Kohlmeise hat den Schnabel vorn

Über 7.400 niedersächsische Teilnehmer meldeten aus knapp 5.000 Gärten insgesamt über 205.000 Vögel.

Gute Beteiligung an der Aktion „Stunde der Wintervögel“

Die „Stunde der Wintervögel“ bleibt Deutschlands und Niedersachsens größte wissenschaftliche Mitmachaktion: Mehr als 73.000 Menschen beteiligten sich an der gemeinsamen großen Vogelzählung des NABU und des Landesbundes für Vogelschutz in Bayern (LBV).

Die Aktion fand bereits zum vierten Mal landes- und bundesweit statt. Über 7.400 niedersächsische Teilnehmer meldeten aus knapp 5.000 Gärten insgesamt über 205.000 Vögel.
Aus den Meldungen ermittelten die Experten des NABU die durchschnittlich pro Garten beobachteten Vögel, um diese Werte zwischen den Arten, zwischen verschiedenen Regionen des Landes und über viele Jahre hinweg vergleichen zu können. Auf diese Weise gewinnen sie ein detailliertes Bild über Vorkommen und Bestandstrends der Vögel in Deutschlands Siedlungsräumen. Der Hausperling hat sich den Spitzenplatz als häufigster Wintervogel in Deutschlands Gärten vom Vorjahressieger Kohlmeise zurückgeholt. In Niedersachsen hat die Kohlmeise „den Schnabel vorn“. Auf den weiteren Plätzen folgen Haussperling, Blaumeise, Feldsperling und Amsel.
„Auch wenn damit die Beteiligung nicht ganz so hoch wie im Vorjahr war, bedeutet das neben den Hinweisen, die wir auf Trends bei den Garten- und Parkvögeln unserer Heimat bekommen, auch, dass sich diese Menschen intensiv mit der Vogelwelt, der Natur und dem Naturschutz beschäftigt haben, ein wunderbarer Effekt in Zeiten schwindender Artenkenntnis! Denn: Nur was ich kenne, kann ich auch schützen“, bilanzierte Dr. Holger Buschmann, NABU-Landesvorsitzender.
Gegenüber den Vorjahren wurden weniger Vögel pro Garten gemeldet. „Diese Ergebnisse bedeuten aber noch lange nicht, dass die Vogelbestände in unseren Dörfern und Städten grundsätzlich abnehmen“, erklärte NABU-Vogelschutzexperte Lars Lachmann. „Dass wir in diesem Jahr die meisten Arten nicht so häufig sehen konnten, liegt an dem bis zur Zählung sehr milden Winter. Dank Schneemangels finden Meisen, Finken und Co. weiterhin auch außerhalb unserer Gärten genug Nahrung. Auch das Winterwetter im Norden und Osten Europas spielt eine wichtige Rolle: Gibt es dort noch genug Nahrung, bekommen unsere Gartenvögel viel weniger Zuzug von Verwandten aus diesen kalten Regionen.“
Nicht alle Rückgänge dieses Jahres können jedoch mit dem milden Winter erklärt werden: Der Grünfink macht den Naturschützern ernsthaft Sorgen. Er ist zwar immer noch landes- wie auch bundesweit der sechsthäufigste Gartenvogel im Winter, aber nach zuvor stabilen Beständen wurde nun eine plötzlich starke Abnahme um 26 (bundesweit 31) Prozent gegenüber dem Vorjahr festgestellt. Der Grund dafür ist wahrscheinlich das im vergangenen Jahr verstärkt aufgetretene Grünfinkensterben aufgrund von Trichomoniasis, einer durch einzellige Parasiten ausgelösten Erkrankung, die insbesondere an sommerlichen Vogelfutterstellen auftrat.
Das milde Wetter hat aber auch dazu geführt, dass einige Durchzugsgäste derzeit noch in Niedersachsen verweilen. Wacholderdrosseln aus Nordeuropa, die bei strengem Winter eigentlich in den Mittelmeerraum fliegen, sparen sich erst mal den Weg in den Süden und wurden deshalb vermehrt beobachtet. Der Zugvogel rangiert auf Platz 22.
Obwohl drei Viertel der Beobachtungen auf die zehn häufigsten Arten entfielen, wurden insgesamt bei der diesjährigen Winterzählung 166 Vogelarten aus Gärten und Parks gemeldet. Dies illustriert die beachtliche Vielfalt an Vogelarten, die im Siedlungsraum vorkommen.
Unter diesen Arten befanden sich unter Vogelbeobachtern heißbegehrte Raritäten, wie beispielsweise eine Sperbereule, die sich aus ihrer Heimat am Polarkreis in einen Garten im Erzgebirge verflogen hatte, aber auch in Deutschland bisher unbekannte entflogene Käfigvögel wie ein australischer Pennantsittich oder ein afrikanischer Kikuyu-Brillenvogel.
Auch in diesem Jahr hatten einige niedersächsische Teilnehmer das große Glück, außergewöhnliche Vögel zu beobachten. So flogen 38 Eisvögel und eine Schleiereule vor die Ferngläser. Beide Arten leiden stark unter hartem Winterwetter und profitieren derzeit von der milden Witterung. Zudem wurden auch bereits drei Weißstörche gesichtet.
2013 hatten sich niedersachsenweit über 9.500 Vogelfreunde beteiligt und rund 294.000 Vögel gemeldet.