Neue Ausstellung präsentiert Harzhorn-Schlacht

Mit dem Besen gegen die Römer? Derweil am Landesmuseum bereits ein Mega-Banner für die Landesausstellung wirbt, werden Ministerin und Museumsdirektorin aktiv. Die Wand ist eingekleistert und nun muss das letzte Teilstück des Riesen-Plakats „draufgefegt“ werden. Heike Pöppelmann und Johanna Wanka (rechts) legen los.

Vom 1. September 2013 bis zum 19. Januar 2014 im Landesmuseum in Braunschweig

Die Römer kommen! Sie kommen zurück – nach 1800 Jahren, als seinerzeit römische Legionäre im heutigen Südniedersachsen auf Krieger germanischer Verbände trafen. Die Römer kommen: In der Niedersächsischen Landesausstellung „Roms vergessener Feldzug. Die Schlacht am Harzhorn“ wird ab September 2013 mit voller Macht und Pracht die Geschichte der Schlacht auf dem Höhenzug Harzhorn-Vogelberg dargestellt.
Das Braunschweigische Landesmuseum präsentiert vom 1. September 2013 bis zum 19. Januar 2014 eine Landesausstellung zur Schlacht am Harzhorn, mit Funden und Befunden, aktuellen Forschungsergebnissen.
„Wir wissen nicht, was sich die Germanen zuraunten, als die Römer durch die Norddeutsche Tiefebene zogen. Wir wissen aber, dass sich Germanen aus verschiedenen Regionen den Römern entgegenstellten“, so am Montag Dr. Heike Pöppelmann, Direktorin des Braunschweigischen Landesmuseums, die das Harzhorn als „den am besten untersuchten Kampfplatz eines offenen Gefechts aus der Antike“ bezeichnet.
Das Braunschweigische Landesmuseum ist vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur beauftragt, das Landesausstellungsprojekt zu konzipieren und durchzuführen. Und es war Ministerin Professor Dr. Johanna Wanka, die betonte: „Ich freue mich auf das großartige Projekt, auf die Präsentation des Jahrhundertfundes in der Landesausstellung. Wir können stolz sein auf die Funde vom Harzhorn.“
Roms vergessener Feldzug. Die Schlacht am Harzhorn: Für die Ministerin „ein Thema mit großer Bedeutung für unser Land Niedersachen und darüber hinaus. Geschichte kann neu geschrieben werden.“ Das Land hat über 800.000 Euro für die Landesausstellung bewilligt, davon sind 100.000 Euro für den Landkreis Northeim bestimmt, für Maßnahmen vor Ort am Harzhorn.
Neben dem Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur ist mit 400.000 Euro die Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz Hauptförderer des Landesausstellungsprojektes.
„Wir unterstützen dieses Projekt in der geschichtsträchtigen Region zwischen Harz und Heide, Weserbergland und Magdeburger Börde, denn so große Ausstellungen können aus den öffentlichen Haushalten nicht mehr finanziert werden“, betonte Tobias Henkel, Direktor des Stiftungsrates, am Montag in der Auftakt-Pressekonferenz zur Landesausstellung.
Weitere Förderer und Partner des Projektes sind die Stiftung Niedersachsen, die Kultur-Stiftung der Länder, Stadtmarketing Braunschweig und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt.
In der Landesausstellung werden erstmals die Original-Fundstücke vom Schlachtfeld Harzhorn und eines weiteren Gefechtsortes in der Nähe des Bergsporns öffentlich präsentiert. Über 2500 Funde/Fragmente sind seit Spätsommer 2008 vor allem durch die Prospektion des Geländes (Begehung mit Metalldetektoren) an das Tageslicht gekommen. Komplettiert wird die Landesausstellung durch Leihgaben europäischer Museen. „Viele Museen im In- und Ausland haben ihr Unterstützung signalisiert. Der Name Harzhorn öffnet Türen“, so Dr. Heike Pöppelmann. 60 Leihgaben aus acht Ländern werden in Braunschweig erwartet.
Nicht nur das Kampfgeschehen 235 n. Chr. am Harzhorn wird im Landesmuseum Braunschweig Thema sein. Die römisch-germanische Geschichte von 9 n. Chr. (Varus-Schlacht im Teutoburger Wald)  bis zum Ende der Regentschaft römischer Soldatenkaiser wird beleuchtet. Einen besonderen Platz werden Kaiser Alexander Severus und seine Mutter Julia Mamaea (letzte Vertreter der Dynastie der Serverer) und der erste Soldatenkaiser Maximinus Thrax, einnehmen. Thrax, der Nachfolger des von Legionären ermordeten Severus Alexander, war es, der mit seinen Legionären weit über Rhein und Limes hinaus nach Germanien zog. Aus den Kapitolinischen Museen in Rom wird eine zeitgenössische Büste des Maximinus Thrax nach Braunschweig reisen.
Die Landesausstellung soll die Besucher in ihren Bann ziehen. In Zusammenarbeit mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt wird auf der Basis von Airborne-Daten ein 3-D-Modell des Harzhorn-Höhenzuges erstellt, auf dem per Projektion das Schlachtgeschehen lebendig wird. „Am Modell wird, wie auch an In­szenierungen an anderen Stellen der Ausstellung, erkennbar, dass es sich um Krieg und Gewalt zwischen zwei hochgerüs­teten Armeen gehandelt hat. Die Germanen waren nicht weniger professionell unterwegs als die Römer. Mit dem Vorurteil der keulenschwingenden Laien auf germanischer Seite wollen wir ein für alle Mal aufräumen“, sagte Pöppelmann.