Kradfahrer sind weiterhin größte Risikogruppe

Die Polizei führt die rückläufigen schweren Unfallfolgen auf den harten Winter zurück. (Foto: Archivfoto: Strache)
 

Schwere Unfallfolgen rückläufig / Polizei sieht harten Winter als Grund / Prävention steht im Fokus

4.188 Verkehrsunfälle zählt die Polizeiinspektion Goslar für das Jahr 2010. Damit stieg die Zahl der Unfälle im Vergleich zum Vorjahr um 4,4 Prozent. Die Experten der Polizei, allen voran Thomas Brych (Leiter der Polizeiinspektion), führen den leichten Anstieg auf den langen Winter zurück.

Von Maximilian Strache

Goslar / Seesen. Erfreulich ist hingegen die Entwicklung bei der Zahl der schweren Unfallfolgen. Hier konnten die Beamten einen Rückgang um 4,1 Prozent verzeichnen. Dies führen die Polizisten auch auf den strengen Winter und die erhöhte Vorsicht der Autofahrer zurück. Mit 148 Schwerverletzten registrieren die Statistiker sogar den niedrigsten Stand der letzten sechs Jahre. Die Zahl der Leichtverletzten befindet sich sogar auf dem niedrigsten Niveau der letzten zehn Jahre.
„Dieses positive Ergebnis“, so Brych, „wird jedoch durch die Anzahl der durch Unfälle getöteten Verkehrsteilnehmer getrübt. Im vergangenen Jahr starben zehn Menschen auf den Straßen unseres Landkreises.“
Das Ziel der Polizei, die einen regen Austausch mit der Niedersächsischen Landesbehörde für Straße und Verkehr (Abteilung Goslar) und den Kommunen pflegt, ist es, die Unfallfolgen zu minimieren. Dabei richten die Verantwortlichen ihren Blick vor allem auf die Hauptursachen für Verkehrsunfälle. „Die meisten schweren Unfälle sind zu hoher beziehungsweise nicht angepasster Geschwindigkeit und dem Konsum von Alkohol und Drogen geschuldet“, erklärte Brych im Rahmen der Pressekonferenz zur Verkehrsunfallstatistik. Den Streifenpolizisten, so der Inspektionsleiter, geht jeden Tag mindestens ein Verkehrsteilnehmer ins Netz, der unter Drogen- oder Alkoholeinfluss steht. Die Dunkelziffer liege jedoch deutlich höher.
Trotz umfassender Präventionsmaßnahmen, wie beispielsweise der Aktion „Sicher durch den Harz“, ist die Gruppe der Kradfahrer an Unfällen mit schweren Folgen weiterhin überproportional beteiligt. Mit fünf Todesopfern und 37 Schwerverletzten stellen die Kradfahrer ein Viertel aller Getöteten und Schwerverletzten. Die Hauptursache ist auf überhöhte Geschwindigkeit gepaart mit einer ausgeprägten Risikobereitschaft zurückzuführen.
Auch die Bekämpfung von Wildunfällen bildete einen Schwerpunkt bei der Arbeit der Polizei. Die topografischen Besonderheiten des Harzes bürgen eine erhöhte Wildunfallgefahr. Im vergangenen Jahr ereigneten sich 560 Wildunfälle. Zwar konnte durch die Installation von Duftzäunen und Dreibeinen die Unfallquote gesenkt werden, doch trotzdem wird die Minimierung solcher Unfälle, insbesondere die mit Beteiligung von Schwarzwild, hohe Priorität haben.
Weiter gestiegen ist auch die Zahl von Unfallfluchten. Entfernten sich im Jahr 2009 noch 818 Verkehrsteilnehmer unerlaubt vom Unfallort, so zählten die Beamten der Polizeiinspektion im Jahr 2010 ganze 902 Fälle. Die Polizei ruft deshalb alle möglichen Zeugen auf, sich an der Aufklärung derartiger Delikte zu beteiligen.
Das Hauptaugenmerk der Polizei, so Kriminaldirektor Brych, liegt bei allen Bemühungen um eine erhöhte Verkehrssicherheit darin, bei den Verkehrsteilnehmern, die aufgrund eines Fehlverhaltens auffällig geworden sind, Einsicht zu erreichen. „Mit Geschwindigkeitsmessungen wollen wir die Autofahrer nicht ärgern. Es geht dabei nicht ums Geld, auch wenn das schwer zu vermitteln ist. Mit regelmäßigen Geschwindigkeitskontrollen sollen Unfallbrennpunkte entschärft werden“, verdeutlichte Brych die Intention der Polizei. Polizeihauptkommissar Jürgen Bosse fügte den Ausführungen von Brych hinzu, dass gerade an den Straßenabschnitten mit stationären Blitzern die Unfallquote fast auf Null zurückgefahren werden konnte. In diesem Jahr wird die Polizeiinspektion zudem ein neuartiges Eso-Messgerät einsetzten, das es ermöglicht Kradfahrer dingfest zu machen. „Die neue Technik erlaubt es uns, auch in kurvigen Harzstraßen zu blitzen. Zudem können wir mit dem neuen Gerät Kradfahrer genau identifizieren. Dies war vorher nicht möglich“, erklärte der Polizeihauptkommissar.
Die Polizei wird auch in diesem Jahr verstärkt auf Präventionsarbeit mit so genannten Risikogruppen setzen. Dazu gehören neben den Kradfahrern vor allem Fahranfänger im Alter zwischen 18 und 26 Jahren.


Sicher durch den Harz
Die länderübergreifende Zusammenarbeit der Polizeien in Niedersachsen mit den Polizeien der Länder Sachsen-Anhalt und Thüringen, die vor zwei Jahren am Torfhaus startete, ist inzwischen ein fester Bestandteil der Unfallprävention bei der gefährdeten Gruppe der Kradfahrer. In diesem Jahr wird unter der Leitung des Landes Thüringen die Auftaktveranstaltung auf dem Kyffhäuser stattfinden. Dort werden die Motorradfahrer über die verkehrstypischen Gefahren, aber auch die Überwachungsmaßnahmen und Geschwindigkeitsmessgeräte informiert. Gerade im Frühling verzeichnen die Beamten eine erhöhte Unfallquote bei Motorradfahrern. Die Experten führen dieses alljährliche Phänomen darauf zurück, dass sich viele Kradfahrer zu Beginn der Saison überschätzen.