„Man ist hilflos, wenn das Wasser kommt“

Der Weg nach Hause nach der Schule war in Rhüden heute Mittag beschwerlich.
 
Rhüden heute Mittag: Wieder einmal sind die Einwohner machtlos gegen die Naturgewalten.

Dauerregen sorgt für Überschwemmungen im Stadtgebiet / Rhüden und Bornhausen am stärksten betroffen

Die anhaltenden Regenfälle sorgten Sonntag und Montag in mehreren Teilen des Stadtgebietes für einen Ausnahmezustand. Vor allem in Rhüden und Bornhausen hatte sich die Lage über Nacht dramatisch zugespitzt. Schon am Sonntagnachmittag herrschte am Feuerwehrgerätehaus in Rhüden emsiges Treiben und operative Hektik.



Im Sekundentakt wurden die Sandsäcke von den Wehrkräften gefüllt, bis heute Vormittag waren allein 6500 Säcke verbaut. Oftmals vergeblich, denn gegen die Wassermassen war am Ende kein Kraut gewachsen. An vielen Stellen verstopfte der mitgespülte Unrat aus Ästen und Gestrüpp die Brücken. In Bornhausen stand der Bereich Neustädter Straße komplett unter Wasser.
„Wir saufen ab“, sagte Stadtbrandmeister Jürgen Warnecke, als ihn der „Beobachter“ in der Einsatzleitstelle in Rhüden telefonisch um eine Einschätzung der heiklen Situation bat. Die Schlechtwetterlage vor allem im Bereich Münchehof und Herrhausen führte dazu, dass die zuvor ruhig fließenden Bäche zu reißenden Flüssen mutierten. Rund 100 Tonnen Sand sollten helfen, das Schlimmste zu verhindern.
Nach und nach wurden alle Feuerwehren aus dem Stadtgebiet alarmiert. Sie waren die ganze Nacht und auch am Vormittag damit beschäftigt, die Anwohner mit Sandsäcken zu beliefern oder die vollgelaufenen Keller wieder leer zu pumpen. Immer größere Wassermassen erschwerten dieses Vorhaben natürlich. Das Staubecken vor Rhüden war über Nacht ebenfalls so voll gelaufen, dass ein Pegelstand von über 5,40 Meter erreicht wurde und das Wasser kontrolliert abgelassen werden musste. Das sorgte im Rhüdener Ortskern für Überschwemmungen. Auch in Bornhausen war das Wasser längst über die Schildau getreten. Und in Münchehof trat das Wasser des Pandelbachs über die Kirchberger Straße. Überall waren die unermüdlichen Einsatzkräfte der Feuerwehren im Einsatz – rund 400 „Brandschützer“ im Kampf gegen die Wassermassen.
„Wir werden den Krieg gegen das Wasser wieder einmal verlieren“, zeigte sich Wehrchef Jürgen Warnecke zwischenzeitlich resigniert und zerknirscht. Trotzdem wurde weiter ununterbrochen geholfen und mit angepackt, wo Hilfe vonnöten war. „Wir versuchen weiterhin alles, aber von der Schildau kommen weiter starke Wassermassen“, so Warnecke. Die Nette hatte zwischenzeitlich einen Pegelstand von 3,50 Meter erreicht. Die Landwirte waren die einzigen, die sich mit ihren Treckern noch einen Weg durch die Straßen bahnen konnten.
„Man ist hilflos, wenn das Wasser kommt“, meinte ein Anwohner aus dem Hochwassergebiet Rhüdens. Den Naturgewalten war in der Tat wenig entgegenzusetzen. Vor dem Schützenhaus und der Turnhalle „Im Wiesenbruch“ machte das Wasser auch nicht halt. Und die Kindergärtnerinnen aus Rhüden hatten bis zuletzt gehofft, dass sie diesmal verschont bleiben würden. Vergebens! In Gummistiefeln bahnten sie sich den Weg durch das knietiefe Wasser, bevor sie Landwirt Volker Harenberg mit seinem Schlepper ins Trockene bringen konnte.

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