Nicht am Flüchtlingselend vorbeisehen

Bischof Norbert Trelle hebt in Weihnachtspredigt Hilfsbereitschaft in den Gemeinden hervor

Weihnachten öffnet den Blick für den, der als Fremder zu uns kommt. Das sagte Bischof Norbert Trelle in seiner Predigt während des Gottesdienstes der Christnacht im Hildesheimer Dom. Er hob die große Hilfsbereitschaft für Flüchtlinge und Asylsuchende hervor, die es in den Gemeinden des Bistums und darüber hinaus gebe. Die Anti-Islam-Bewegung Pegida dagegen kritisierte Trelle mit deutlichen Worten.

"Die Menschen spüren, dass man als Christ nicht Weihnachten feiern kann, indem man das Flüchtlingskind von Bethlehem mit frommen Liedern besingt und zugleich an dem unsagbaren Elend der vielen Kinder, die mit ihren Müttern und Vätern aus Syrien und dem Irak oder anderen Ländern fliehen mussten, vorbeisieht", so der Bischof. Uns alle erfülle in diesen Tagen großes Mitgefühl für das Schicksal jener Menschen, die als Flüchtlinge auf der Suche nach einer Bleibe und einem Platz seien, wo man sie aufnimmt.

Dass sich an vielen Orten Gruppen zusammenfänden, die Flüchtlinge im Alltagsleben begleiten und in der Abwicklung ihres Verfahrens beraten, sei ein ermutigendes Zeichen menschlicher Zusammengehörigkeit, sagte Trelle. Hinzu komme die qualifizierte Beratung durch die Migrationsdienste von Caritas und Diakonie in den beiden Kirchen.

Mit Blick auf die Pegida-Demonstranten sagte Trelle: "Mit Beschämung erleben wir in diesen Wochen, dass sich in deutschen Städten Woche für Woche Tausende von Menschen versammeln, die behaupten, das christliche Abendland retten zu wollen, indem sie Flüchtlinge und Asylbewerber, Fremde und Angehörige anderer Religionen, vor allem Muslime, als Gefährdungspotential für die Identität und das Zusammengehörigkeitsgefühl der Deutschen bezeichnen."

Es sei eine bizarre Konstellation, betonte der Bischof, wenn Menschen, die mit überwiegender Mehrheit keiner christlichen Kirche oder Gemeinschaft mehr angehörten, sich aufschwängen, das christliche Abendland zu retten. "Wenn es ein solches denn noch gibt, wird es nicht durch die gerettet, die ihren christlichen Glauben verleugnen, indem sie üble, menschenverachtende und unchristliche Parolen sich zu eigen machen, sondern durch jene, die sich an die Seite der Armen stellen, woher immer sie kommen mögen, so, wie es die großen Heiligen des Abendlandes, Heilige der Nächstenliebe, getan haben: Martin von Tours, Elisabeth von Thüringen, Franz von Assisi, Vinzenz von Paul und Mutter Teresa."