Nahrungsmangel, Kälte und Schnee

Die Zugvögel haben es in diesem Jahr nicht besonders leicht. Ihr Hormonhaushalt sagt ihnen, dass es Zeit ist in die Brutgebiete zu fliegen und eine Familie zu gründen. Das kalte Winterwetter meint es aber nicht gut mit den Reisenden.

Vogelzug Frühjahr 2013: Viele Vogelarten leiden bei ihrer Reise in die Brutgebiete unter dem strengen Winter

Derzeit ist es ein großartiges Naturschauspiel, die ansonsten fast heimlich in den Norden ziehenden Zugvögel im südniedersächsischen Bereich zu beobachten. Die Tiere haben es nicht leicht: Die länger werdenden Tage sagen dem Hormonhaushalt, dass es Zeit ist, in die Brutgebiete zu fliegen und mit der Familiengründung zu beginnen.
Der ungewöhnlich späte Kälteeinbruch, der zu Schnee, Schneeregen, Eis und Nebel führte, blieb nicht ohne Folgen für den Frühjahrzug. Aber nicht nur ziehende Kraniche, sondern auch Kiebitze, Drosseln, Lerchen und viele weitere Arten sind von der Kälte und dem Schnee betroffen.
Sie kommen nicht weiter, da ihre Nahrung im Norden unter Eis und Schnee verborgen ist. Manche Vogelzüge sind wieder Hunderte von Kilometern in den Süden, etwa bis nach Frankreich, zurückgeflogen, um es bei besserem Wetter erneut zu versuchen in den Norden zu kommen.
Viele Vögel aber warten jetzt noch in unseren Breiten, bis das Wetter sich für den Weiterflug bessert.
So stehen derzeit viele Zugvögel – besonders Kraniche und Kiebitze – hier auf den Feldern, auf denen sie kaum Nahrung finden. Viele Naturfreunde beobachten dieses Schauspiel. In den letzten Wochen ist es allerdings vielfach vorgekommen, dass Interessierte zu nah an die Rastflächen gelaufen sind.
Wesentlich problematischer ist, dass einige Landwirte die Vögel bewusst auf den Feldern vergrämen. Die durch das Auffliegen verbrauchte Energie müssen sich die Vögel zusätzlich auf den Nachbarfeldern holen, was die Situation nicht verbessert. Zudem schwächen diese Störungen und Beunruhigungen die Tiere zusätzlich, deren Energiereserven für den Weiterflug ohnehin schon arg reduziert sind.
Darum bittet der Naturschutzbund Deutschland (NABU) dringend darum, unnötiges Beunruhigen, Aufscheuchen oder Beeinträchtigen von Wildtieren zu unterlassen. Das Naturschutzgesetz verbietet ein derartiges Verhalten auf gesetzlicher Ebene.
So ist etwa der Kranich gemäß § 7 BNatSchG (Bundesnaturschutzgesetz) eine streng geschützte Art und im Anhang I der Vogelschutzrichtlinie gelistet. Zum Schutz des Kranichs ist nach dem BNatSchG sowohl das Betreten der Brutgebiete als auch das Aufsuchen der Nahrungs- und Sammelplätze verboten.
Man kann die Kraniche von Straßen und Feldwegen aus beobachten, ohne sie dabei zu stören. Jeder, der sich an diese Gebote hält, trägt zum Schutz der großen Vögel und all der anderen ziehenden Arten bei.