Orgelstudienfahrt führte nach Niederösterreich

Ansicht der herrlichen Orgel von St. Florian.
 
Claudia Schaare dirigiert die Schola bei Orgelkonzert im Stift Klosterneuburg bei Wien.

Historische Instrumente eines Zeitraumes über 230 Jahre besucht

Seit nunmehr mehr als 30 Jahre machen sich alljährlich Menschen aus dem Raum Seesen, dem Raum Ostwestfalen und mittlerweile auch aus dem benachbarten Ausland zu einer gemeinschaftlichen Fahrt auf den Weg, weil sie eines gemeinsam haben: die Liebe zur Musik auf der „Königin der Instrumente“ – der Orgel.
Unter der organisatorischen Leitung der engagierten Kirchenmusikerin und Musikpädagogin Claudia Schaare aus Seesen-Rhüden und der musikalischen Leitung des Musikdozenten Christoph Grohmann aus Rheda-Wiedenbrück ging die Studienreise in diesem Jahr erneut nach Österreich. War ursprünglich angedacht, eine Fahrt nur in die Wachau zu unternehmen, ergab sich bereits in der Planungsphase doch sehr schnell die Notwendigkeit, das Zielgebiet auch auf die Region Niederösterreich zu erweitern. Doch auch damit war nicht das gesamte Gebiet abgesteckt, in dem sich bewegt werden sollte. Letztendlich wollte man ja auch nicht auf einige Instrumente in und um Wien verzichten.

Obwohl die immerhin zum Kulturerbe erklärte Landschaft der Wachau zwischen Stift Melk und Krems eine Fülle schöner Orte und Orgeln birgt, war es den Veranstaltern doch ein Anliegen, den Rahmen für die Studien weiter zu stecken. Denn die wunderbaren Gebäude und Kirchen von St. Florian im Westen, die Stifte Zwettl und Altenburg im gebirgigen Norden und die Landeshauptstadt Wien mit Klosterneuburg und dem Stift Heiligenkreuz im Süden sollten ebenso vorgestellt werden wie die Wachau bei einer Fahrt mit einem Schiff der Donau-Dampfschifffahrts-Gesellschaft von der Donau aus, sowie den Heurigen in Baden. Doch allem voran: viele beeindruckende Orgeln.
Die im Laufe der Reise besuchten historischen Instrumente stammen aus der Zeit zwischen 1642 (Klosterneuburg) und 1878 (Votiv-Kirche in Wien), also einem Zeitraum von rund 230 Jahren. Die Instrumente und die darauf gespielte Literatur entstanden und veränderten sich in einer für die Landschaft typischen Weise.
Da es sich im Wesentlichen um eine katholische Umgebung handelt, ist die Entwicklung unter dem Gesichtspunkt zu sehen, dass es weder die Praxis des evangelischen Chorals und damit verbunden des kunstvollen Choralvorspiels, noch größere freie Orgelwerke gab. In dieser Woche, in der den Fahrtteilnehmern die schönsten Kirchen und Orgelprospekte begegneten, waren es zahlreiche Instrumente des 17. und vor allem 18. Jahrhunderts, an denen Christoph Grohmann musikalisch und technisch brillant vielfältige unterschiedliche Manual- und Pedalklaviaturen spielte und ganz besonders zahlreiche alpenländische Literatur für Orgeln beziehungsweise Tasteninstrumente ausgesucht hatte.
Claudia Schaare und Christoph Grohmann ist es auch bei dieser Orgelstudienfahrt wieder gelungen, mit den ausgesuchten Orgeln in etwa den Reichtum des besuchten Gebietes zu demonstrieren und andererseits auch den Reiseteilnehmern genügend Freizeit zu lassen, die zum Verarbeiten und „Sackenlassen“ der vielen schönen Eindrücke nun einmal unverzichtbar ist.
Denn es gehört jetzt schon traditionell zum guten Ton der von ihnen organisierten Studienfahrten, auch Gelegenheit zu nehmen, das Landestypische der jeweiligen Region (wie hier beispielsweise den vorzüglichen Wein oder die „Mehlspeisen“) kennenzulernen. Bei der Fülle der Angebote einer jeden Orgelstudienreise bleibt für die Planung stets die Maxime, dass „Erleben“ und „Wirkenlassen“ sich die Waage halten.
Dass auch dieses Reise für alle Teilnehmer wieder zu einem vollen Genuss wurde, liegt zweifelsohne daran, dass mit Claudia Schaare als Organisatorin, Christoph Grohmann als musikalischen Leiter, seiner Frau Gertrud als Registrantin und letztendlich Detlef Schaare als versierten Busfahrer vom Busunternehmen Bandura aus Seesen-Rhüden ein wirklich eingespieltes Quartett für die Durchführung verantwortlich zeichnet. Außerdem spielte auch Petrus eine entscheidende Rolle mit, denn er sorgte während der ganzen Zeit für herrliches Wetter mit teilweise hochsommerlichen Temperaturen.
Mitfahren bei diesen Orgelstudienfahrten kann übrigens jeder, der Interesse an Orgeln oder Orgelmusik hat; besondere Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.
Die nächste Orgelstudienreise wird turnusmäßig wieder eine Inlandreise sein. Und zwar ist als Zielgebiet der Raum Hamburg mit dem „Alten Land“ vorgesehen. Näheres dazu wird zu gegebener Zeit berichtet.