Kommentar: Ans Bein gepinkelt

Ulrich Kiehne.
Von Ulrich Kiehne

Was Sanifair da treibt ist unzulässig, hat sich ein pflichtbewusster Beamter der Stadtverwaltung Seesen gedacht – und damit offenbar eine Lawine losgetreten. Weil den Besuchern einer Raststätte mit der Preiserhöhung nicht mehr die Möglichkeit gegeben war, eine Toilette kostenfrei aufzusuchen, hat sich die Stadt im Dezember eingeschaltet. Jetzt soll die Verwaltung wieder zurückgepfiffen werden. Das Niedersächsische Wirtschaftsministerium will – warum auch immer – nicht, dass dem Toiletten-Betreiber Sanifair ans Bein gepinkelt wird. Während viele Autofahrer oder Trucker sich über die „Abzocke“ am Autobahn-Klosett zumindest aufregen, versucht man in Hannover, Sanifair zu schützen. Spannend dürfte die Frage werden, wie die Stadt Seesen mit der Anweisung aus Hannover umgeht. Ihr nachzukommen, würde bedeuten, klein beizugeben. Weiterhin den Aufstand zu proben, und damit gegen die Fachaufsicht aus der Landeshauptstadt quer zu schießen, könnte eine ganze Menge Ärger mit sich bringen. Aber die Verwaltungsspitze sieht sich im Recht und ist daher gut beraten, nicht von ihrer Linie abzuweichen. Zumal nicht einzusehen ist, warum jede Kneipe in Seesen ihren Gästen kostenfreie Toiletten vorhalten muss, und Sanifair links und rechts der Autobahn Extrawürste braten darf. Nicht nur die Gaststättenbetreiber dürften die Stadt Seesen auf ihrer Seite haben. Rund 54 Millionen Autofahrer dürften der Stadt Seesen die Daumen drücken, dass man am Ende nicht nur Recht hat, sondern auch Recht bekommt.