Laternenmasten auf Herz und Nieren geprüft

 

Fachfirma Roch Services aus Lübeck mit patentiertem Verfahren im Stadtgebiet unterwegs

„Was machen die da bloß?“ Das wird sich wohl so mancher Passant gefragt haben angesichts des kleinen Minibaggers, der sich in diesen Tagen mit einem greifarmähnlichen Werkzeug an einzelnen Laternenmasten in der Seesener Kernstadt zu schaffen machte. Die Anwort klingt zunächst einmal ganz banal.

Techniker unterziehen die Masten einer Standsicherheitsüberprüfung. Auf den zweiten Blick zeigt sich dann aber, dass dahinter viel Know-how steckt. Denn durch Rüttelproben per Muskelkraft allein, so wie bei den Grabsteinen auf dem Friedhof oder dem Jägerzaun vor der eigenen Haustür, ist es hier nicht getan. Schon gar nicht, wenn es darum geht, verlässliche, sprich rechtsverbindliche Daten zu gewinnen.
Um zu ermitteln, ob beim nächsten Sturm nicht doch ein materialermüdeter Mast nachgibt und für Sach- oder gar Personenschäden verantwortlich sein könnte, gibt es ein weltweit einmaliges Verfahren. Entwickelt und es sich patentieren lassen hat die Firma Roch Services mit Sitz in Lübeck. Über dieses Prüfverfahren informierten am Donnerstag Ingo Hase und Christian Brückner als Vertreter dieser Firma auf dem Hof der HarzEnergie-Betriebsstelle in Seesen. Eingeladen dazu hatte die HarzEnergie im Schulterschluss mit der Verwaltung. Der regionale Versorger betreut bekanntlich im Auftrag der Stadt die Straßenbeleuchtung im Stadtgebiet und hatte diese Zusatzprüfungen angeraten.
Wie Ingo Hase erklärte, arbeite man mit einem speziellen Computerprogramm. Damit lasse sich zum einen unter Berücksichtigung von Mastgeometrie, Lichtpunkthöhe und Anbauteilen die Windlast ermitteln, zum anderen eine Biegemomentberechnung vornehmen. Aus beiden Werten ergibt sich die Prüflast. Der Laternenmast an der Zufahrt zum Betriebshof musste als Demonstrationsobjekt herhalten. Mit dem Arm des kleinen Baggers wurde er einer Horizontalkraft von bis zu 400 Kilogramm ausgesetzt – sowohl per Druck als auch per Zug in zwei verschiedenen Achsen. „Wir können so Werte simulieren, wie sie täglich auftreten können, etwa bis Windstärke 12“, so Ingo Hase. Anhand eines Kraft-Weg-Diagramms, das auf dem Laptop-Bildschirm im Bagger erscheint, können die Experten die Tragsicherheit des Materials und die Beschaffenheit der Verankerung ablesen.
Die Stadt hatte für diese Prüfung ein offenes Ohr. Und das aus gutem Grund. Sie kann nun nämlich anhand der Prüfprotokolle nachweisen, dass sie ihrer Verkehrssicherungspflicht nachgekommen ist. Bis zu einer Dauer von sechs Jahren kann die Standsicherheit garantiert werden. Doch nicht nur die Prävention, sondern auch die Wirtschaftlichkeit spielt eine wesentliche Rolle. Dazu Torsten Klein, Leiter der Tiefbauabteilung der Stadt: „Wir können bei jedem einzelnen Masten punktuell ermitteln, ob und wie zu handeln ist. Dass kann viel Geld sparen, denn nicht immer müssen die Objekte gleich komplett ausgetauscht werden, nur weil eine bestimmte Nutzungsdauer erreicht worden ist“.
Wie Klein erklärte, zähle man im Stadtgebiet etwa 2500 Masten. In einem ersten Turnus wurden jetzt zunächst einmal 110 Exemplare unter anderem in den Bereichen Gartentraße, Bahnhofstraße, Bornhäuser Straße, Frankfurter Straße, Lautenthaler Straße, Drakenpfuhl und Linnenstraße auf Herz und Nieren getestet. Die ermittelten Daten sollen einmal die Grundlage für ein zu erstellendes Lichtmastenkataster sein.