„Mensch muss im Mittelpunkt stehen“

„Beobachter“-Redakteur Daniel Hinz (links) im Gespräch mit dem umweltpolitischen Sprecher der CDU-Landtagsfraktion Martin Bäumer, Rhüdens Ortsbürgermeister Ernst Pahl und dem Seesener CDU-Landtagsabgeordneten Rudolf Götz. (Foto: Hohmann)

Umweltpolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion besucht zum Thema „Talsperre Bornhausen“ Seesen

Spätestens seit den beiden Hochwasser-Ereignissen im Jahr 2007 steht die Talsperre bei Bornhausen im Zentrum der Diskussion um den Hochwasserschutz für die Ortschaften im nordwestlichen Teil des Stadtgebietes.

Schon damals hat der CDU-Abgeordnete Rudolf Götz das Projekt mitbegleitet. In den Jahren 2011 und 2012 habe er das Gefühl gehabt, dass „es jetzt geschafft sei und die Talsperre tatsächlich komme.“ Doch nach dem Regierungswechsel im Jahr 2013 wurden jedoch andere Prioritäten gesetzt. Nun kam Martin Bäumer, umweltpolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion nach Seesen, um sich die Gegebenheiten vor Ort einmal anzuschauen und Aufmerksamkeit zu erzeugen.
„Ich komme selbst aus einem hochwassergeplagten Gebiet und kann daher die Sorgen der Menschen verstehen“, so Bäumer. In seinem Wahlkreis bei Georgsmarienhütte stellten die Verantwortlichen nach einem Hochwasser im Jahr 2010 fest, dass etwas geschehen müsse. Kürzlich wurde dort ein Damm eingeweiht. „Und hier ist nach neun Jahren immer noch nichts passiert“, wundert sich das CDU-Mitglied und weiter „der Mensch steht nicht mehr im Mittelpunkt, das muss sich wieder ändern. Die Natur wird mehr zerstört, wenn der Mensch nicht mitgenommen wird.“ So werde dann aus mehr Naturschutz im Endeffekt weniger. Als Beispiel nannte er die Baumschutzsatzung, die Bäume schützen solle, aufgrund derer aber viele Menschen auf das Bäumepflanzen lieber verzichten.
Rhüdens Ortsbürgermeister Ernst Pahl (CDU) und Rudolf Götz kritisierten ein wenig auch den Nette-Ausbauverband. Die Durchlässigkeit sei von den erforderlichen 23 Kubikmetern, die bereits 1986 festgestellt wurden, auf inzwischen 15 bis 17 Kubikmeter an den engsten Stellen gesunken. „Es hätte jedes Jahr etwas getan werden können.“ So gebe es nun einige Sandbänke und auch einige Pappeln müssten gefällt werden. Nicht erfreut sind die beiden auch darüber, dass für die Erhöhung der Durchlässigkeit ein neues Planfeststellungsverfahren nötig ist. Götz: „Das ist schon etwas irre. Was schon einmal war, muss nun erneut festgestellt werden. Das kostet nur Geld und Verwaltungskraft.“ Die Natur sei robust und erhole sich nach solchen Eingriffen, meinte auch Martin Bäumer.
Diese Maßnahme, die Erhöhung der Durchlässigkeit, soll nun durchgeführt werden. Wenn das nicht ausreicht, dann komme die Talsperre. Ein Grund für die Verzögerung seien auch die geplanten Kosten. Die sind inzwischen aufgrund der Tatsache, dass die Staumauer höher gebaut werden muss als ursprünglich angedacht und aufgrund eines neuen Gesetzes, von fünf auf zehn Millionen Euro gestiegen.
Daher sei die Wirtschaftlichkeit nicht mehr gegeben und das Vorhaben nicht förderungswürdig, heißt es aus dem Landtag. Erfreut sind die CDU-Mitglieder jedoch über eine Aussage vom Grünen Umweltminister Martin Wenzel. Der hat in einer Landtagsdebatte am 13. April gesagt: „Wir sind jedoch interessiert, die Hochwassermaßnahmen auf jeden Fall voranzutreiben. Nach Abschluss der Untersuchungen soll ein Planfeststellungsverfahren beantragt werden. Unter der Voraussetzung, dass eine wirtschaftliche Lösung erarbeitet wird, die einen sogenannten HQ100-Schutz gewährleistet, also den Schutz für das sogenannte 100-jährige Hochwasser, sind die genannten Hochwasserschutzmaßnahmen grundsätzlich auch förderfähig.“ Es sei, so Götz, schon ungewöhnlich, dass ein Minister eine solch konkrete Aussage tätige. Man werde ihn daran messen, teilte Götz weiter mit.
Nach dem Gespräch in der „Beobachter“-Redaktion, fuhren die drei CDUler noch in Richtung des Stauwerkes zwischen Bilderlahe und Rhüden, um sich das dortige Bauwerk und die Umgebung anzuschauen.