Landwirte enttäuscht

Jürgen Hirschfeld, Landwirt aus Seesen und Vorsitzender im Ausschuss pflanzliche Produkte beim Landvolk Niedersachsen nennt die unbeständige Witterung als Grund für die Rücknahme der Ernteschätzungen. (Foto: Möller)

Durchwachsenes Sommerwetter dämpft Getreideernte

Eher enttäuschte Gesichter gibt es bislang bei Niedersachsens Landwirten, nachdem die ersten Mähdrescher ihre Arbeit aufgenommen haben.

Nach Umfragen des Landvolk-Pressedienstes trifft dieses Urteil bisher in erster Linie für die Wintergerste zu. „Die Felder haben durchaus einen recht vielversprechenden Eindruck gemacht, aber die tatsächlich geernteten Mengen haben dieser optischen Wahrnehmung nicht standhalten können“, schildert Jürgen Hirschfeld. Der Landwirt aus Seesen und Vorsitzende im Ausschuss pflanzliche Produkte beim Landvolk Niedersachsen nennt die unbeständige Witterung als Grund für die Rücknahme der Ernteschätzungen. Insbesondere die fehlende Sommersonne und die in jüngster Zeit nahezu täglichen Niederschläge haben die Kornfüllung und Abreife behindert und gehen zu Lasten der Erträge und auch Qualitäten. Empfindlichere Einbußen gibt es überall dort, wo regional Unwetter zusätzlich das Getreide ins Lager gedrückt haben. Bisher haben die Mähdrescher ihre Arbeit in den Feldern mit Wintergerste begonnen. Während auf den leichteren Böden der Lüneburger Heide und im mittleren Teil Niedersachsens hier schon deutliche Fortschritte erzielt wurden, steht auf den traditionellen Späterntegebieten im südniedersächsischen Hügelland oder gar an der Küste der Erntebeginn noch aus. Vereinzelt haben die Landwirte auch mit der Rapsernte begonnen und sind dort von den Erträgen ebenfalls eher enttäuscht.
Neben den Enttäuschungen bei den Erträgen, die offenbar nicht nur in Niedersachsen, sondern noch deutlicher in Süddeutschland unter den Erwartungen zurückbleiben, stimmen auch die Preise die Ackerbauern wenig optimistisch. Viele benötigen jetzt dringend Liquidität auf ihren Höfen und verkaufen unter dem Druck der neuen Ernte.
Das Landvolk rät, wenn eben möglich, diesem Erntedruck zu entgehen und jede sich bietende Marktchance zu nutzen. Dies trifft noch mehr für den Winterweizen zu, da in Frankreich als größtem europäischem Erzeugerland offenbar deutliche Qualitätseinbußen die Vermarktung der neuen Ernte beeinträchtigen. Für die deutschen Landwirte und ihre Vermarkter könnten sich damit erneut, wie schon bereits 2014 realisiert, zusätzliche Exportchancen für hochwertige Partien nach Nordafrika ergeben.
Die Ernte 2016 zeigt erneut deutlich, dass Wetterkapriolen in der Landwirtschaft immer wieder für Überraschungen sorgen.