Mit einem Pastor als Vorsitzenden fing alles an

TSE Kirchberg feiert vom 17. bis 19. Juni 100-jähriges Bestehen / Blick in die Vereinschronik (Teil 1)

Kirchberg (Püll). Der TSE Kirchberg wird in diesem Jahr 100 Jahre alt. Grund genug, das Jubiläum dieses rührigen Sportvereins kräftig zu feiern, und das gleich drei Tage lang – vom 17. bis 19. Juni. Wer einmal in der Chronik des Vereins blättert, der stößt auf eine wechselvolle Geschichte, die der „Beobachter“ nun beleuchtet. Im vorliegenden ersten Teil geht es um die Jahre 1911 bis 1930.
Am 14. Juli 1911 trafen sich in der damaligen Gastwirtschaft Klages („Zur Linde“) turnbegeisterte junge Menschen, um ebenso wie in den Nachbarorten einen Turnverein zu gründen. Um die Entstehung dieses Vereines hatten sich besonders zwei Männer bemüht, der Maurer Ernst Bock aus Münchehof und Pastor Clemens. Zum 1. Vorsitzenden des Turnvereines „Einigkeit“, wie er sich nannte, wurde Pastor Clemens gewählt, Turnwart war Ernst Bock, Schriftführer der Schneider Carl Lüders, Kassenwart der Lehrer Friedrich Dröge und Gerätewart war Gastwirt Klages.
Einmal in der Woche trafen sich die Turner abends auf dem Saal der Gaststätte zum Üben an Reck, Barren, Pferd, den Sprunggeräten und auf der Matte. Im Sommer, bei schönem Wetter, verlegten sie ihre Turnstunde ins Freie bei der Lehmkuhle (Backhaus), um mit ihren Vorführungen dem Verein neue Mitglieder zuzuführen. Bereits im Jahr der Gründung zählte der Verein 32 Mitglieder. Im Winter eines jeden Jahres fand auf dem Saal ein Vergnügen statt, das stets mit dem Schauturnen begann. Natürlich machte es den Turnern Spaß, wenn sie nach langem Üben ein schwieriges Kunststück an einem Gerät beherrschten und dieses vorführen konnten.
Aber Turnen und Sport hatte damals auch die Funktion, unbedingte Disziplin und Gehorsam zu schulen. Dies kann man dann auch Pastor Clemens' Aufzeichnungen aus dem Jahr 1914 entnehmen. 8.3.1914: Des Turnvereins 3. Winterfest. An die nationalen Gedenktage, den 9. und 10. März anknüpfend, mahnte der Vorsitzende zu schlichter, straffer Art, zu treuem Aushalten, zur Selbstbeherrschung und willigen Unterordnung. Noch im gleichen Jahr mussten einige Turner beweisen, wie gut sie diese „Tugenden“ beherrschten.
Nach dem Ersten Weltkrieg dauerte es einige Zeit, bis die Turner wieder zusammenfanden. Von 1920 bis 1930 leitete der Schmied Heinrich Meier den Verein. In der Sitzung des Gemeinderates trug Heinrich Meier folgendes Anliegen vor: „Der Turnverein stellt den Antrag, zu erwägen, ob es nicht tunlich wäre, eine Badeanstalt in hiesiger Gemeinde zu bauen und in zustimmendem Falle das Terrain dazu zur Verfügung zu stellen.“ Ein Jahr später fasste der Rat den Beschluss, eine Badeanstalt zu bauen, wobei allerdings 1500 Mark nicht überschritten werden sollten. Im April 1927 wurde die Schafwäsche an der Markau abgebrochen und mit dem Bau des Freibades begonnen. Es wurde noch im gleichen Jahr benutzt.
Zwar war das Bad recht primitiv und wurde schon damals den hygienischen Anforderungen nicht gerecht. Aber alle waren zufrieden und es gab in Zukunft kaum einen Kirchberger, der nicht schwimmen konnte. Und auch die Schulklassen der Nachbarorte statteten der Badeanstalt oft einen Besuch ab. Der „Aufseher“ des Bades bezog ein Viertel der Einnahmen. Gebadet wurde auch sonntags von 8 bis 10 Uhr, was Pastor Lohmann allerdings nicht recht war. 1928 hatte es sich als notwendig erwiesen, auch einen Bedürfnisraum (Toilette) bei der Badeanstalt zu errichten. 1933 wurde dann das Schwimmbad weiter errichtet. Darüber berichtete damals auch der Seesener Beobachter unter dem Titel: „Kirchbergs Jugend schuf ein modernes Bad“.
Anfang der fünfziger Jahre musste das Bad geschlossen werden, da das Baden in dem unsauberen Wasser zu einer Gefahr für die Gesundheit der Benutzer geworden war. Da die Gemeinde kein Geld für eine Modernisierung hatte, verfielen die Anlagen bald.
Im nächsten Teil lesen Sie, wie es mit dem TSE Kirchberg ab 1930 weitergeht.