Lässt Rotkäppchen grüßen?

(Foto: NABU)
 
Markus Bathen, Leiter des NABUProjektbüros Wolf.

NABUveranstaltet interessanten Wolfsabend im Seesener Ratskeller unter dem Motto „Zurück, um zu bleiben“

Von Sandy Heinzel, Seesen

Es gibt es sie wieder: wildlebende Wölfe in Deutschland. Dass bei uns wieder Wölfe frei leben würden, hätte vor 20 Jahren wohl kaum jemand für möglich gehalten. Und doch: Sie kamen zurück in ihre frühere Heimat. Langsam und auf leisen Sohlen erobern sie sich ihre alten Lebensräume zurück und sorgen seit über zehn Jahren sogar wieder regelmäßig für Nachwuchs. Rund 50 erwachsene Wölfe leben heute in Deutschland. Sechs der derzeit sieben Rudel leben in der sächsischen und brandenburgischen Lausitz kurz vor Polen, eines in Sachsen-Anhalt. Und immer wieder werden auch in anderen Bundesländern durchwandernde Einzelwölfe gesichtet.
Ganz im Zeichen des Wolfes stand der Samstagabend im Seesener Ratskeller, zu dem die NABULABWolf unter dem Motto „Zurück, um zu bleiben“ eingeladen hatte. Und das Vortragsthema stieß auf reges Interesse: Rund 150 Zuhörer fanden sich im Veranstaltungssaal ein und freuten sich auf einen ganz besonderen Vortrag. Denn die beiden Experten Markus Bathen und Karsten Dörfer sollten mit ihren lockeren Vorträgen begeistern.
Bathen, Leiter des NABU-Projektbüros Wolf in der Lausitz und bundesweit bekannter Experte, und Karsten Dörfer, Diplombiologe und Wolfsberater in Niedersachsen, berichteten authentisch und mit großer Begeisterung aus ihrem Leben und der Rückkehr des Wolfes.
Markus Bathen ging bei seinem unterhaltsamen und zugleich informativen Vortrag unter anderem auf die Unterschiede zwischen Wolf unf Hund ein, das schlechte Image dank Märchen und Mythen, die seit circa zwölf Jahren bestehenden Rudel in der Lausitz und auch auf den Fakt, dass der Wolf ein Kulturfolger sei. Das heißt, dass er nicht zwingend die reine Wildnis zum Überleben braucht. Als Beispiel führte er eine Wölfin an, die immer wieder auf einen Truppenübungsplatz in der Lausitz zurückkehrt, um sich auszuruhen.
Markus Bathen: „Viele Menschen heißen den Wolf willkommen, doch nicht immer ist der neue Nachbar Wolf unumstritten. Obschon er mit vierzehn Rudeln eine der seltensten Tierarten Deutschlands ist, werden Forderungen laut, den Bestand zu regulieren. Lässt Rotkäppchen grüßen und wird sich die Geschichte wiederholen? Oder wird sich bei uns die Einsicht durchsetzen, dass heutzutage die Nachbarschaft von Mensch und Wolf möglich ist – so wie es uns fast alle anderen europäischen Staaten vorleben“.
Im zweiten Teil des Abends kam schließlich Karsten Dörfer auf die Konsequenzen und Maßnahmen zu sprechen, die mit der Rückkehr des Wolfes einhergehen. Dörfer umriss die Themen Verbreitung in Europa, die Größe des Lebensraumes und die Konfliktvermeidung durch einen sogenannten Wolfsmanagementplan. Im Anschluss standen die beiden Experten dem wissbegierigem Publikum Rede und Antwort.
Fazit:Ein informativer Abend, der selbst den Hobby-Experten unter den Zuhörern neue und interessante Fakten lieferte. Oder hätten Sie beispielsweise gewusst,
…dass das Heulen der Wölfe der Fernkommunikation und der Revierabgrenzung dient?Ein weit verbreiteter Irrtum ist, dass Wölfe den Vollmond anheulen.
…dass Wölfe Familientiere sind, deren Verbände große Ähnlichkeit mit menschlichen Familien haben?
…dass der Wolf viele Gesichter hat und seine Ausdrucksmöglichkeiten über Mimik und Körperhaltung enorm sind?Viele Stimmungen und seinen Rang kann man ihm direkt ansehen.
…dass die Hauptnahrung der Wölfe vor allem aus Rehen, gefolgt von Rothirschen, Wildschweinen und Hasen, besteht?
…dass ihre größten Probleme in Deutschland fehlende Akzeptanz und zunehmender Straßenverkehr sind?