Konfirmation heute, „Konfis“ berichten

(von links) Rene Kretschmer, Jan Flüg und Birk Svante erzählen vom Konfirmanden Ferien Seminar (KFS) (Foto: bo)

Konfirmanden sprechen über das Ferienseminar / Frau Weiner erzählt von der Konfirmation zu Hitlerzeiten

Seesen (bo). Thema beim jüngs­ten Lesecafé des Arbeitskreises „Jung und Alt“, des Evangelischen Kirchenzentrums Seesen, der AWO und des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes war die Konfirmation. Zur Einstimmung wurde gemeinsam das Lied „Ich heb meinen Blick“ mit Gitarrenbegleitung durch Pfarrer Meyer gesungen. Er hat einige Teilnehmer des letzten Konfirmandenferienseminars in Südtirol, unter denen auch „Teamer“ (Gruppenleiter) waren, dazu motiviert, zu erzählen, was einen modernen Konfirmationsunterricht ausmacht und was man auf einem KFS so treibt, bei dem man mal eine Zeit ohne Handy, iPod, Computer und Internet auskommt.
Es geht um die großen Themen Gemeinschaft und Spiritualität. Indem man eine zeitlang in der Gruppe zusammenlebt und viele unterschiedliche Charaktere unter einen Hut zu bringen sind, lernt man am besten, sich in ein Team einzubringen und auf andere zu achten. Obwohl viel zusammen gesungen, gebetet, in der Bibel gelesen und diskutiert wird, steht das Erfahrungslernen im Vordergrund. Die „Konfis“ wandern zusammen, wobei man während dieser Wanderungen Spiele wie das „Hühner-Spiel“ spielt, bei dem alle in der Gruppe ein Huhn spielen sollen, das am nächsten Tag geschlachtet wird. Die Aufgabe ist, sich gegenseitig vor der Schlachtung zu retten. Um die „Hühner“ wird ein Gatter gezogen, das an manchen Stellen niedrig ist, an anderen Stellen jedoch so hoch, dass man das Hindernis nur mit Unterstützung überwinden kann.
Jede Stelle ist durch unterschiedliche Farben markiert und jedes „Huhn“ bekommt einen farbigen Wollfaden, der die Höhe des zu überwindenden Hindernisses bestimmt. Wichtig bei dem Spiel sind zwei Regeln – wer einmal draußen ist, darf nicht mehr herein und alle „Hühner“ müssen befreit werden. Am Anfang klappt dieses Spiel noch nicht so gut, da jedes Huhn erst einmal an sich denkt und die Chance nutzt, ein niedriges Hindernis erwischt zu haben. Die Pechvögel unter den „Hühnern“ haben nicht mehr genügend Unterstützer, die ihnen über die hohen Hindernisse helfen. Die gesamte Gruppe lernt dadurch spielerisch, dass das gemeinsame Ziele setzen und erreichen Vorteile für alle bringt. Auch bei der Kommunikation untereinander gelten besondere Regeln – man lernt die „gewaltfreie Kommunikation“.
Der Tag ist schon durch christliche Rituale wie Morgenfeier, Mittagslob und Abendgebet strukturiert – doch man beschäftigt sich nicht nur mit Kirchenliedern und Gebeten, sondern schaut schon mal gemeinsam einen Filme wie „Trailer zu Goodbye Bafana“ an, in dem es um die Beziehung des Gefängniswärters Bafana im Südafrika der Apartheid zum politischen Häftling Nelson Mandela ging und Bafana nach und nach merkte, dass im Prinzip alle Menschen unabhängig von ihrer Hautfarbe gleichwertig sind.
Zu den Themen dieser Filme werden Workshops veranstaltet, in denen man über Rassismus diskutiert und sich zum Beispiel mit Martin Luther Kings berühmter Rede „I have a dream“ beschäftigt. Es gibt aber auch Workshops, in denen die „Konfis“ sich ein Gemälde wie „Das letzte Abendmahl“ vornehmen und dieses in einer Art psychodramatischer Aufstellung nachstellen. Jeder spielt die Rolle eines auf dem Gemälde Abgebildeten, fühlt sich in seine Situation ein und erzählt die Geschichte aus seiner Sicht. Im Rahmen der KFS werden auch die „Konfi-Cups“ ausgerichtet. Dabei handelt es sich um Wettkämpfe, bei denen alle Konfirmandengruppen der Region gegeneinander antreten, und sie bestimmte schwierige Aufgaben lösen müssen.
Die „Teamer“ denken sich auch Aufgaben für den „Konfi-Cup“ aus – einer erzählte den Senioren ganz stolz, wie er sich mit seinen Kollegen einen Vergleich zwischen Original und Fälschung ausdachte. Das Original war Leonardo da Vincis „letztes Abendmahl“ und in der Fälschung hat sich die Gruppe zehn teilweise kniffelige Fehler ausgedacht, bei denen man sehr genau hinsehen musste, um sie zu finden.
Das sollten die Gäste selbst auch mal ausprobieren – es war gar nicht so einfach. Früher ist es so gewesen, dass man zwei Jahre einmal wöchentlich zum Konfirmandenunterricht ging. Heute ist diese Zeit durch das KFS auf ein Jahr verkürzt. In der restlichen Zeit gibt es an Samstagen Blockunterricht von vier Stunden. Am KFS können auch bedürftige Jugendliche teilnehmen, da es vom Jobcenter und von der Kirchengemeinde Zuschüsse gibt.
Von ihrer Konfirmation im Jahr 1943 erzählte Frau Weiner. Ausgerechnet an diesem Tag hielt Adolf Hitler eine Rede und ursprünglich sollten die Konfirmanden in HJ-Uniform antreten, um diese Rede zu hören. So schlimm ist es aber nicht gekommen – man einigte sich darauf, dass die Konfirmanden die Hitler-Rede zu Hause mit ihren Eltern vor dem Volksempfänger hören „durften“. Da vormittags kirchliche Feiern von den Nationalsozialisten verboten wurden, konnte die Konfirmation erst um 14 Uhr stattfinden.
In Oberschlesien war es üblich, dass die Konfirmandinnen weiße Kleider tragen sollten, da die Konfirmation ein besonderer Tag ist. Zu Kriegszeiten war das ein schwieriges Unterfangen – viele Mädchen trugen aus weißer Ballonseide genähte Kleider und auch die Verpflegung der Gäste erwies sich als kompliziert.