Lydie Auvray beim Seeesener Kulturforum

„Musetteries“ heißt das neue Programm, das die französische Akkordeonistin zusammen mit ihren „Auvrettes“ auf die Bühne beim Seesener Kulturforum bringt. Das Kulturforum präsentiert in seiner Jubiläumssaison „das Beste aus dreißig Jahren.“ Das nimmt dann Lydie Auvray gern augenzwinkernd zur Kenntnis.

Die Künstler, die Lydie den musikalischen background geben, sind Markus Tiedemann (git), Eckes Malz (piano), Gigu Neutsch (bass) und Harald Heinl (drums). Ja, die Männer schaffen den background, denn das Knopfgriff-Akkordeon steht zentral und dominiert das gesamte Konzert. Die „Musetteries“, die Lydie Auvray in ihrer Kindheit musikalisch geprägt haben mit dem typisch zweichörigen Spiel, den Tonfolgen in Moll und den schnellen Läufen im Dreivierteltakt, gleiten aber auch ab über den großen Teich nach Martinique oder nach Südamerika. Dann ist immer wieder Tango angesagt. Da ist eigentlich das einchörige Bandoneon gefragt, aber Lydie bleibt hier ihrem eigentlichen Instrument treu.

Die ersten Titel pendeln zwischen den Welten („Kay Tonkan“), zwischen Musette, Tango und Brazil. Hoch hinaus geht es nach „Macho (!) Picchu“, ehe Lydie mit „Pour toi“, einem Musette-Walzer, ihren Vater in der Normandie besingt. „Aller retour“ ist die Aufforderung an ihre Tochter, aus Amerika zurück zu kommen. „Das Meer“ wird eine Klangskizze mit Meererauschen und Wind (Harald Heinl) und ist eine Liebeserklärung an die Landschaft ihrer Jugend. „Cohabitation“ verbindet afrikanische Musik mit Musette-Walzer-Klängen. „Vergesst nicht Eure Kultur“: „N´oubliez“ fragt noch einmal nach den Wurzeln.
Immer wieder weist die Akkordeonistin auf ihre neue CD hin, und so wird vom ersten Teil bis zur Pause auch ein eifriges Merchandising im Ohr bleiben.
Der zweite Teil bringt musikalische Steigerung und feuerige Temperamente. „Septante deux“ gleitet musikalisch im 7/8tel-Takt in die Aula; „Jeannot“ ist ein Musette-Walzer, der tempogeladen Virtuosität zeigt. Am stärksten beeindrucken da unbedingt die Kompositionen des Pianisten Eckes Malz („Et après“), die zum Besten des Programms gehören, ebenso die Titel, die Lydie Auvray solistisch präsentiert.

Das Publikum beim Seesener Kulturforum erklatscht sich Zugaben, in denen auch die Begleitmusiker sich in kreativen Soli einbringen können, mal jazzig, mal südamerikanisch.

Joachim Frassl