„Kunst stellt den Weg dar, über Südtirol zu erzählen“

Der Seesener Künstler Hans-Georg Wöhle.
 
Tochter Tanja Wöhle und Bürgermeister Hubert Jahns während der Vernissage.

Hans-Georg Wöhle stellt im Städtischen Museum aus / „Südtirol – hoch hinauf!“

Unter dem Titel „Südtirol – hoch hinauf!“ zeigt der Seesener Künstler Hans-Georg Wöhle noch bis zum 3. April im Städtischen Museum insgesamt mehr als 80 Bilder. Es ist die erste künstlerische Ausstellung dieser Art im neugestalteten Museum. Zahlreiche Gäste verschafften sich während der Vernissage am Freitagabend im Museum einen Eindruck über die „Wöhle-Werke“.

Von Ulrich Kiehne


Seesen. Südtirol, so berichtete Wöhle, den interessierten Gästen im Verlauf der Ausstellungseröffnung, hat es bis zum Jahr 1919 als politischen oder geografischen Begriff gar nicht gegeben. Dies war schlicht und einfach der südliche Teil Tirols. Nach dem verlorenen 1. Weltkrieg musste Österreich als Reparationsleistung Teile seines Großreiches abgeben. Im Vertrag von Saint Germain ist dieser südliche Teil Tirols an Italien gefallen und wurde von den Italienern „Alto Adige“ genannt. Im deutschen Sprachraum bildete sich – als Antwort auf beginnende Italienisierung – der Begriff Südtirol heraus. Assimilation und der Versuch kulturelle Identität dieses alten deutschsprachigen Alpenvolkes zu tilgen, hat die Politik Italiens über Jahrzehnte bestimmt. In Vorbereitung auf den Krieg befindlich, bildete sich die Achse Berlin-Rom und ließ die Hoffnung der Südtiroler auf Stärkung deutscher Interessen in dieser Region platzen. Nach der Option begann eine Auswanderungswelle nach Deutschland, was dazu führte, dass viele Südtiroler auch in den Harz kamen.
Noch heute gibt es in Bad Grund eine Südtiroler Siedlung. Sich selbst überlassen – ohne die Hoffnung auf ein Einlenken der Politik gingen einige Südtiroler in den Untergrund und versuchten mit Terror im Lande die Aufmerksamkeit der Welt auf die Probleme in Südtirol zu lenken.
Soviel berichtete Wöhle zur jüngeren Geschichte dieser Region, welche heute durch den Status einer autonomen Provinz sein versöhnlicheres Gesicht bekommen hat.
Besonnenheit und gegenseitige Achtung in der Politik und Gesellschaft verhelfen den drei Bevölkerungsgruppen – Deutsche, Italiener und Ladiner – zu friedvollem Miteinander. „Die Überwindung ethnischer Probleme sind heute Garant für Friede und Wohlstand in dieser Region“, so Wöhle. Von all dem Menschenwerk unbeeindruckt, sei die Schönheit der Natur – in aller Erhabenheit damals wie heute – zu bewundern.
Ein grandioses Bild in allen Variationen – vom Gletscher bis zur Rebe bietet die Landschaft zu jeder Jahreszeit. Schnee und Eis in den höheren Lagen, üppiges Grün und blühende Obstbäume in den Tälern. Karge Vegetation bis hin zur mediterranen Flora – das ist Südtirol.
In den Bergtälern findet sich noch bäuerliche Urtümlichkeit. Wöhle: „Es sind noch Lebensweisen anzutreffen, die einer vergangenen Epoche anzugehören scheinen.“ In den städtischen Gemeinden pulsiere das moderne Leben. Landwirtschaft, Industrie und Tourismus, Handel und Gewerbe produzieren Wohlstand und hinterlassen Hektik und Stress.
Mondän lebt es sich in der alten Handelsstadt Bozen und der Kurstadt Meran. In vielerlei Hinsicht nimmt Südtirol innerhalb Europas eine Sonderstellung ein: Wirtschaft, Beschäftigung, Bildung und Soziales seien beispielhaft.
Zum Ende seiner Ausführungen dankte Wöhle Bürgermeister Hubert Jahns für die Möglichkeit, diese Ausstellung im Museum durchführen zu können. In diesen Dank schloss er die Unterstützung durch Axel Henniges ein.
Wöhle: „Zwei charmanten Damen – namentlich Frau Nußbaum und ihrer Schwester Frau Schlümpf danke ich für künstlerische Beratung sowie Hängung der Exponate, dem Museumsleiter Freidrich Orend für museale Begleitung des Geschehens.“
Ohne Gunst keine Kunst – dieser Erkenntnis folgend sind die Bilder – bis auf wenige Ausnahmen käuflich zu erwerben zehn Prozent des Erlöses von Bild und Buch geht an den Freundeskreis des Museums zur Unterstützung kultureller Anliegen. Bürgermeister Hubert Jahns dankte Wöhle, dessen Bilder nun noch bis Anfang April im Museum zu sehen sind. Auch Tochter Tanja Wöhle nutzte die Gelegenheit, um den Künstler, seine Liebe zur Kunst und Südtirol vorzustellen. Sie hatte den wohl berühmtesten Südtiroler um ein kurzes Statement exklusiv für ihren Vater gebeten – Reinhold Messner. Dieser, so berichtete Tanja Wöhle, halte es für zu einfach, über sein Land zu schwärmen. Und doch durfte sie ihre Rede mit den Worten exklusiv von Reinhold Messner schließen: „Kunst stellt den Weg dar, über Südtirol zu berichten.“


Der Künstler Hans-Georg Wöhle
Der Künstler Hans-Georg Wöhle ist ein Sohn der Stadt Seesen, ist verheiratet, hat
drei Töchter, arbeitete 45 Jahre in der Seesener Blechwarenindustrie – und er
malt, er malt Heimat und zwar die Heimat seiner Schwiegereltern – Südtirol.
Erst Anfang der 80er Jahre lernte Hans-Georg Wöhle die Heimat seiner Schwiegereltern kennen und lieben. In den vergangenen 30 Jahren entstanden eine Vielzahl von Bildern in Mischtechnik, die Südtirol in seiner Schönheit einfangen. So kann Südtirol wohl als
künstlerische Heimat des Malers verstanden werden – um aus dem Nähkästchen zu plaudern: Die Euphorie ging stets soweit, im Urlaub den Morgen mit einem Ruf aus dem Fenster: „Oh, Du mein Südtirol“, zu beginnen. Die Bilder repräsentieren das Land in seiner Vielseitigkeit. In seinen Bildern zeigt Hans-Georg Wöhle aber nicht gemalte Momentaufnahmen, sondern vielmehr fließt die Liebe zu diesem Land mit jedem Pinselstrich ein.