Linker Terror ist kein Phänomen von gestern

Die Schüler des Politikkurses der Realschule Seesen zeigten großes Interesse an dem Themenkomplex Linksextremismus. (Foto: Strache)

Politikschüler der Realschule nehmen an Präventionsworkshop zum Thema Linksextremismus teil

Von Maximilian Strache,
Seesen

Andreas Baader, Gudrun Ensslin, Horst Mahler und Ulrike Meinhof. Vielen Jugendlichen sind diese Namen nur noch aus Geschichtsbüchern oder Spielfilmen bekannt. Die Gefahr, die vom verfassungsfeindlichen Vorgehen der Roten Armee Fraktion (RAF) vor allem in den siebziger Jahren ausging und die junge deutsche Demokratie in Angst und Schrecken versetzte, ist Geschichte, wirkt aber in der filmischen Retrospektive zum Teil zu seicht und bekommt einen fast verklärenden Anstrich.
Zweifelsohne aber stellt der Terror der RAF noch bis heute die größte und schlimmste Anschlagsserie linksmotivierter Gewalt in der noch jungen Geschichte der Bundesrepublik dar. Ein Ende linker Gewalt ist jedoch auch nicht seit der offiziellen Auflösung der RAF im Jahr 1998 auszumachen. Vielmehr erlebt linksmotivierte Gewalt einen deutlichen Anstieg. Brennende Autos in Berlin und Hamburg, oder Anschläge auf den öffentlichen Verkehrsraum, sind dabei die nach außen sichtbarsten Zeichen.
Die allgemeinen Medienberichte über diese Entwicklung und die Ausprägung linker Gewaltakte rücken jedoch im Zuge der aktuellen Berichterstattung über rechte Gewalt und die Mordserie des sogenannten Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) in den Hintergrund. Dabei zeigen neueste Erkenntnisse der Kriminalexperten, dass die Zahl linksmotivierter Gewalttaten im vergangenen Jahr um gut ein Viertel angestiegen ist.
Ein Politikkurs aus dem 10. Jahrgang der Realschule Seesen nutzte deshalb die Möglichkeit an einem Präventionsworkshop zum Thema Linksextremismus teilzunehmen. Unterbreitet wurde dieses Angebot von der Stiftung Deutsche Gesellschaft, die Dr. Phillip Christoph Schmädeke in die Sehusastadt entsandte, um den Schülern die Ausprägungen linksextremistischer Gewalt näherzubringen. Politik­lehrer Daniel Beyer erklärte gegenüber dem „Beobachter“, dass seine Schüler schon im Vorfeld großes Interesse am Themenkomplex Linksextremismus gezeigt hätten und ihn die Wahl des Workshops nicht weiter überrascht habe. „Zur Vorbereitung haben wir Linksextremismus und dessen Auswirkungen auf die demokratische Grundordnung thematisiert. In diesem Zusammenhang haben wir auch den linken Terror der siebziger Jahre behandelt“, so Beyer.
Dozent Dr. Schmädeke zog in seinem Vortrag vor allem die Grenze zwischen legalem und illegalem Widerstand. Dabei machte er auch deutlich, dass linke politische Ideen gegenwärtig einen besonderen Reiz auf junge Menschen ausüben. Dies zeige nicht zuletzt der Erfolg der Piratenpartei, die mit ihrer unkonventionellen Vorgehensweise, die „Fesseln“ repräsentativer Demokratie zu durchbrechen versucht und einen basisdemokratischen Ansatz etablieren möchte.
Auch die Auswirkungen extremistischer Gewalt auf die demokratische Grundordnung wurden von Dr. Schmädeke beleuchtet. So machte der promovierte Politikwissenschaftler klar, dass Extreme, egal ob von links oder rechts, Gefahren für die auf Verfassung basierenden Gesellschaftsordnung bürgen.
Politiklehrer Beyer zeigte sich nach Abschluss des Workshops sehr zufrieden mit dessen Verlauf. „Ich bin sehr glücklich darüber, dass wir mit Dr. Schmädeke einen derart versierten und umfassenden Blick auf das Thema Linksextremismus werfen konnten. Zudem halte ich es für wichtig, dass der Linksextremismus trotz der umfassenden und notwendigen Berichterstattung über den Rechtsextremismus, nicht banalisiert wird, sondern mit der gebotenen Ernsthaftigkeit behandelt wird“, so Beyer.
Das Projekt wurde im Rahmen der „Initiative Demokratie Stärken“ durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.