Monet und das Geheimnis seiner Malerei

Interessiert lauschen die Gäste dem Vortrag über Claude Monet im Städtischen Museum.
 
Die Göttinger Künstlerin Renate Wanda Gehl.

Kunsthistorischer Vortrag von Renate Wanda Gehl im Städtischen Museum

Am vergangenen Donnerstag fand die zehnte Veranstaltung des „Freundeskreises Städtisches Museum“ in diesem Jahr statt. Der Vorstand hatte um 19 Uhr zu einem Vortrag in das Museum eingeladen.

Unter dem Titel: „Claude Monet und das Geheimnis seiner Malerei“ referierte die Göttinger Künstlerin und Kunsthistorikerin Renate Wanda Gehl.
Das Thema erfreute sich an so großer Resonanz, dass die 1. Vorsitzende des „Freundeskreises“, Renata Jahns, knapp 60 Zuhörer im Steinway-Raum begrüßen konnte. Sie betonte, dass im Jahr 2015 die Fans des „Impressionismus“ in besonderer Weise in Deutschland auf ihre Kosten gekommen seien. Neben der Ausstellung „Monet und die Geburt des Impressionismus“ im Frankfurter Städel Museum gab es in Berlin eine Präsentation mit den Meisterwerken der Moderne unter dem Titel „ImEx“ (Impressionismus/Expressionismus). Nun wolle auch Seesen seine Hommage an Claude Monet darbieten, fuhr Renata Jahns fort und begrüßte die Referentin Renate Wanda Gehl. Sie sei ja in Seesen keine Unbekannte, habe sie doch im Jahr 2014 bereits Vorträge gehalten und Workshops veranstaltet. Auch wird noch bis zum 29. November ihre Ausstellung „Naturnotizen – Mischtechniken“ im Museum zu sehen sein.

Renate Wanda Gehl referierte über Claude Monet:
Die 1. Vorsitzende erläuterte ferner, dass Renate Wanda Gehl zwar in Göttingen wohnhaft sei, aber wichtige Ankerpunkte am Chiemsee und auf der Insel Usedom habe, zwei Orte, die besonders inspirierend sein können für eine Künstlerin, die von sich sagt, dass sie ihre Schaffenskraft aus der unermesslichen Schönheit der Natur beziehe. Jahns beendete ihre Begrüßung mit einem Satz über Claude Monet: „Seine Natur war nie ein Ort der Arbeit, immer nur Ausflugsziel in einen nie endenden Sommer.“
Renate Wanda Gehl ging dann in ihrem Vortrag auf das Leben des Künstlers Monet ein und untermalte seine privaten und malerischen Stationen anhand von Bildern, die auf einer großflächigen Leinwand zu sehen waren.
1840 in Paris geboren, zogen seine Eltern bald nach Le Havre in die Normandie. Monet besuchte dort die Schule und fertigte als Jugendlicher bereits Karikaturen an. 1862 lernte er den aus den Niederlanden stammenden Johan Barthold Jongkind kennen. Gemeinsam beschäftigten sie sich mit Landschaftsstudien. Claude Monet ging dann nach Paris, wo er in einem Atelier arbeitete, in dem auch Auguste Renoir, Alfred Sisley und andere eingeschrieben waren. Für die Salon-Ausstellung in Paris 1866 plante Monet ein überdimensionales Bild mit dem Titel „Frühstück im Grünen“, welches an das bekannte Werk gleichen Namens von Edouard Manet angelehnt sein sollte. Da er dieses Bild nicht fertigstellen konnte, malte er stattdessen „Camille im grünen Kleid“, das eines seiner besten Werke werden sollte und sowohl vom Publikum als auch von den Kritikern positiv aufgenommen wurde.
Renate Wanda Gehl erläuterte dann, dass durch die Erfindung der Tubenfarben ein Malen in der Landschaft möglich geworden war, was Claude Monet und andere Künstler aus den Ateliers in die Natur zog. In dem Bild „La Grenouillère“ von 1869 gelang Monet mit der Darstellung der Wasserspiegelungen ein Werk, das den Weg in die abstrakte Malerei vorzeichnete. Auch die Bilder „Das Mittagessen“ von 1873 und „Der Boulevard des Capucines“ von 1874 weisen in beeindruckender Weise in diese Richtung. Impressionismus als Stilrichtung der Kunstgeschichte leitet sich übrigens von dem Bild „Impression, le soleil levant“ ab, das Monet 1872 gemalt hatte.
Nach einer Pause, in der der „Freundeskreis“ Getränke und Gebäck kredenzte, wurde der Vortrag fortgesetzt. Die Referentin sprach über die zweite Lebenshälfte des Malers. In dieser Periode wurden aus den impressionistischen Studien die Serien der Heuschober, der Pappeln und schließlich der Westfassade der Kathedrale von Rouen entwickelt. Bei Reisen zwischen 1900 und 1908 nach London und Venedig entstanden weitere Serienbilder.
Bereits im Jahr 1890 hatte Monet ein Haus in Giverny nordwestlich von Paris erstanden und den Garten in den Folgejahren Stück für Stück ausgebaut. In den letzten Jahren seines Lebens malte er immer wieder Motive aus dieser Anlage. Es entstanden die bekannten Seerosenbilder, Ansichten der Blumenbeete und der japanischen Brücke. Hier in Giverny fand Monet bis zu seinem Tod im Jahre 1926 Ruhe und Kraft, um sein Werk zu vollenden.
Nach einem anhaltenden Beifall der begeisterten Zuhörer bedankte sich Renata Jahns bei der Kunsthistorikerin und überreichte ihr als Dank einen Druck von Horst Janssen mit dem Titel: „4 Nächte Amaryllis“.