„Nimm mir nicht das Gedächtnis!“

Die Reise nach Buenos Aires – Monika Lennartz brilliert und beeindruckt im Kirchenzentrum

Es ist eine gepflegte ältere Dame, die da so verloren steht: Trenchcoat, Seidentuch, dunkle Mütze. Neben ihr befinden sich ein kleiner Leder- und ein großer Alukoffer. Es scheint, als will die Dame wegfahren. Aber warum schimpft sie dann lautstark über eine verschlossene Kirchentür?

Und wohin möchte sie fahren? Nach Buenos Aires oder nach Słomka? Warum vermisst sie aufgeregt ihr Portemonnaie? Und warum sucht sie ihre Brille, die sie doch gerade in die Handtasche gesteckt hat? „Mein Gott“, fleht sie später, „nimm mir nicht mein Gedächtnis!“ Allerdings ist das fast schon passiert, wie die zahlreichen Zuschauer des Theaterstückes mal mehr, mal weniger deutlich merken. Momente krassen Gedächtnisverlusts wechseln immer wieder mit Momenten erstaunlichen Scharfblicks.
„Die Reise nach Buenos Aires“ ist das Porträt einer Frau gezeichnet, bei der sich die Krankheit Alzheimer ausbreitet. Gespielt wird das von Monika Lennartz, die sage und schreibe 44 Jahre lang am Maxim Gorki Theater engagiert war und seit 2007 frei arbeitet. Am Schluss sucht Walerka ihr Gebiss und behauptet, man habe es ihr gestohlen. Sie bringt die Namen ihrer Kinder durcheinander. Sie will niemandem zur Last fallen und denkt an Selbstmord. „Mama, wo bist du?“, fragt sie, als wäre sie selbst wieder ein Kind, verloren in der Dunkelheit.
Die Schauspielerin Monika Lennartz wurde 1938 in Stettin geboren, wuchs in Thüringen auf und studierte von 1956 bis 1959 an der Filmhochschule Babelsberg. Ab 1962 spielte sie am Maxim-Gorki-Theater in Berlin, wo sie 44 Jahre lang engagiert war.

Christiane Berndt: „Emotionen sehr gut nach außen transportiert“

Der Paritätische Seesen hatte am Mittwochabend unter der Schirmherrschaft des Lions-Clubs Seesen-Osterode, Roswitha von Gandersheim sowie die Alzheimer-Gesellschaft Braunschweig zu diesem besonderen Theaterabend eingeladen. Christiane Berndt, die einleitende Worte sprach, bedankte sich bei der evangelischen Kirchengemeinde für die zur Verfügung gestellten Räumlichkeiten. Angesprochen auf das Theaterstück sprach Christiane Berndt davon, dass es Monika Lennartz sehr gut verstanden habe, die Emotionen nach außen zu transportieren. Als Hausherr hatte auch Pfarrer Thomas Weißer die rund 80 Gäste willkommmen geheißen. Nachdenklich und berührt verließen die Besucher nach der Veranstaltung das Kirchenzentrum.