„Leichte Handverletzung bewirkt Massenhypnose“

Die Kinder der Grundschule begeisterten mit musikalischen Einlagen. (Foto: bo)
 
Gespannt verfolgten die Zuschauer die Aufführung. (Foto: bo)

Lesecafé im Altenzentrum St. Vitus – Unterhaltsamer Nachmittag für Jung und Alt

Seesen (bo). Spaß und Spiel, doch auch ernste Themen wie Individualität und Toleranz wurden jetzt auf altersgerechte Weise durch die Klassen 3a und 3c aus der Grundschule am Schildberg mit ihren Lehrern und ihrer Direktorin umgesetzt. Singen, Flöte und Geige spielen, ein Theaterstück aufzuführen, ein Märchen vorzulesen und ein Märchenquiz zu veranstalten, stellten den Rahmen der Veranstaltung dar. Die Einladung zu diesem Nachmittag erfolgte durch den Arbeitskreis „Jung und Alt“, die Grundschule am Schildberg, das Evangelische Altenzentrum St. Vitus, die AWO, der Paritätische Wohlfahrtsverband und die Seniorenwohnanlage. Propst Thomas Gleicher, der die Begrüßungsworte sprach, erklärte den Anwesenden, was unter einem „Lesecafé“ zu verstehen ist. Den Begriff „Lesecafé“ könne man ruhig wörtlich nehmen: Jung liest Alt vor und umgekehrt, dazu gibt es Kaffee, Tee, Kekse, Apfelsaftschorle oder andere kalte Getränke. Zur Einstimmung sangen alle Kinder gemeinsam mit dem Publikum das Frühlingslied „Alle Vögel sind schon da“, wobei sie mit ihren Gesten den Text bildlich darstellten. Danach war jeder guter Laune, und das blieb auch so, obwohl es in einem Teil der folgenden modernen Märchen und Lieder um ernste Themen wie Anderssein und Ausgrenzung ging. Den Lehrern der Grundschule am Schildberg gelänge es, den Kindern ohne den erhobenen Zeigefinger Werte wie Toleranz und Offenheit gegenüber dem Fremden zu vermitteln. Dies zeige die Auswahl des Theaterstücks „The Ugly Duckling“ (Das hässliche Entlein) von Hans Christian Andersen, das F. König mit ihrer Klasse 3a auf Englisch aufführte, und das Lied vom Anderssein („Im Land der Blaukarierten“) von Klaus W. Hofmann, das alle Kinder sangen. Für dieses Lied hatten sie Papierpuppen gebastelt – blaukarierte, rotgepunktete, grüngestreifte und ganz Bunte. Mut zur Toleranz machte die letzte Strophe „Im Land der Buntgemischten sind alle bunt gemischt. Und wenn ein Gelbgetupfter das bunte Land auffrischt, dann rufen Buntgemischte: ‚Willkommen hier im Land! Hier kannst du mit uns leben, wir reichen dir die Hand.“
Lustig wurde es beim Singen des Pippi-Langstrumpf-Liedes: Ein Mädchen hatte sich als Pippi Langstrumpf verkleidet und den „kleinen Onkel“ in Form eines Stofftier-Pferdes mitgebracht. Dieses Lied zeigte, dass jemand, der anders als andere ist, nicht nur immer das Mobbing-Opfer ist, sondern Anderssein auch etwas Besonderes sein kann, dem andere nacheifern. Welches Mädchen möchte denn nicht so stark, eigenwillig und unabhängig sein wie Pippi Langstrumpf? Dies trage dazu bei, dass Kinder nicht nur tolerant werden, sondern auch ihre Persönlichkeit entwickeln und sich eine eigene Meinung bilden.
Knifflig wurde es schließlich beim Märchen-Quiz. Die Kinder lasen Schlagzeilen wie zum Beispiel „Leichte Handverletzung bewirkt Massenhypnose“ (Dornröschen) vor, und nun war das Publikum gefragt, das den Schlagzeilen die richtigen Märchen zuordnen sollte. Wer glaubte, die richtige Antwort zu wissen, rief sie einfach in die Menge, wobei es recht lebhaft zuging.
Dass Jungs auch prima lesen können, bewies Baran, der „Dornröschen“ aus einem älteren Märchenbuch vorlas, das in altertümlicher Sprache geschrieben und in alter Schrift gedruckt war. Solch einen Text vorzulesen, stellt selbst für Erwachsene eine Herausforderung dar, doch Baran zeigte keinerlei Schwierigkeiten. Dafür gab es einen Extra-Applaus vom Publikum und ein dickes Lob von Schuldirektorin Martina Starke, die durch das Programm führte.
Die Sängerinnen und Sänger des Liedes von Dornröschens Hochzeit und des Hänsel-und-Gretel-Liedes aus H. Henneckes 3c wurden von einigen Blockflöten und sogar von einer Geige begleitet.
Der Nachmittag war vielseitig, abwechslungsreich und unterhaltsam. Er regte nicht nur zum Schmunzeln und Nachdenken an, sondern auch zum Mitmachen. Da die Liedtexte mit Noten verteilt wurden, bot sich jedem, der gut bei Stimme war, die Möglichkeit, kräftig mitzusingen. Passend zum Thema „Anderssein“ las Gerda Thiele das Märchen „Die Teekanne“ von Hans Christian Andersen vor. Dieses handelt von einer Teekanne, die aufgrund ihres kaputten Deckels vom Rest des Geschirrs schief angeschaut wurde, aber trotzdem zu ihrem Makel stand, denn niemand wäre perfekt. Eines Tages ließ die Dame des Hauses die Teekanne fallen und nun waren ihr Henkel und die Tülle abgebrochen. Zunächst wurde sie ignoriert, dann einer armen Frau geschenkt, die in sie eine Blume pflanzte, was der Teekanne gut gefiel. Sie lebte zufrieden, bis ihre neue Besitzerin auf die Idee kam, dass die Blume einen besseren Übertopf verdient habe und sie in zwei Hälften zerschlug. Die Teekanne bestand daraufhin zwar nur noch aus Scherben, doch sie tröstete sich damit, dass sie ein schönes Leben gehabt habe und ihr die Erinnerung daran niemand nehmen könne. Propst Thomas Gleicher überreichte Martina Starke als Dank für den schönen Nachmittag eine kleine Spende für die Klassenkasse.
Im nächsten Lesecafé, das am 15. März um 15.30 Uhr im neuen Museum stattfindet, geht es dann um das Thema „Seesen – früher und heute“. Bei Fragen oder für weitere Informationen stehen die Mitglieder des Arbeitskreises „Jung und Alt“ Ute Albrecht, Telefon (05381) 491807, und Christiane Berndt-Knop, Telefon (05381) 948064, zur Verfügung.