„Lebenshilfe“ will Weichen für die Zukunft stellen: Inklusion

   

Neuordnung der organisatorischen Strukturen wichtig / Weiterentwicklung der bisher schon praktizierten Integration

„Die Inklusion, also die systematische und kontinuierliche Weiterentwicklung der bisher schon praktizierten Integration, ist eine Herausforderung, der wir uns zu stellen haben, und der wir uns auch stellen; wohlwissend dabei, dass die damit verfolgten Ziele nicht von heute auf morgen zu erreichen sein werden, sondern eher eines langen Atems bedürfen“. Mit diesen Worten brachte der Vorsitzende der „Lebenshilfe Bad Gandersheim-Seesen“, Hans-Werner Ohlsen, im Rahmen der jüngsten Vorstandssitzung einen Entwurf ein, in dem es in erster Linie um eine Neuordnung der organisatorischen Strukturen der „Lebenshilfe“ ging. Unmittelbarer Anlass für diesen Schritt, so unterstrich Ohlsen, sei die Notwendigkeit, sich „in Richtung Inklusion zu bewegen“, und das wiederum bedeute, die entsprechende UNO-Konvention – im vergangenen Jahr bekanntlich auch in Deutschland als nationales Gesetz in Kraft getreten – nicht nur auf allen relevanten Ebenen zu diskutieren, sondern zugleich auch die Voraussetzungen für deren Realisierung zu schaffen.


Seesen (poe). Letzteres dabei zum einen auf der Grundlage der Entwürfe für ein neues Grundsatzprogramm der Bundesvereinigung „Lebenshilfe“, das sich – wie verlautete – ganz wesentlich auf die UNO-Konvention stützen werde, zum anderen aber auch unter Berücksichtigung der Situation vor Ort; „Lebenshilfe“-Geschäftsführer Bernward Steinkraus: „Vonnöten ist da zunächst einmal, die organisatorischen Strukturen neu zu ordnen, um optimal gerüstet zu sein, wenn die zahlreichen Maßnahmen mit dem Ziel der Inklusion in Angriff genommen werden“.

Weichenstellung für die Zukunft

Das nun sahen die Mitglieder aus den Reihen des Vorstandes genau so. Und so segneten sie denn auch nicht nur den Vorschlag zur Bildung einzelner Fachbereiche einstimmig ab, sondern verständigten sich zudem auf die personelle Besetzung der jeweiligen Leitungs-Positionen. Danach sind dem Vorstand der „Lebenshilfe Bad Gandersheim-Seesen“ nunmehr die Geschäftsführung und die pädagogische Leitung mit Bernward Steinkraus an der Spitze sowie die Stabstelle „Psychologie und Prozessbegleitung“ (für sie zeichnet künftig die Diplom-Psychologin Anja Fehrmann verantwortlich) unmittelbar nachgeordnet; die besagten Fachbereiche gliedern sich dann in die Segmente „Ambulante Dienste“ (Leitung Ilona Fuchs), „Kindergarten/Hort“ (Leitung Heidrun Wenzel) „Sprache“ (Leitung Elke Stolze), „Kurpark-Schule“ (Leitung Bernward Steinkraus/Koordinatorin Diana Rohde), Verwaltung sowie „Haustechnik und Gebäudemanagement“ auf.

Organisationsstrukturen neu geordnet

Dass sich hinter den eher nüchternen Bezeichnungen der Fachbereiche mehr verbirgt als man auf den ersten Blick vermuten möchte, machte Bernward Steinkraus im weiteren Verlauf der Vorstandssitzung an der Bandbreite des Gesamtangebotes deutlich, das von der „Lebenshilfe“ bereits jetzt vorgehalten wird.
So umfasst der Fachbereich „Ambulante Dienste“ beispielsweise die „Früh-Förderung“ unter der Leitung von Jeanette Truderung, den „Familienentlastenden Dienst“ (Andreas Fischer), den „Familienunterstützenden Dienst“ (Sibylle Fuhrmann), das „Autismuszentrum“ (Ilona Fuchs) und die ergotherapeutische Praxis (Christel Morgenstern); weiß der Fachbereich „Kindergarten/Hort“ den Integrationskindergarten einschließlich der Integrativen Krippe in Seesen (Heidrun Wenzel), den Integrationskindergarten in Bad Gandersheim (Ewa Zgierski), den Kindergarten in Gremsheim (Renate Krüger), den Heilpädagogischen Kindergarten in Seesen (Birgit Weidanz) und den Kinderhort in Bad Gandersheim (Doris Lüttge) unter seinem Dach; zählen schließlich der Sprachheilkindergarten (Elke Stolze) und die Logopädische Praxis (Heidrun Hernandez Acosta), für die der Vorstand einen adäquaten Standort suchen soll, zum Fachbereich „Sprache“.
Mit dieser Gliederung, so befand der 1. Vorsitzende, Hans-Werner Ohlsen, sei man für den „Weg von der Integration zur Inklusion schon einmal recht gut gerüstet“, bilde sie doch die organisatorische Basis dafür, auf die künftig erforderlichen Schritte jeweils rasch und gezielt reagieren zu können, zumal – wie Ohlsen betonte – „dieser Weg kein leichter sein wird“.

