Literarisch gefangen genommen mit erotischem Hochgenuss

Christoph Huber (links) und Stefan Dehler verstehen es, mit schauspielerischer Lesung und gespielter Kabarettnummer das Publikum zu fesseln.

"Liebe und andere Strafen" - Erotische Geschichten, szenerische Lesung in der Stadtbücherei Seesen war ein voller Erfolg.

Von Antonio Mateo, Seesen

Am Samstag erlebten rund 150 Besucher eine gekonnte Gratwanderung zwischen schauspielerischer Lesung und gespielter Kabarettnummer. Im Bürgersaal der Stadt Seesen präsentierten „stille hunde“ aus Göttingen ihr Repertoirestück „Liebe und andere Strafen“. Nach der erfolgreichen Premiere am Tag zuvor in der Stadtbibliothek Göttingen, kam nun auch das Seesener Publikum in den Hochgenuss der vorgetragenen "Erotischen Geschichten".

Schon der Empfang der Gäste war liebevoll vom Team der Bücherei Seesen arrangiert worden. Rote Papierherzen und rote Herzchen-Luftballons fungierten als Wegweiser im Treppenhaus. Der Empfang der Gäste durch die beiden Künstler Stefan Dehler und Christoph Huber war ebenso liebevoll wie herzlich. Einige „Glückliche“ durften sich sogar über einen Schmatzer von Christoph Huber - auf die Stirn erfreuen- während Stefan Dehler die Gäste auf den bevorstehenden Abend einstimmte. Danach ging die „Stimmung runter“, aber nur als Wortspiel, denn die Lesung erfolgte eine Etage tiefer im großen Bürgersaal. Der Saal war passend zum Thema hergerichtet und dekoriert worden. Ganz nah dran am Geschehen, ja fast zum Anfassen nah, waren die Gäste platziert worden. Stefan Dehler und Christoph Huber stellten mit „Giovanni Boccaccio – Achte Geschichte aus dem Dekameron“, "Rétif de la Bretonne – Die erste und letzte Liebe einer Frau von vierzig Jahren“ und der "erotischen Erzählung für die Hofdame Onogoro – Der kalte Fisch", drei Geschichten aus drei Zeitaltern drei bewunderungswürdige und erschreckende Varianten der erotischen Wunscherfüllung den Seesenern vor. Mit ihren lebendigen Erzählungen wurde das Publikum literarisch gefangen genommen und rund drei Stunden zum erotischen Hochgenuss geführt. In der Pause kredenzte das Bücherei-Team Kulinarisches aus eigener Küche. Was wäre jedoch ein derart gelungener Abend, ohne eine vom Publikum geforderte Zugabe? Diese Frage muss wohl unbeantwortet bleiben, denn mit Giacomo Casanovas „Ein hilfreiches Gewitter“ wurde auch dieser Wunsch szenisch erfüllt.