Märchen und Mythen wurden wahr

Weihnachtskonzert mit dem Sinfonischem Blasorchester: Tänzerin Lydia vermittelte mit ihrer Kunst einen „Hauch von Orient“ wie in Tausendundeiner Nacht. (Foto: Sander)
 
Was Simon Götze bei „Rapunzel“ vorlas, setzte das Orchester anschließend musikalisch um. (Foto: Sander)

Sinfonisches Blasorchester des MTV setzte mit seinem „Weihnachtskonzert“ das Tüpfelchen auf das i

Für Freunde sinfonischer Blasmusik ist das Weihnachtskonzert des Sinfonischen Blasorchesters des MTV Seesen in jedem Jahr immer ein ganz besonderes Ereignis.

Können sie sich bei diesem Konzert am "dritten Weihnachtstag" doch an der von ihnen bevorzugten populären Blasmusik erfreuen, weil einerseits die festliche Atmosphäre des noch nicht ganz zurückliegenden Weihnachtsfestes noch nachwirkt und andererseits die gelöste Stimmung auf den bevorstehenden Jahreswechsel ganz ausgezeichnet mit dem Klang dieser Art der Blasmusik harmonieren.
„Märchen und Mythen“- ein Fest für die Sinne, bei dem auch optisch einiges geboten wird - so war dieses Weihnachtskonzert angekündigt worden. Und sie haben nicht zu viel versprochen, diese Hobby-Musikerinnen und Musiker, die als bunt gemischte Gruppe von Musizierenden fast über das ganze Bundesgebiet verstreut wohnen und sich lediglich zweimal im Jahr hier in Seesen in großer Orchesterbesetzung zusammenfinden. Nur eines haben sie gemeinsam: Die Liebe zur sinfonischen Blasmusik.
Und dass diese Liebe zu ihrer Musik nicht nur ein Lippenbekenntnis ist, bewiesen sie an diesem Abend wieder einmal sehr überzeugend. Unter der Leitung ihrer Dirigentin Wania Israel, die auch mit diesem Konzert abermals die Herzen der Zuhörer für sich gewinnen konnte, wuchsen die Musiker förmlich über sich hinaus und boten mit ihrer Leistung dem begeisterten Publikum einen Ohrenschmaus vom Feinsten. Dabei setzten sie mit dem abwechslungsreich gehaltenen Programm ein wahrhaft musikalisches Highlight "zwischen den Festen".
Eingeleitet wurde das Konzert zwar mit dem „Marsch aus der First Suite in Es“ von Gustav Holst, doch das Hauptaugenmerk des ersten Konzertteils war dieses Mal auf das Motto „Märchen und Mythen“ gerichtet, wobei selbstverständlich auch zwei der großen Damen der Märchenwelt, nämlich "Rapunzel" und "Dornröschen", musikalisch die Aufwartung gemacht wurde. Dabei ist „Rapunzel“ eine Originalkomposition für sinfonische Blasmusik und Sprecher, die auf dem weltberühmten gleichnamigen Märchen der Gebrüder Grimm basiert.
Hier haben sich die Musiker und der Schüler Simon Götze als „Vorleser“, für den extra ein Ohrensessel aus "Omas Zeiten" auf der Bühne bereit stand, hervorragend ergänzt. Danach folgte der schwungvolle „Dornröschenwalzer“ von Tschaikowski, der auch schon zum festen Bestandteil im Standartrepertoire des klassischen Balletts gehört. Bevor es in die Pause ging, hielt dann mit dem „Egyptischen Marsch“ von Johannes Strauß jun. und „Auf einem persischen Markt“ von Ketèly auch ein noch „Hauch von Orient“ Einzug in den "Musentempel am Sonnenberg". Dabei wurden die Klänge dieser fremdländisch und exotisch klingenden Weisen aus tausendundeiner Nacht optisch noch aufgewertet und wirkungsvoll unterstrichen, indem die aus Braunschweig stammende Tänzerin Lydia orientalischen Tanz professionell und elegant präsentierte. War die Musik des Sinfonischen Blasorchesters schon ein wahrer Ohrenschmaus, so sorgte diese Solistin mit ihrer Kunst zusätzlich noch für eine Augenweide.
Der zweite Konzertteil gehörte mit Musicals und Filmmusiken zu den ganz großen Mythen. Arrangements von den Blues Brothers, „Jesus Christ Superstar“ von Andrew Lloyd Webber, „America“ aus West Side Story von L. Bernstein oder „Aladdin“ von Walt Disney wurden dabei vom Orchester wirkungsvoll in Szene gesetzt, um an dieser Stelle nur einige der beliebtesten Stücke zu nennen. Moderiert hat an diesem Abend abermals Professor Michael Koch, der in bekannt gekonnter Manier dazu beigetragen hat, diesen Abend zu einem unterhaltsamen Erlebnis werden zu lassen.
Klar, dass das Orchester auch an diesem Abend nicht ohne Zugabe von der Bühne entlassen wurde. Für die Zugabe hatten die Musiker sich "YMCA" ausgesucht, zu dessen Musik die Zuhörer begeistert im Takt mit klatschten. Hatte es während des Konzerts bereits anerkennenden Applaus gegeben, so dankte das Publikum dem Orchester zum Schluss mit „Standing ovations“und langanhaltendem Fußgetrappel für dieses herrliche Konzert. In diesen Dank mit eingeschlossen waren selbstverständlich auch die unauffällig im Hintergrund agierenden Männer am Regiepult, trugen sie mit den Spezialeffekten ihrer neuen Beleuchtungstechnik doch nicht unerheblich zum Gelingen dieses Abends bei.Doch es kann kein Weihnachtskonzert des Sinfonischen Blasorchesters zu Ende gehen, wenn nicht noch „Guten Abend - gute Nacht“ gespielt wird. Und mit diesem lieben Wunsch wurden die Besucher letztendlich dann auch nach Hause entlassen.