – Boccherini sich cha-cha-chá-gewandet im Dreiviertel-Takt präsentiert. Rachmaninoff, Beethoven und Vivaldi erzählen vom „Cuban Summer“ oder vom Mondschein.
Vivaldis „Frühling“ eröffnet den musikalischen Reigen nach der Pause. Ungewohnt zahm gibt sich die kubanische Kammermusik (Bach, Klavierstücklein für Anna Magdalena) zunächst, erweitert durch ein Gesangsqintett („canzonette!“) bis hin zur Riesenrhythmusgruppe des Publikums. Full house „à la dansonette, si?“

Die Musiker auf der Bühne bilden kleine Gruppen: Die beiden Cubaner als „Duo Infernale“, das Klazz-Brothers-Trio schließlich bespielt Chatschaturjans „Säbeltanz“ mit jazzigem Piano, Improvisationen und einem wahren Kraftakt in südamerikanischen Harmonien, ehe die Säbel wieder dominieren. Zu erwähnen wären noch der Nussknacker-Calypso mit Balletteinlage, Bassist Forster am Klavier, während Bruno Böhmer Camacho die Musik mit Liegestütz begleitet (2. Kraftakt!).

Im Zugabenteil wird die Bühne zum Tanzboden. „Mambozart“ kommt zu Ohren, „Jingle Bells“ künden in Highspeed vom nahenden Weihnachtsfest und schließlich beendet ein mozartes Nachtlied den europäisch-cubanischen Abend. Das Publikum ist begeistert. Allein die Gesangsaussteuerung der Technik könnte beim nächsten Mal verbessert werden. Das geballte Temperament, die musikalische Virtuosität und die ansteckende Spiel- und Tanzfreude werden dem Publikum des Seesener Kulturforums in Erinnerung bleiben. Hoffentlich heißt es in Seesen demnächst irgendwann „Classic Meets Cuba III“.

Joachim Frassl