Nationalpark-Sprecher beleuchtet Geschichte

Der Oderteich ist ein beliebtes Ausflugsziel im Nationalpark Harz. (Foto: Hagen)

Dr. Friedhart Knolle referiert im Goslarer Salon über den Naturschutz im Harz

Sagenumwobene Bergwildnis – Der Nationalpark stellt sich vor. Eigentlich ein sattsam bekanntes Thema. Nun, Dr. Friedhart Knolle, seines Zeichens Pressesprecher der Nationalparkverwaltung, stellte das Thema aus seiner Sicht dar. Ein interessiertes Publikum hatte sich eingefunden, um damit einmal den Menschen kennenzulernen, der sich der Idee eines gemeinsamen Naturschutzes verschrieben hat.
So war zu erfahren, dass er als Clausthaler Student öfter in der DDR weilte und es eine Stasi-Akte über ihn gibt. Zu der Zeit habe er sich noch nicht träumen lassen, einmal Pressesprecher eines gesamtdeutschen Nationalparkes zu sein. Wichtig ist ihm ein fairer Ausgleich zwischen West und Ost und bezeichnet sich als „Wossi“.
Er stellt aber auch unbequeme Fragen. Knolle beleuchtete das Thema Nationalpark aus historischer Sicht. Im Harz gibt es Naturschutz seit ungefähr 700 Jahren. In J. Eike v. Repkows „Sachsenspiegel“ ist vom ausdrücklichen „Recht zum Schutz des Bannforstes“ die Rede, woran der Adel ein handfestes Interesse hatte.
Knolle spannte einen Bogen vom Harz bis in den heutigen Kongo, wo Wald zugunsten der Gewinnung von Bodenschätzen gerodet wird. Die Einrichtung von Nationalparken ist also auch immer eine Reaktion auf drohende Waldzerstörung.
Eine Chronolgie belegt alle Nationalpark-Förster bis zurück zum Förster Degen, der Goethe 1777 auf den Brocken führte. Allerdings auf einer etwas anderen Route als dem heutigen Goetheweg. 1897 gab es mit dem Yellostone-Nationalpark den ersten seiner Art, 1970 mit dem Bayerischen Wald den ersten in Deutschland. 2006 wurden der Nationalpark Hochharz und Nationalpark Harz zusammengelegt. Der Bocken spielte und spielt immer noch eine bedeutende Rolle. Hier erlegte man 1705 den letzten Bären und 1798 den letzten Wolf.
Jetzt gibt es auf dem Brocken das einzige Nationalpark-Haus, das in einem ehemaligen Horchposten untergebracht ist. Die Geschichte des Brockens ist auch Grenzgeschichte. Allein diese Aspekte würden einen Abend füllen. Mit beeindruckenden Bildern belegte Knolle die Verwandlung weg vom Forst hin zum ursprünglichen Mischwald. Doch auch am Nationalpark geht die Klimaveränderung nicht spurlos vorüber. In absehbarer Zeit wird die Waldgrenze am Brocken und damit die Schneefallgrenze ansteigen.
Eine Statistik belegte einen Temperaturanstieg von ehemals 1,8 Grad auf 4,2 Grad. Zwischendurch beantwortete Knolle Fragen aus dem Publikum. Es entspannen sich angeregte Gespräche. Am Beispiel des Nationalparkes demonstrierte Friedhart Knolle, dass Veränderungen mehr Zeit brauchen als nur eine Legislaturperiode. Die Nationalparkverwaltung hat die Aufgabe der Naturbildung und dient der Erholung des Menschen. Schon Hermann Löns hat sich weiland für einen Naturpark Harz stark gemacht. Die Gäste dankten Knolle für seinen engagierten Vortrag mit viel Applaus.