NABU-Artenschutzzentrum präsentiert außerordentliche Jahresbilanz 2015

2.169 Pflegetiere aus 164 Arten / 2.209 Teilnehmer bei 121 Veranstaltungen

Die Bilanz des Jahres 2015 für das NABU-Artenschutzzentrum Leiferde weist als Pfleglinge insgesamt 2.169 Tiere aus 164 Arten auf. Damit stieg die Anzahl der Pflegetiere im Vergleich zum Vorjahr um 277 Tiere an.

Für die Mitarbeiter des NABU-Artenschutzzentrums ging ein schwieriges Jahr vorüber. „Wir stehen Jahr für Jahr vor der Herausforderung“, berichtet Bärbel Rogoschik, Leiterin des NABU-Artenschutzzentrums, „da wir gerade in der Hauptsaison mit einer sehr begrenzten Personaldecke auskommen müssen. Bedingt durch die Laufzeiten des BFD, FÖJ und der Ausbildung haben wir mitten in der Hauptsaison den größten Personalwechsel. Da zudem die Personalkosten steigen, sind wir zunehmend auf zusätzliche Gelder und Patenschaften für unsere Pfleglinge angewiesen. Allen Unterstützern einen herzlichen Dank.“
Die zahlenmäßig größte Gruppe unter den Pflegetieren wurde wie in jedem Jahr von den heimischen Wildvögeln gebildet, welche sich auf 1.361 Tiere aus 83 Arten summierten. Der Anteil der Greifvögel und Eulen lag hierbei bei 153 Tieren, wobei die Eulen bezüglich der letzten Jahre im NABU-Artenschutzzentrum einen positiven Trend aufweisen. Ähnliches gilt für den Weißstorch, der mit 44 Individuen zugegen war. Extrem war im vergangenen Jahr der Fall des Gummibandstorches und des angefahrenen Storches, dessen Verursacher sich trotz Kollision beim Telefonieren im Auto nicht stören ließ und den schwerverletzten Storch im Graben liegen ließ. Außergewöhnlich hoch (174) war die Zahl der zu versorgenden Mauersegler, die hitzebedingt ihre Nester viel zu früh verließen.
Beständig auf hohem Niveau verweilt die Zahl der im NABU-Artenschutzzentrum versorgten Reptilien (und Amphibien). Diese summierten sich auf 179 Tiere aus 28 Arten, wobei die Schwierigkeiten bezüglich der Weitergabe sowohl geschützter als auch ungeschützter Arten seit Jahren zunehmend Sorgen bereiten, da sich eine artgerechte Vermittlung immer schwieriger gestaltet.
Zusätzlich zu den 179 genannten Pfleglingen, befanden sich im vergangenen Jahr weitere 267 Europäische Sumpfschildkröten in der Obhut des NABU-Artenschutzzentrums. Hierbei handelte es sich größtenteils um Jungtiere, welche dem NABU für das laufende Zucht- und Wiederansiedlungsprojekt in Niedersachsen von Züchtern zur Verfügung gestellt wurden. Fünfzig dieser Tiere konnten im vergangenen Jahr ausgewildert werden.
Als weitere, zahlenmäßig starke Gruppe wurden insgesamt 305 Säugetiere aus 22 Arten versorgt. Unter ihnen befanden sich allein schon 170 Igel, die für reichlich Arbeit im NABU-Artenschutzzentrum sorgten. Als Überraschungsgast wurde Mitte Mai ein afrikanisches Erdmännchen aufgenommen, welches seinen Besitzern entkommen war.
Die Auswertung über die Herkunft der gepflegten Tiere zeigte einmal mehr, dass der Einzugsbereich des NABU-Artenschutzzentrums weit über die benachbarten Landkreise hinausreicht. Insgesamt wurden dem Zentrum die Pfleglinge aus 45 Landkreisen überbracht.
Unter den Einlieferungsursachen war auch im vergangenen Jahr der „Verlust“ der Elterntiere der häufigste angegebene Grund (665 Tiere). Auf Platz zwei der Einlieferungsursachen rangierten auch im Bezugsjahr traditionell die Kollisionen (204 Tiere) mit Kraftfahrzeugen und Scheiben. Ungewöhnlich hoch und somit auf Platz drei lag hingegen die Zahl der Witterungsopfer, die sich auf 193 Tiere belief. Für Joachim Neumann, Mitarbeiter des NABU-Artenschutzzentrums, war nicht nur die hohe Zahl an Witterungsopfern auffällig, sondern vor allem die Art und Weise, wie diese zu Stande kam: „Im letzten Jahr war die hohe Zahl an Witterungsopfern auf extrem heiße Temperaturen Ende Juni zurückzuführen. Betroffen waren vor allem Schwalben und Segler, die unter den Dächern brüten, und deren Jungen, um dem Hitzetod zu entgehen, frühzeitig aus ihren Nestern sprangen“.
Entgegen der Auswertung der Einlieferungsursachen brachte die Auswertung über die Einlieferungszeiten keine Überraschungen. Fast genau ein Drittel aller Pflegetiere erreichten das NABU-Artenschutzzentrum außerhalb der regulären Öffnungszeiten von 9 bis 17 Uhr, was in etwa den Werten der vergangenen Jahre entsprach und die Notwendigkeit einer 24-stündigen Erreichbarkeit untermauert.
Über die Tierpflege hinaus liegt ein weiterer Schwerpunkt der Arbeit des NABU-Artenschutzzentrums im Bereich der Umweltbildung. Diesbezüglich fanden im abgelaufenen Jahr 121 Veranstaltungen statt, an denen 2.209 Personen teilnahmen. Anders als in den Vorjahren, in denen regelmäßig die Kindergeburtstage am häufigsten durchgeführt wurden, fanden im vergangenen Jahr erstmals mehr Seminare (46) als Geburtstage (30) statt. Darüber hinaus wurden weitere 24 Termine für Führungen oder Exkursionen angeboten.
Ein besonderes Erlebnis war im vergangenen Jahr das alljährlich stattfindende Storchenfest. Uwe-Peter Lestin, der Vorsitzende des Förderkreises des NABU-Artenschutzzentrums, ist immer noch begeistert, wenn er an das Storchenfest des vergangenen Jahres zurückdenkt: „Ich kann mich nicht erinnern, schon einmal dermaßen viele Menschen (geschätzte 4.700 Personen) auf dem Gelände des NABU-Artenschutzzentrums gesehen zu haben. Für mich ist das ganz klar ein Beleg dafür, dass das NABU-Artenschutzzentrum und die hier geleistete Arbeit in der Bevölkerung einen sehr hohen Stellenwert aufweisen. Damit das auch so bleibt wird der Förderkreis seinen eingeschlagenen Weg fortsetzen und das NABU-Artenschutzzentrum auch in Zukunft nach Leibeskräften unterstützen. Das nächste Storchenfest findet übrigens am 17. April statt, zudem der Förderkreis jetzt schon alle herzlich einladen möchte“.