Ein fast schon überfälliger Schritt

Für die „Lebenshilfe Bad Gandersheim-Seesen“, die zudem als Gesellschafter der „Lammetal-Werkstätten“ in Lamspringe für sich den Anspruch reklamieren kann, mit zu den bedeutenden Wirtschaftsfaktoren und Arbeitgebern in der Region zu zählen, ist die nunmehr auch gesetzlich vorgegebene Richtung mit dem Ziel einer umfassenden Inklusion eine „fast schon überfällige gesellschaftliche Entwicklungsphase“.
„Nachdem es bei den bisherigen und durchaus erfolgreichen Initiativen zur Integration von behinderten Menschen vorrangig darum ging und geht, deren Betreuung in gesellschaftlichen Sonderstrukturen wie beispielsweise in Sonderkindergärten, Sonderschulen und ähnlichen Einrichtungen durch die Begegnung mit nicht behinderten Bürgern zu ergänzen, soll durch die Inklusion nunmehr eine Ausgrenzung von vornherein vermieden werden“, betonte Ohlsen, und er fügte ergänzend hinzu: „Inklusion bedeutet also, dass alle gleichberechtigt sind, dass Barrieren abgebaut und entsprechende Rahmenbedingungen geschaffen werden, damit sich niemand mehr seine Rechte erkämpfen muss, und dass Behinderte nicht nur in die Gesellschaft integriert sind, sondern als gleichwertige Mitglieder in ihr leben – trotzdem aber als Menschen mit besonderen Bedürfnissen wahrgenommen werden“.

Veränderungen auch bei der „Lebenshilfe“ erwartet

Diese angestrebte neue Qualität des Zusammenlebens von Menschen mit und ohne Behinderungen mache gleichwohl, wie „Lebenshilfe“-Geschäftsführer Bernward Steinkraus einräumte, auf allen gesellschaftlichen Ebenen ein Umdenken erforderlich. Dabei dürften – auch bei der „Lebenshilfe“ und den „Lammetal-Werkstätten“ – Veränderungen gegenüber der bis dato noch geübten Praxis nicht ausbleiben. So zum Beispiel mit Blick auf den Bereich „Arbeit“, könnten dann doch behinderte Menschen selbst entscheiden, was und wo sie arbeiten wollen; aber auch mit Blick auf die Betreuung von Kindern mit Behinderungen – und das von der Kinderkrippe über den Besuch des Kindergartens und der Schule bis hin zu deren Ausbildung.
Was dabei den Bereich „Schule“ betrifft, so verwies er darauf, dass dieser – auch „historisch gesehen“ – zu den Kernbereichen gehören würde. Hier wäre man nämlich durch die bestehenden Kooperationen unter anderem mit den Haupt-, Real- und Berufsschulen sowie durch die geplante Bereitstellung von Schulassistenten schon seit geraumer Zeit „auf einem sehr guten Weg in Richtung Inklusion“.
„Alle die sich jetzt schon abzeichnenden Veränderungen waren denn auch der Grund dafür, die organisatorischen Weichen neu zu stellen, um, wie bereits erwähnt, zügig und adäquat darauf reagieren zu können“, unterstrich der 1. Vorsitzende, Hans-Werner Ohlsen, abschließend, und sicherlich nicht von ungefähr merkte er noch an, dass die „Lebenshilfe Seesen-Bad Gandersheim dank des vorhandenen Know-hows sowie der optimal ausgebildeten Fachkräfte „für die Zukunft trefflich gewappnet sei“.