Längst nicht nur auf der Spur der Dopingsünder

Professor Dr. Manfred Holzgraefe, Ärztliche Leiter der Kliniken für Neurologische Rehabilitation und Frührehabilitation der Asklepios Kliniken Schildautal, bricht an diesem Wochenende in Richtung London auf. Wie bereits in Athen und Peking wird Holzgraefe gemeinsam mit dem Internationalen OlympischenKomitee (IOC) Dopingproben im Bereich des olympischen Volleyball-Turniers durchführen.

Prof. Dr.Manfred Holzgraefe wieder für denIOC bei den OlympischenSpielen in London tätig

Er war in Athen 2004 und in Peking 2008 dabei. Und nun stehen bereits die drittenOlympischen Spiele für Professor Dr. Manfred Holzgraefe bevor. Der Ärztliche Leiter der Kliniken für Neurologische Rehabilitation und Frührehabilitation der Asklepios Kliniken Schildautal bricht an diesem Wochenende in Richtung London auf; in der britischenHauptstadt werden vom 27. Juli bis zum 12. August die XXX. OlympischenSpiele der Neuzeit ausgetragen. Nach 1908 und 1948 wird die Hauptstadt Großbritanniens somit bereits zum dritten Mal Gastgeber der Spiele, dem größten Sportereignis der Welt, sein.

Enge Bindung zum Volleyballsport

Wie bereits in Athen und Peking wird Prof.Dr. Holzgraefe gemeinsam mit dem Internationalen OlympischenKomitee (IOC) Dopingproben im Bereich des olympischen Volleyball-Turniers der Damen und Herren durchführen und ist außerdem für die medizinische Versorgung in Notfällen zuständig. Holzgraefe war früher selbst aktiver Volleyballer beim damaligen Göttinger Zweitligisten MTVGrone und später mehr als zehn Jahre als Mannschaftsarzt der Nationalmannschaft für den Deutschen Volleyballverband tätig. Daher rührt natürlich auch seine sehr enge Bindung zu der Sportart, die eigentlich nicht gerade für eine Vielzahl vonDopingfällen bekannt ist.
Kontrolliert wird deswegen natürlich trotzdem; schließlich soll der olympische Sport sauber bleiben. Im sogenannten Earls Court Exhibition Centre werden in London die Wettbewerbe im Hallen-Volleyball ausgetragen, jeweils ein Turnier für Frauen und Männer. Der Wettkampfmodus ist identisch mit dem Turnier 2008 in Peking. Jeweils zwölf Teams treten in zwei Sechsergruppen an.
Für die drei Wochen, die der 65-jährige Professor aus Seesen in England weilt, hat er sich Urlaub genommen. In der ersten Woche werden die Sportstätten unter die Lupe genommen, und es werden alle medizinischen Vorbereitungen getroffen. Nach der Eröffnungsfeier, an der Holzgraefe schon in Athen teilgenommen hat, geht es dann in den Wettkampf und für Holzgraefe an die Arbeit. Die liegt aber wie erwähnt längst nicht nur darin, möglichen Doping-Sündern auf die Spur zu kommen, sondern vor allem in der Erste-Hilfe-Versorung der Zuschauer.
So erinnert sich Professor Holzgraefe an die Olympischen Spiele 2008 zurück, als bei den Volleyballspielen regelmäßig ein großes Gedränge auf den Zuschauerrängen herrschte. „Da kann es schnell zu Verletzungen kommen. Gleiches gilt natürlich für die Athleten, wobei diese sich meist Finger- beziehungsweise Knöchelverletzungen zuziehen“, weiß Holzgraefe.
Zurück zur Dopingproblematik und der Frage, ob es im Volleyball überhaupt Sinn macht, zu dopen. Darüber streiten selbst die Gelehrten, „aber beispielsweise für die Steigerung der Sprungkraft könne gezielt Doping auch beimVolleyball eingesetzt werden“, erklärt der Professor. Und die Tests, die jetzt mit Urin- und Blutproben bei den OlympischenSpielen gezogen werden, werden über mehrere Jahre aufbewahrt. So lassen sich vielleicht später noch einmal Substanzen nachweisen, für die es bislang noch keine ausreichenden Testverfahren gibt.
In Erinnerung ruft Holzgraefe beispielsweise den Fall des ehemaligen Radprofis Stefan Schumacher. Der heute 32-Jährige hatte vor der Tour de France 2008 öffentlich erklärt, niemals mit Dopingmitteln in Berührung gekommen zu sein. In nachträglichen Analysen von Proben der Tour und auch der Olympischen Spiele 2008 wurden bei Schumacher Spuren des Blutdoping-Präparats Cera gefunden.
Beim Volleyball bilden Doping-Fälle eher die Ausnahme. Und natürlich sind die Unterschiede der Testverfahren und der Häufigkeit groß. Während in Europa häufig getestet wird, sieht das bei anderen Kontinentalverbänden ganz anders aus. In Deutschland gibt es kaum bekannte Fälle von Doping im Volleyball, wenn dann häufen sich die positiven Proben in Frankreich, wo häufig der Genuss von Cannabis nachgewiesen wird.

Deutsches Team in
der Außenseiterrolle

Natürlich ist Prof. Dr. Holzgraefe auch ein interessierter Kenner des Volleyballsports selbst, und so gibt er gleich einmal eine Aussicht auf die Erfolgschancen der deutschen Mannschaft: „Es sei schon ein Erfolg, dass sich das Team für die Spiele in London qualifiziert habe, echte Medaillenchancen hat die Auswahl eher nicht.“ Im Mai scheiterte die deutsche Mannschaft zunächst knapp in Sofia beim Qualifikationsturnier für Olympia. Das London-Ticket sicherten sie sich dennoch, im Juni in Berlin – und retteten gemeinsam mit den Hockeyteams die deutsche Ballsport-Ehre. Die Gruppe ist schwer: Olympiasieger USA, Weltmeister Brasilien und Russland sind dabei, die neben Italien und Weltliga-Sieger Polen zum Kreis der Medaillenkandidaten zählen. Hinzu kommt Europameister Serbien und Außenseiter Tunesien. „Da kann man alle schlagen und gegen jeden verlieren“, sagt der deutsche Bundestrainer Ralph Bergmann. Mindestens Vierter müssen die Deutschen werden, um ins Viertelfinale zu kommen.
Professor Holzgraefe wird sich neben den Volleyballspielen auch das Beachvolleyball-Turnier der OlympischenSpiele anschauen. „Da ist das Interesse riesengroß“, weiß er. Ansonsten freut er sich auf interessante drei Wochen in der englischen Metropole, die während der Olympischen Spiele sicher ein ganz besonderes Flair versprühen wird. Allein der „traffic“, also der Verkehr, wird die Organisatoren vor eine große Herausforderung stellen.Da ist es gut, dass Holzgraefe direkt in Fußnähe der Austragungsorte im Hotel untergebracht ist.