Mit Klaus Lage auf „Zeitreise“

Den Wunsch nach Zugaben erfüllte Klaus Lage gern.

Ohrwürmer und auch ruhige Töne beim Gastspiel des bodenständigen Musikers in der Aula des Schulzentrums

Es ist ein eigenartiger Abend beim Seesener Kulturforum. Zur Lage in Rom hört man beim einlasswartenden Publikum „habemus papam“, aber wen? Viel Applaus gibt es dann für Klaus Lage, als er die Bühne betritt: „Ja, ich freu mich auch!“ Vor drei Jahren war Klaus Lage zum ersten Mal seit 30 Jahren ganz allein auf der Bühne zu erleben, quasi als „Abwechslung vom Alltag“ gedacht. Jetzt auch im Seesener Schulzentrum.
„Alles kann man kaufen“ heißt es im ersten Song. Viel Hall begleitet die Gitarre (eine von vieren) und seinen Gesang. Die Bühne ist durch weiße Vorhänge seitlich schräg und zentral verkleinert und bietet dem Musiker ein kleines Separée. Die gepresste Stimme verrät den gebürtigen Rocker. Die Frau auf dem Nachbarplatz nervt: In der einen Hand eine Flasche Bier, in der anderen ein Smartphone, twitternd, trinkend, internettend und zwischendurch irgendwie klatschend. Weiß sie schon vom neuen Papst Franziskus?
Klaus Lage beginnt seine „Zeitreisen“ in den Orten seiner Jugend, in Soltau, Essen, Düsseldorf, wieder Soltau und schließlich Berlin. Er fragt: „Wo biste zuhause?“
Arlo Guthries „Coming in from London“ setzt Lage in Erinnerung zu DDR-Grenzkontrollen während seiner Berliner Zeit. Der bluesige Song „Er ist Schlachter“ ragt musikalisch ein wenig aus dem Lage-Repertoire heraus. Das Publikum ist längst in den 70er-Jahren angekommen, 1978 kommt Lages erste Single auf den Markt. „Zug um Zug“ bringt Scat-Gesang in schlichter Tonfolge. Nebenan wird noch getwittert mit Freunden. Nein, den Namen des Papstes kennt man in der Seesener Aula noch nicht.
Im Rückblick betrachtet sind nicht alle Songs Gitarren-kompatibel. Ein Solo-Programm braucht auch ruhige und sanfte Töne. Die Gitarre dominiert in vielen Fällen die Lied-Erzählungen.
Der zweite Teil, nach der Pause, bringt dann die Ohrwürmer-Hits, so „Monopoli“. Bei „1000 und eine Nacht“ singt das Publikum text- und stimmsicher mit, der Text von der Bühne kommt rau und kehlig herunter, während die Saal-Symphonie romantisch und zart klingt. „Faust auf Faust“, „Fang jetzt bloß nicht an zu weinen“ und „Liebe kann man lernen“ vermitteln viel vom Menschen Klaus Lage: engagiert, bodenständig und ehrlich. Sensibilität ist zu merken, seine Selbstironie akzeptiert den Menschen Lage. Der Komödiant bleibt dezent. Lages Vortrag zeigt nirgends aufwändige Bühnenperformance. Im Pop- und Rockbereich kommt seine Stimme und kommen seine Texte authentisch herüber. Man wünschte sich, gerade beim Solo-Vortrag mehr Blues und ein bunteres Harmonie-Gefüge.
Das Smartphone auf dem Nachbarsitz kann außer twittern auch noch Videosequenzen aufnehmen. Lages Ohrwürmer steigern die Mitmachlust beim Kulturforum-Publikum bis hin zum Abgesang im neuen Song „Zeitreise“. Das dankbare Publikum erklatscht und ersteht sich am Ende Zulagen. In einzelnen Gruppen fällt der Name Franziskus.