Nach Attacke auf Schiedsrichter ist die Freundin das nächste Opfer

Seesener (45) wird vom Amtsgericht wegen brutaler Gewalt gegen seine Freundin zu acht Monaten Gefängnis verurteilt

Für einen 45-jährigen Seesener hat seine fortwährende Gewaltbereitschaft und Brutalität nun schwere Konsequenzen. Amtsrichter Rüger verurteilte den mehrfach vorbestraften und unter Bewährung stehenden Mann gestern wegen leichter Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von acht Monaten. Für eine Aussetzung der Strafe auf Bewährung sah der Richter keinen Spielraum mehr.
Der Angeklagte, der in diesem Jahr bereits wegen einer brutalen Attacke auf einen Fußballschiedsrichter rechtskräftig verurteilt wurde (der „Beobachter“ berichtete), hatte seine 47-jährige Freundin im Juli dieses Jahres krankenhausreif geprügelt. In der Wohnung seiner Ex-Geliebten eskalierte ein Beziehungsstreit derart, dass sich der notorische Schläger in einen regelrechten Gewaltrausch hineinsteigerte. Zunächst würgte er die Frau, ließ aber schnell wieder von ihr ab. In einem zweiten Wutausbruch schlug er der gelernten Floristin, die ursprünglich aus Braunschweig stammt, dann mehrfach mit der Faust ins Gesicht. Die Folgen waren ein schweres Schädelhirntrauma und der Bruch des linken Augenhöhlenbodens. Die Frau musste ins Uni-Klinikum eingeliefert werden. Nur eine Notoperation konnte Schlimmeres verhindern. Die 47-Jährige trat vor Gericht als Nebenklägerin auf.
Der Seesener zeigte während der Verhandlung keine Reue und erweckte zudem den Eindruck, dass seine Ex-Freundin die Prügel seiner Ansicht nach provozierte habe. Eine Aussage zu der Tat wollte er aber nicht machen.
Deshalb befragte Strafrichter Rüger vor allem das Opfer, um die genauen Umstände und den Tathergang zu klären. Die 47-jährige Angestellte sagte aus, dass sie den Angeklagten über das Internet kennengelernt habe. „Die ersten drei Monate der Beziehung sind auch sehr harmonisch verlaufen, doch dann merkte ich, dass mit ihm etwas nicht stimmt“, so die Nebenklägerin. In einem ersten Angriff auf seine Freundin riss er ihr einen Büschel Haare vom Kopf. Sie erstattete Anzeige. Vor dem Amtsgericht Braunschweig kam es in der Folge zur Verhandlung.
Doch trotz dieses Vorfalls konnte und wollte sie sich nicht von ihrem Partner trennen, da sie tiefe Gefühle für ihn hegte. Ihn hingegen zog es wieder zu seiner damaligen Ex-Freundin. Für gelegentliche sexuelle Abenteuer mit der 47-Jährigen sei er jedoch stets bereit gewesen. In den folgenden Monaten plätscherte die Beziehung so vor sich hin.
Im Juli ereignete sich dann der folgenschwere Ausraster. Sie hatte den Angeklagten zu sich gebeten, um grundsätzliche Fragen zu klären. Er interessierte sich aber eher für ihre Aktivitäten im Internet und den Posteingang ihres Handys. Es kam zum Streit. Die 47-Jährige forderte den Seesener Lkw-Fahrer auf, die Wohnung zu verlassen. Er ignorierte diese Aufforderung und wurde gewalttätig. Als sein Opfer bereits blutend auf der Couch lag und darum bat, dass er den Notruf verständige, händigte er ihr einen Kühlakku mit den Worten aus: „Halt das da drauf, das ist morgen schon wieder weg.“
Als es der stark lädierten Frau endlich gelang einen Notruf abzusetzen, machte sich der Angeklagte aus dem Staub. Sein Opfer erstattete Anzeige.
Doch auch nach dieser brutalen Tat konnte sie nicht von ihrem Schwarm ablassen. Sie wollte Antworten, wie sie vor Gericht aussagte. Er hingegen sei weiterhin nur auf rein sexuellen Kontakt ausgewesen. Auch eine einstweilige Verfügung änderte nichts daran, dass die beiden Kontakt hatten. Der Anwalt der 47-Jährigen erklärte dies mit dem „Stockholm-Syndrom“.
In seiner Urteilsbegründung führte Richter Rüger neben der Schwere der Tat vor allem die Uneinsichtigkeit und fortwährende Gewaltbereitschaft des Angeklagten ins Feld. „Eine positive Sozialprognose kann ich bei Ihnen nicht sehen. Sie wurden dieses Jahr bereits verurteilt und stehen unter Bewährung“, so Rüger.
Der Verurteilte wird in Berufung gehen. Jetzt muss das Landgericht entscheiden.