Menschenrettung per Drehleiter: „Jeder Handgriff muss sitzen!“

Das feinfühlige Anfahren im Korb an das jeweilige Gebäude gehört zur Ausbildung.

Freiwillige Feuerwehr Seesen schult Mitglieder für den Ernstfall. Bereits seit 2010 findet die Drehleiterausbildung unter den wachsamen Augen von Jürgen Hirschfeld und Bernd Horn statt. Ehemaliges Städtischen Krankenhaus dient als Objekt für Praxiseinheit

Von Antonio Mateo

Am vergangenen Freitagabend rückten gegen 18 Uhr zwei Fahrzeuge der Seesener Wehr in besonderer Mission aus. Besetzt waren die Fahrzeuge insgesamt mit acht Angehörigen der Seesener Blauröcke. Ziel war das ehemalige Städtische Krankenhaus in der Lautenthaler Straße. Ein ideales Umfeld für die praktische Ausbildung an der Drehleiter DLK 23/12. Aus allen fünf Gruppen der Feuerwehr Seesen sind jeweils sechs bis acht Mitglieder an der Ausbildung beteiligt. „Wir halten die Gruppen absichtlich so klein, um möglichst ausgiebig in den Ausbildungseinheiten trainieren zu können“, erklärt Gruppenführer Jürgen Hirschfeld. Im Dienstplan der Brandschützer sind jeweils vier Sonderdienste zu je drei Stunden fest eingeplant. Ausgebildet wird der Fahrer in der Maschinistenausbildung, die Sicherheit im Leiterbetrieb, richtiges Aufstellen im Einsatz, Bedienung des Korbes und Trage, Aufbau des Wasserwerfers und natürlich auch das feinfühlige Anfahren im Korb an das jeweilige Gebäude.
Was von unten beim Anblick der ausgefahrenden Drehleiter noch so einfach aussah, verlangte in Wirklichkeit von den eingesetzten Atemschutzträgern einiges an Können und Fitness ab. Im Focus stand an diesem Abend die Menschenrettung über den Korb aus dem 2. Stock des ehemaligen Krankenhausgebäudes. Höhenangst spielt bei Rettern und Geretteten kaum eine Rolle, versichert Zeugwart Bernd Horn gegenüber dem „Beobachter“. „Zumal die gerettete verletzte Person im Normalfall andere Probleme hat, als über die Höhe zu grübeln“, fuhr Horn fort.
Am Leiterkorb existiert eine Halterung für eine Krankentrage. Kaum war diese montiert, konnte es an die Rettung der Person aus dem 2. Stock gehen, die in diesem Fall liegend und somit schonend aus der Höhe zur Erde befördert wurde. Immer wieder trainierten die Trupps die jeweiligen Arbeitsabläufe, um für den Fall der Fälle gut ausgebildet zu sein. Nach erledigter Ausbildungseinheit rückten die Kräfte wieder ein. Am Ende waren sich alle Blauröcke einig: „Jeder Handgriff muss sitzen!“