Landgericht verwirft Berufung: Masseur muss hinter Gitter

Ex-Mitarbeiter der Asklepios Kliniken Schildautal wegen Vergewaltigung zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt

Urteilsspruch im Missbrauchs prozess: Vor der 7. Strafkammer des Landgerichts Braunschweig wurde gestern das Strafmaß gegen einen 48-jährigen ehemaligen Masseur der Asklepios Kliniken Schildautal verhängt.
Gegen den Angeklagten, der gegen das Seesener Urteil aus dem Jahr 2010 Berufung eingelegt hatte, wurde eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und sechs Monaten ausgesprochen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, so dass der Angeklagte binnen einer Woche in Revision vor dem Oberlandesgericht Braunschweig gehen kann.
Verurteilt wurde der Mann wegen Vergewaltigung in drei Fällen jeweils in Tateinheit mit sexuellem Missbrauch unter Ausnutzung eines Behandlungverhältnisses, wegen versuchter sexueller Nötigung inTateinheit mit sexuellem Miss brauch unter Ausnutzung eines Behandlungverhältnisses sowie wegen sexueller Nötigung ebenfalls unter Ausnutzung eines Behandlungsverhältnisses.
Die Aussagen der beiden Opfer, zweier Frauen aus demStadtgebiet Seesen, die im Laufe des lange andauernden Berufungsprozesses erneut vor Gericht als Zeuginnen aussagen mussten, wertete das Gericht unter dem Vorsitz von Richter Schaltke letztlich als glaubhaft und es kam zur Überzeugung, dass der 48-Jährige die Taten, wie von den Opfern geschildert, begangen hatte.
Zu den Vorwürfen: Eine der beiden Frauen hatte sich nach einer Operation an der Bandscheibe in die postoperative Nachbehandlung, die unter anderem in Form von Krankengymnastik erfolgte, begeben. Das ungute Gefühl, das die Seesenerin nach eigenen Angaben schon nach den ers ten Behandlungen beschlich, bestätigte sich von Therapie zu Therapie.
Bei einer sehr „körpernahen Behandlungsform“ sollte die Patientin die Augen schließen, um sich besser entspannen zu können. Dabei habe sie gelegentlich den Atem des Physiotherapeuten in ihrem Gesicht gespürt. Eines Tages habe er sich auf die Frau gelegt, deren Hose herunter gezogen und mit ihr ungeschützten Geschlechtsverkehr vollzogen. Bei weiteren Behandlungen sei es zu derartigen „Überfällen“ gekommen.
Wie die Seesenerin bereits im Gerichtsprozess in Seesen betonte, habe sie sich nicht gewehrt. Sie sei zu müde gewesen, da sie unter anderem unter dem Einfluss von Schmerzmitteln gestanden habe.
Eine weitere Patientin, die ebenfalls an der Bandscheibe operiert worden war, begab sich in die teilstationäre Rehabilitation. Auch das zweite Opfer wurde von dem aus Einbeck stammenden Masseur therapiert. Sie habe bereits in den ersten Behandlungen, eine „unangenehme Nähe“ empfunden. An einem späteren Behandlungstag habe der medizinische Bademeister Dehnungsübungen im Bereich der Halswirbelsäule durchgeführt, bei der die Frau die Augen schließen sollte.
Als sie diese plötzlich geöffnet habe, stand der Einbecker neben der Behandlungsliege und masturbierte. Bei weiteren Behandlungen habe der Physiotherapeut die Frau zu einem Zungenkuss und Oralverkehr gezwungen.
Der Einbecker bestritt vor Gericht die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft. Er habe die Behandlungen der beiden Frauen als normal empfunden. Während des lange andauernden Berufungsprozesses in Braunschweig stand immer wieder die Glaubwürdigkeit einer der beiden Opfer im Fokus. Letztlich war das Gericht zur Überzeugung gelangt, dass die Taten so geschehen sind, wie von denFrauen angegeben wurden.
Nun wurde der Masseur zur dreieinhalb Jahren Haft verurteil. Das Schöffengericht mit seinem Vorsitzenden Rolf Stratmann hatte den Mann imHerbst 2010 ebenfalls bereits zu drei Jahren und sechs Monaten Freiheitsstrafe verurteilt.