Mit einem Sinn genießen – Steinway-Story zum Hören

Wann? 25.08.2012 20:00 Uhr

Wo? Steinway-Park, Lautenthaler Straße, 38723 Seesen DE
An der Konzertmuschel im Kurpark beginnt am Samstag um 20 Uhr die Hörtheater-Veranstaltung. (Foto: Federzeichnung: Sonja Mertens)
Seesen: Steinway-Park |

Am Samstag Open-Air-Hörtheater im Steinway-Park / An Tradition aus den 1930er Jahren angeknüpft

„Dunkel liegt über den Harzbergen. Es ist so finster, dass man kaum Wald und Himmel unterscheiden kann. Der Wind ist schlafen gegangen. Leise nur raunt die Schildau ihre ewige Naturmusik. In der Ferne ruft dann und wann ein Waldkauz. Sonst ist es still. Auf der Straße, die aus der Stadt führt, gehen schweigend Menschen zu Berg. Bald flackern Lichter unter Bäumen auf. Wir sind im Seesener Kurpark.“


Seesen (bo). So beginnt vor rund 80 Jahren ein Artikel im Seesener Beobachter, der sich mit den Mitternachtsmusiken im Steinway-Park beschäftigt. Diese Musiken, Freiluftkonzerte in den Vollmondnächten, waren in den 1930er Jahren zu einer beliebten Veranstaltungsreihe während der Sommermonate geworden. Traditionell eröffnete der Ruf der Hillebille, des hölzernen Nachrichteninstruments der Harzer Köhler, die Konzerte, die im Range einer „Feierstunde“ Kunst- und Natursinn der Besucher anregen wollten. Jegliche Ablenkung war dabei unerwünscht, wie die damals von dem Veranstalter mitgeteilten „Verhaltensregeln“ strikt verdeutlichen: „Gesagt muss noch werden, dass Kinder und Hunde nicht zur Mitternachtsmusik gehören. Motorengeknatter ist ebenfalls nicht wünschenswert. Pünktlichkeit ist eine Zier. Schon der Ruf der Hillebille ist ein Stück der Veranstaltung, die auf keinen Fall ein Promenadenkonzert ist, bei dem man mit mehr oder weniger wichtiger Unterhaltung auf- und abwandert. Man lausche und schweige und verwische nicht den Eindruck durch Lärm.“
Ganz so rigoros – mindestens in Bezug auf das Mitbringen von Kindern und Hunden – soll es am kommenden Samstag, 25. August, im Steinway-Park nicht zugehen, wenn der „Steinway-Park Seesen e.V.“ mit einer Sommerabendveranstaltung an die Tradition dieser Mitternachtsmusiken anschließt. Ab 20 Uhr findet dann vor der Musikmuschel bei stimmungsvoller Ausleuchtung und Kerzenschein zwar kein Konzert, aber doch ein den Musik- und Hörsinn der Besucher ansprechendes „Hör-Theater“ statt.
In vielen Großstädten, beispielsweise in Hamburg oder Berlin, ist diese Veranstaltungsart seit Jahren bekannt und beliebt. An besonderen Orten, wie alten Kino- oder Tanzsälen, Fabrikgebäuden oder in Planetarien, werden Produktionen großer Rundfunkanstalten, wie Hörspiele, Features und Dokumentationen, öffentlich vor Publikum aufgeführt, eingerahmt von Erläuterungen der beteiligten Autoren, Regisseure und Sprecher.
Mit dem Hör-Theater „Von Steinweg zu Steinway“ findet eine derartige Veranstaltung nun erstmals auch in Seesen statt. Die Anregung dazu hatte Autor und Journalist Dirk Stroschein gegeben, der die gleichnamige Hörfunk-Produktion im Jahr 2003 für den NDR geschrieben hat. Nach der Freigabe des Senders sowie des Verlages „Hoffmann und Campe“, der die Sendung als Hörbuch vertrieben hat (inzwischen leider vergriffen), fand Stroschein in der Stadt Seesen und natürlich dem „Steinway-Park Seesen e.V.“ die idealen und erfahrenen Partner für die Durchführung dieser Veranstaltung.
Zeitpunkt und Ort sind mit Bedacht gewählt: Ist das Hör-Theater doch auch als Begleitveranstaltung zu der derzeit im Städtischen Museum Seesen laufenden Sonderausstellung „William Steinway in New York“ gedacht. In dieser Fotoausstellung folgt Dirk Stroschein den Spuren des Seesener Ehrenbürgers an jenen Orten, „wo William war...“ Dabei entstehen Einblicke in eine Unternehmerpersönlichkeit, die – außer in seiner Hauptprofession Klavierbau – in schillernder und vielfältiger Weise in Gesellschaft, Politik und Wirtschaft in der Weltstadt New York engagiert war. Diese Ausstellung ist noch bis zum 30. September zu sehen und soll im kommenden Jahr eine Fortsetzung unter dem Titel „William Steinway in Seesen“ finden. Womit die Verbindung zum Steinway-Park als Aufführungsort des Hör-Theaters gelegt wäre: Denn welcher Ort könnte dazu besser passen, als der von William Steinway seiner Geburtsstadt vor 120 Jahren gestiftete und nach ihm benannte Park?
Zum Inhalt: In dem Radio-Feature wird die Geschichte der Familie Steinway und ihres weltbekannten Klavierbauunternehmens „Steinway & Sons“ erzählt, das seine Ursprünge in der Vorharzstadt Seesen hat. Zitate von Steinway-Künstlern und Interviews unter anderem mit dem Urenkel des Firmengründers, Henry Ziegler Steinway, und Berufs- wie Hobbypianisten wie Götz Alsmann, Michael Naura und Otto Schily sowie ein Streifzug durch 150 Jahre Musikgeschichte runden die Dokumentation ab und geben einen Einblick in die Geschichte des berühmtesten aller Klaviere.
Beginn der Freiluftveranstaltung am Samstag ist um 20 Uhr an der Kurparkmuschel. Dirk Stroschein wird eine Einführung in die Entstehung der Sendung geben. In der Pause findet die Preisverleihung an die Gewinner des „Steinway-Spurensuche-Quiz“ aus der Ausstellung im Museum statt.
Der Verein „Steinway-Park Seesen“ sorgt in bewährter Manier mit warmen Würstchen, Salaten und Schmalzbroten sowie einer breiten Getränkeauswahl für das leibliche Wohl, so dass auf ein vorheriges heimisches Abendbrot an diesem Tag verzichtet werden kann.
Der Eintritt zu der Veranstaltung ist frei.