Kleine Sonnenkraftwerke auf dem Rübenfeld

Informationen rund um das „Sonnenkraftwerk“: Landwirt Ralf Greune aus Engelade hat am Rand seines Zuckerrübenfeldes ein Informationsschild aufgestellt. Foto: Knoblich

Landwirt Ralf Greune aus Engelde: „Feldrandschilder informieren über vielseitig nutzbare Zuckerrübe“

Engelade (bo). Energie pur entsteht derzeit auf einigen Tausend Hektar mit vielen kleinen Sonnenkraftwerken. Die Zuckerrübe auf den Feldern wandelt Kohlendioxid und Wasser unter Einsatz von Sonnenenergie in Zucker um. Quasi nebenbei entsteht lebensnotwendiger Sauerstoff.
Was diese Kulturpflanze alles kann, weiß Rübenanbauer Ralf Greune aus Engelade ganz genau. Er sagt: „Uns ist es wichtig, der Bevölkerung die Bedeutung und die Vielfalt der heimischen Zuckerrübe bewusst zu machen.“ Plakativ informieren daher neue Feldrandtafeln über die vielseitig nutzbare Zuckerrübe. Auch Ralf Greune hat in diesen Tagen die Ärmel hochgekrempelt und den Spaten in die Hand genommen, um eine solche Tafel in der Feldmark zwischen Engelade und Bilderlahe aufzustellen. Dort informiert sie nun Spaziergänger und Fahrradfahrer. Organisiert wurde diese Aktion vom regionalen Zuckerrübenanbauerverband Niedersachsen-Mitte e.V.
Die Produktion von Zucker ist die Hauptaufgabe der Zuckerrübe. Der Zucker entsteht nämlich nicht in der Zuckerfabrik, sondern bereits auf dem Rübenfeld. Die Fabrik dient nur noch dazu, den auf dem Feld gewachsenen Zucker von den Nichtzuckerstoffen zu trennen.
Die Leistungen des Sonnenkraftwerks Zuckerrübe sind übrigens gewaltig. Der Zucker eines Hektars Rüben (100 Meter x 100 Meter) entspricht bei einer guten Ernte dem Jahresverbrauch von immerhin 400 Menschen. Der nebenbei produzierte Sauerstoff reicht insgesamt für 120 Menschen jährlich zum Atmen. „Auch die Nebenprodukte bei der Zuckerherstellung werden wieder als Kalkdünger und Futtermittel sinnvoll in den landwirtschaftlichen Kreislauf gebracht“, berichtet Ralf Greune weiter.
Inzwischen hat sich der Nutzen der Rübe erweitert. Ein Teil der Rüben wird auch für die Herstellung von Bioethanol verwendet. Durch den hohen Energieanteil in der Rübe ist sie ein interessanter Rohstoff für die Energieerzeugung. Von einem Hektar lassen sich beispielsweise 7000 Liter Bioethanol herstellen, womit etwa ein Auto 75.000 Kilometer fahren kann. Außerdem können Zuckerrüben zur Effizienzsteigerung in vorhandenen Biogasanlagen verwendet werden.
Aktuell präsentieren sich die Rüben gut. Nach früher Aussaat und guter Frühjahrsentwicklung haben die Rüben einen guten Wachstumsstand. Dr. Clemens Becker, Geschäftsführer des Zuckerrübenanbauerverbandes Niedersachsen-Mitte e.V. bleibt jedoch realistisch: „Eine Ertragsprognose kann derzeit noch nicht vorgenommen werden. Das wäre vermessen, denn die Monate Juli, August und September sind für die Ertragsbildung entscheidend.“ Mit der richtigen Portion Regen und reichlich Sonne für hohe Zuckergehalte könnte es dann aber wohl eine gute Ernte werden.

Der Zuckerrübenanbauerverband Niedersachsen-Mitte e.V. vertritt die Interessen von rund 2500 Landwirten in der Region rund um Hannover, Hildesheim, Braunschweig bis hin zum Harzrand. Die Verbandsmitglieder liefern insgesamt mehr als ein Drittel der von der Nordzucker AG verarbeiteten Rüben.