Mieterverein: Beratungsbedarf nach wie vor groß

Der Mieterverein Seesen zog jetzt Jahresbilanz, und dazu konnte Renata Jahns auch den Geschäftsführer des DMB Hannover e. V., Randolph Fries (Zweiter von links), begrüßen. Foto: Jung

Jahreshauptversammlung / Jede zweite Betriebskostenabrechnung beanstandet / Ries-Vortrag

Von Gerd Jung, Seesen

Der Beratungsbedarf ist nach wie vor groß“ – einer der Kernsätze aus dem Geschäftsbericht der 1. Vorsitzenden des Mietervereins Seesen, Renata Jahns, die die Aktivitäten des vergangenen Jahres in der jüngsten Mitgliederversammlung Revue passieren ließ. Zur JHV, die in den Räumen der Lebensabendbewegung im Bürgerhaus stattfand, konnte sie auch den Geschäftsführer des Deutschen Mieter-Bundes (DMB) Niedersachsen/Bremen, Randolph Fries, und Rechtsanwalt Heiko Pilgermann willkommen heißen.
Betriebskostenabrechnungen sowie die Überprüfung von Heizkosten und sonstigen Abgaben nähmen weiterhin die erste Stelle in den Beratungsgesprächen ein. Die Mieter, betonte Renata Jahns, seien durch ständig steigende Energiekosten sehr kritisch geworden – und dies häufig nicht von ungefähr. Ihre Empfehlung: Alle Positionen der Betriebskostenabrechnung sollten genau geprüft werden; die Rechtsberater des Mietervereins würden dabei helfen. Auch im Geschäftsjahr 2011 merkte die 1. Vorsitzende an, habe zweite Betriebskostenabrechnung beanstandet werden müssen. Einen erhöhten Beratungsbedarf habe der Mieterverein auch bei Mängeln in der Wohnung konstatiert. Als bsondere Alarmzeichen bezeichnete Renata Jahns Schimmel, hoher Energieverbrauch, schlechte Isolierung und veraltete Heizungsanlagen – um nur einige „Juckepunkte“ zu nennen.
Wenn Mängel in der Wohnung oder am Haus aufträten, so Jahns, müsse der Vermieter unverzüglich benachrichtigt werden, am besten in schriftlicher Form. Der Eigentümer sei gehalten, sich sofort um die Beseitigung der Mängel zu kümmern. Alle Mängel würden die Wohnqualität beeinträchtigen, allerdings sollte der Mieter vor einer Mietminderung fachlichen Rat einholen. Auch wenn es um Mieterhöhungen respektive Kündigungen oder um den Abschluss eines neuen Mietvertrages gehe, sei eine Überprüfung der Unterlagen durch den Deutschen Mieterbund angezeigt.
Abschließend unterstrich Renata Jahns, es lohne sich Mitglied im Deutschen Mieterbund zu werden beziehungsweise zu bleiben. Die Berater beim DMB seien nicht nur hinsichtlich der gesetzlichen Bestimmungen kundig, sondern hätten zudem Kenntnis von Urteilen, die in Mietangelegenheiten gefällt worden seien. Als erfreulich bewertete die Mietervereinsrepräsentantin die Tatsache, dass die überwiegende Zahl der Konflikte außgerichtlich gelöst worden sei. – Für das 2011 unter Beweis gestellte Engagement – insgesamt wurden an die 300 Beratungen durchgeführt – sprach Renata Jahns der Stellvertretenden Vorsitzenden, Christa Sander, und Rechtsanwalt Heiko Pilgermann Dank und Anerkennung aus.
Bevor sich DMB-Geschäftsführer Randoph Fries in seinem Jahresreferat mit dem Thema „Feuchtigkeit und Schimmel – ein ewiges Streitthema“ befasste, machte er seinem Ärger über die geplante Änderung des Mietrechts Luft. Hintergrund: Eine Gebäudesanierung soll zukünftig erst ab drei Monaten durch eine Mietminderung belastet werden können. Ein Gesetzentwurf der Bundesregierung will die Kosten der energetischen Sanierung bei Vermietern eindämmen und erntet mit diesem Vorstoß viel Kritik auf Seiten der Mieter respektive des Deutschen Mieter-Bundes. Käme die Änderung durch, empörte sich Ries, würde dies bedeuten, das trotz Baulärm, Dreck, Einrüstung des Gebäudes und Verdunkelung der Wohnung oder trotz Ausfall der Heizungsanlage und der Warmwasserversorgung die volle Miete gezahlt werden müsse. Die Bundesregierung schaffe damit ein „Grundrecht für Verbraucher" teilweise ab.
Mieterverein Seesen: Renata Jahns (1. Vorsitzende), Christa Sander (2. Vorsitzende).
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