Pärchen lernt sich in der Drogenszene kennen

Gericht erkennt auf minderschweren Fall: Langelsheimer zu Bewährungsstrafe verurteilt

Seesen (hz). Während der Hauptverhandlung mit dem 26-jährigen Schweißer aus Langelsheim, der in der vergangenen Woche vor dem Seesener Amtsgericht stand, machte der Vorsitzende Richter Frank Rüger eines ganz deutlich: An diesem Tag sollte es darum gehen, ob der junge Mann ins Gefängnis geht, oder nicht. Angeklagt und verurteilt wurde der Langelsheimer wegen der unerlaubten Abgabe von Betäubungsmitteln als Person über 21 Jahre an eine Person unter 18 Jahre in 200 Fällen. Der Angeklagte kam schlussendlich mit einer zweijährigen Freiheitsstrafe auf Bewährung davon, weil das Gericht auf einen minderschweren Fall erkannte.
Auf einer Party in der Wolfshagener Drogenszene lernte der Schweißer seine spätere Freundin kennen. Sie war damals 15 Jahre alt – er 25. Während ihrer neunmonatigen Beziehung konsumierten die beiden täglich gemeinsam Marihuana. Die Drogen kaufte der Angeklagte und verlangte von seiner damaligen Freundin kein Geld.
Weil die inzwischen 16-Jährige bereits vor der Beziehung mit dem Langelsheimer regelmäßig Drogen konsumierte, konnte der Angeklagte vor Gericht entlastet werden. Er hatte die Minderjährige nicht zum Konsum verführt. Die 16-Jährige sagte in der vergangenen Woche als Zeugin aus und konfrontierte Richter Frank Rüger mit erschreckenden Aussagen. Sie selber habe bereits mit 12 Jahren angefangen, Drogen zu nehmen. Grund seien psychische Störungen, die sich bei der Minderjährigen unter anderem in Selbstverstümmelung äußern. Auch einen Aufenthalt in einer Kinder- und Jugendklinik hat die 16-Jährige bereits hinter sich. Außerdem, so die Zeugin, habe sie einige Zeit in Wolfshagen verkehrt – hier würden fast 70 Prozent der Jugendlichen regelmäßig Drogen nehmen.
Sowohl der Angeklagte, als auch seine ehemalige Freundin sind mittlerweile clean. Vollumfänglich räumte der Langelsheimer die Anklagevorwürfe ein, regelmäßig gibt er Urinproben ab und besucht Drogenberatungsgespräche. Mit seiner neuen Freundin befindet sich der 26-Jährige in einem stabilen Umfeld und hat berufliche Perspektiven: Demnächst, so sagt er, will er die Meisterschule besuchen.
Verurteilt wurde der Angeklagte im minderschweren Fall zu einer Bewährungsstrafe, die auf drei Jahre ausgesetzt wurde. Weiterhin hat er 1000 Euro an die Seesener Brücke zu zahlen.