Parkhaus Seesen ein Sanierungsfall?

Von den 378 Parkplätzen, die das Parkhaus Seesen bietet, sind derzeit nur noch rund 180 nutzbar. Die Ebenen zwei bis sechs sind gesperrt. Ein Zustand an den sich die Autofahrer in den nächsten Monaten wohl gewöhnen werden müssen.

Bis auf Weiteres bleiben die Ebenen zwei bis sechs geschlossen / Rost in der Konstruktion und Risse im Asphalt

Die Ebenen zwei bis sechs im Parkhaus Seesen in der Bahnhofstraße bleiben weiterhin gesperrt. Damit stehen in der Seesener Innenstadt rund 200 Parkplätze nicht mehr zur Verfügung. Das teilte gestern Markthaus-Center-Manager Heinz-Dieter Trager mit.

Gemeinsam mit Bürgermeister Erik Homann will er darauf drängen, dass eine offenkundig notwendige Sanierung des Parkhauses schnellstmöglich auf den Weg gebracht wird. Die Befürchtungen haben sich somit bestätigt – das Parkhaus ist höchstwahrscheinlich ein Sanierungsfall, rund 1,6 Millionen dürfte nach vorsichtigen Schätzungen eine bevorstehende Sanierung kosten. Das erst im Jahr 2000 erbaute Parkhaus ist derzeit in den oberen Ebenen vollgesperrt.
Zur Vorgeschichte: Im Sommer des vergangenen Jahres waren wiederholt Beschwerden aufgekommen, dass sich durch Wassertropfen, die von den Decken im Parkhaus herunterfielen, Rostflecken auf den Autos gebildet hätten. Wie sich herausstellte, lag die Ursache in den Blechverkleidungen der Parkhauskonstruktion. Diese waren in der Tat verrostet.
Um Abhilfe zu schaffen, wurden von verschiedenen Malergeschäften Angebote eingeholt, um das Problem zu lösen. Die Sanierungskosten sollten sich auf rund 36.000 Euro belaufen, und die Arbeiten in dieem Jahr durchgeführt werden.
Bei den sich anschließenden Vergabevorbereitungen wurde allerdings festgestellt, dass nicht allein die Blechverkleidungen verrostet waren. Es kam viel schlimmer: Fachleute hatten festgestellt, dass die Bleche mit zur tragenden Konstruktion gehören, zusätzliche Probebohrungen hatten ergeben, dass durch Risse in den Fahrdecken Wasser eingedrungen war. Dieses Salzwasser hatte die Blechkonstruktion in all den Jahren fortwährend rosten lassen und auch das Bewehrungssystem angegriffen. Ein Schaden, der ganz andere Dimensionen mit sich trägt als zunächst gedacht.
Anhand der Statik soll nun weiter geprüft werden, wie tief die Durchrostungen vorgedrungen sind. Klar ist erstmal nur, dass die Ebenen zwei bis sechs aus Sicherheitsgründen komplett gesperrt bleiben. Wie Heinz-Dieter Trager in einem gemeinsamen Gespräch mit Bürgermeister Erik Homann erklärte, soll im Rahmen einer weiteren Überprüfung geklärt werden, ob eine Sanierung unumgänglich ist.
Eigentümer des Parkhauses wie auch des Markthauses ist die Vaspro B.V. aus Hertogenbosch in den Niederlanden. „Für den Fall der Fälle, wurde von oberster Stelle bereits eine Sanierung zugesagt“, erklärte Heinz-Dieter Trager. Er, wie auch die Stadtverwaltung hoffen, dass diese – sofern tatsächlich notwendig – schnellstmöglich durchgeführt wird.
Fakt ist und bleibt, dass im Herzen der City derzeit 200 Parkplätze fehlen. Die Parkplätze in den höher gelegenen Ebenen wurden größtenteils von berufstätigen Dauerparkern genutzt, diese müssen nun ausweichen. Dadurch ergibt sich eine Kettenreaktion.
Parkplätze, die für Kunden des Markthaues zur Verfügung standen, sind nun nicht mehr frei und so weiter. Spürbar ist das bereits in den vergangenen Wochen seit der Schließung geworden. Um die Parksituation in der Innenstadt zu entschärfen, hatte die Stadt Seesen kurzfristig die bislang mit einem Parkscheinautomaten bewirtschafteten Parkplätze am Bahnhofsvorplatz für Dauerparker freigegeben. Seither kann dort ohne Parkzeitbeschränkung geparkt werden.
„Leider“, so Heinz-Dieter Trager, „nutzen viele Dauerparker jetzt die Kundenparkplätze für Kurzzeitparker der freien Ebenen eins und null. Das ist ein echtes Ärgernis.“ Trager bittet eindringlich darum, dass Dauerparker das Parkhaus künftig nicht mehr nutzen sollen. In diesem Bereich sollen verstärkt Kontrollen durchgeführt werden.
Das eigentliche Problem ist damit aber längst nicht aus der Welt geschaffen. Derzeit ist noch keine Lösung in Sicht, wie und wann eine Sanierung aussehen und anstehen könnte. Die Stadt Seesen, so erklärte Bürgermeister Homann, hat einen Nutzungsanspruch für die Parkplätze auf den Ebenen drei und vier. Diesen Anspruch wolle man auch geltend machen, so der Verwaltungschef. Die für das Gebäude zuständige Verwaltungsgesellschaft, die CR Investment Management GmbH mit Sitz in Hamburg. Deren Sprecher Reiner Leuchs war trotz mehrmaliger Versuche gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Die Seesener Autofahrer müssen sich in den nächsten Monaten wohl gedulden, so schnell wird das Parkhaus-Problem sicherlich nicht aus der Welt zu schaffen sein.