Öko-Strom aus alten Bergwerksstollen des Oberharzer Bergbaus

Bürgermeister Hubert Jahns eröffnet die Veranstaltung und begrüßt die Gäste. Im Plenum Hubert Spaniol, Projektleiter der Klimaschutzinitiative und gleichzeitig Bürgermeister der Gemeinde Liebenburg und Projekt-Koordinator des Energie-Forschungszentrums Niedersachsen Marko Schmidt. (v.l.)
 
In seinem Power-Point-Vortrag präsentiert Dipl.-Wirtsch.-Ing. Marko Schmidt das Projekt „Pumpspeicher unter Tage“.

Info-Veranstaltung zur Windenergiespeicherung in stillgelegten Bergwerken schlecht besucht

Auf nur geringes Interesse stieß die Informationsveranstaltung der Stadt Seesen zum Projekt des Energie-Forschungszentrums Niedersachsen am vergangenen Mittwochabend im Bürgersaal der Stadt Seesen.

Von Antonio Mateo

Nur knapp 20 Seesener Bürgerinnen und Bürger folgten der Einladung ins Bürgerhaus. Dabei ging es um ein Thema, welches die Zukunft – des seit Jahren im andauernden wirtschaftlichen Abwärtstrend befindlichen Westharzes – nachhaltig verändern könnte. Die Rede ist von dem weltweit ersten unterirdischen Pumpspeicherkraftwerk im ehemaligen Berkwerksstollen „Wiemannsbuchtschacht“ bei Bad Grund. Wie bereits im „Beobachter“ berichtet, könnten die stillgelegten Bergwerksstollen im Harz in den nächsten zehn Jahren wieder an wirtschaftlicher Bedeutung für den Westharz zulegen. Grund dafür sind Planungen, in den alten Ruinen Pumpspeicherwerke zu errichten, um Energie aus Windkraft- und Solaranlagen unterirdisch zu speichern. Das Pilotprojekt soll in Bad Grund für rund 170 Millionen Euro entstehen. „Wir wollen erneuerbare Energien hier vorantreiben!“, erklärt Bürgermeister Hubert Jahns in seiner Begrüßung. „Die heutige Veranstaltung soll uns die entsprechenden Informationen liefern“, fuhr Jahns fort. Diese ließen auch nicht lange auf sich warten. In seiner Power-Point-Präsentation erläuterte der Projekt-Koordinator des Energie-Forschungszentrums Niedersachsen, Dipl.-Wirtsch.-Ing. Marko Schmidt, alles zum Thema „Pumpspeicher unter Tage“. Doch wie funktioniert ein Pumpspeicherkraftwerk? Produzieren Windkraft- und Solaranlagen ausreichend Strom, wird dieser dafür eingesetzt, mit einem Pumpspeicherkraftwerk Wasser in ein unterirdisches Sammelbecken zu pumpen. Entsteht durch eine geringere Stromgewinnung bei dichten Wolken oder Windstille eine Versorgungslücke, kann diese durch Ablassen des Wassers mit hoher Geschwindigkeit über Turbinen und Generatoren geschlossen werden. Die Geschwindigkeit wird über eine Fallhöhe aus gut 700 Metern unterirdisch erzielt. Ein weiterer Vorteil: Im Gegensatz zu möglichen oberirdischen Stromspeichern gebe es so gut wie keine störenden Eingriffe in die Harz-Landschaft.

Windkraft im Vorharz

Neben der Moderation bezog Hubert Spaniol in seinem 20-minütigen Vortrag, als Projektleiter der Klimaschutzinitiative und gleichzeitig Bürgermeister der Gemeinde Liebenburg, Stellung zum Thema „Windkraft im Vorharz“. Dabei lag die Konzentration nicht nur auf enorme regionale Wertschöpfung beim Betrieb von Windenergieanlagen, sondern auch in der Erläuterung der wichtigsten Ziele. Diese wären, dass kein großer Zusammenhängender Windpark entstehen darf. Selbstverständlich sei der Bau von Windenergieanlagen ein Eingriff in das Landschaftsbild, ein Ausgleich nach dem Naturschutzgesetz wäre daher erforderlich. Eine Errichtung soll nur an Standorten vollzogen werden, die den geringsten Eingriff in das Landschaftsbild mit sich führen würden und eine optimale Einspeisung an das vorhandene Netz ermöglichen. Der Betrieb von 33 „3-MW-Windenergieanlagen“ reduziere zudem den Ausstoß an CO2 um ca. 100.000 Tonnen jährlich. Auch eine finanzielle Beteiligung der Einwohnerschaft an Windenergieanlagen und somit Teilhabe am Ertrag müssen gewährleistet werden. Diese ist laut Spaniol zum Beispiel durch die Gründung von Energiegenossenschaften möglich. Die Kapitalverzinsung läge bei derartigen Genossenschaften in der Regel zwischen 6 bis 8 Prozent. Wenn 1.000 Einwohner /-innen je 1.000 Euro in eine Energiegenossenschaft einbrächten, wäre die Eigenkapitalquote ausreichend, um zum Beispiel die Restfinanzierung zum Bau einer großen Windenergieanlage zu sichern und die Anlage mit Gewinn betreiben zu können! Der Abend gestaltete sich keineswegs als Monolog der Vortragenden. Für die „Resolution im Landkreis Goslar reiste Stephan Manke (Landrat Landkreis Goslar) nach Seesen.

Immer wieder konnten die Gäste ihre Fragen stellen, darunter durchaus kritische Fragen, unter anderem zur Haltung der Harz Wasserwerke zum Projekt, Gesamtkosten und Amortisation der Investition sowie zur Anzahl der zu errichtenden Windkraftanlagen im Harz. Das entwickelte Geschäftsmodell wird circa 40 bis 50 Jahre für eine Amortisation benötigen. Auch wird die Harz Energie die Gesamtinvestitionskosten von rund 170 Millionen Euro nicht allein bewältigen können, das stehe bereits fest. Es werde wohl darauf hinauslaufen, dass drei große Energiekonzerne, Fördermittel und „Finanzstarke Risikofonds“ eine größere Rolle spielen werden. „Die Harz Energie wird aber auf jeden Fall dabei sein“, so Schmidt. „Zudem müssen wir langfristig mit ca. 60 Windkrafträdern im Westharz rechnen, wenn wir den Strom nicht in den Harz beziehen möchten, sondern uns selbst versorgen wollen.

Experten beantworten Fragen

Marko Schmidt, Prof. Dr.-Ing. Hans-Peter Beck (Vorsitzender des Vorstandes efzn), Hubert Spaniol, Stephan Manke (Landrat Landkreis Goslar) und Hubert Jahns stellten sich anschließend im Plenum im Rahmen der öffentlichen Diskussion weiteren Fragen. Eine weitere Infoveranstaltung mit dem Titel „Windenergiespeicherung durch Nachnutzung stillgelegter Berkwerke“ findet am Dienstag, 24. Mai, in Bad Grund, statt. Wieder eine Gelegenheit, sich mit dieser Thematik auseinanderzusetzen. „Es ist schade, dass nur so wenig Interessierte den Weg zu uns gefunden haben“, bedauert Hubert Jahns die geringe Teilnahme an der Veranstaltung gegenüber dem „Beobachter“.