Partnerschaft mit polnischer Schule begründet

Von links: Hans-Werner Ohlsen, Barbara Zakrzewska, Bernward Steinkraus: Partnerschaft besiegelt.
 
Die Schule und das angegliederte Internat sind in einem Schloss untergebracht.

Delegation der Lebenshilfe Bad Gandersheim-Seesen in Kozmin – Feierstunde mit Vertragsunterzeichnung

„Diese Partnerschaft soll hauptsächlich dazu dienen, gegenseitige Erfahrungen auszutauschen sowie Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen durch gegenseitige Besuche die Möglichkeit eröffnen, freundschaftliche Beziehungen zum Nachbarland zu knüpfen, zu erleben und zu vertiefen“. So lautet die Kernaussage in der Partnerschaftsurkunde, die im Rahmen einer Feierstunde von den Repräsentanten der Lebenshilfe Bad Gandersheim-Seesen und denen der „Specjalny Osrodek Szkolno Wychowawczy“, einer Schule mit angegliedertem Internat im polnischen Borzeciczki, unterzeichnet wurde.

Seesen (poe). „Es liegt nunmehr an uns die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass diese Partnerschaft mit Leben erfüllt wird“, unterstrichen der 1. Vorsitzende der Lebenshilfe Bad Gandersheim-Seesen, Hans-Werner Ohlsen, und die Direktorin der polnischen Schule, Barbara Zakrzewska, im Anschluss an den kleinen Festakt.
Anfang August vergangenen Jahres konnte die „Lebenshilfe“ eine Delegation der „Specjalny Osrodek Szkolno Wychowawczy“ unter der Leitung von Barbara Zakrzewska in Seesen willkommen heißen. Im Mittelpunkt des mehrtägigen Aufenthalts stand neben dem gegenseitigen Kennenlernen ein intensiver Erfahrungsaustausch sowie die Besichtigung verschiedener Einrichtungen unter anderem auch der „Lebenshilfe“.

Vor acht Monaten erste Weichen gestellt

In der renommierten „Specjalny Osrodek Szkolno Wychowawczy“ werden derzeit rund 120 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, darunter 90 Internatsschüler, mit geistigen Behinderungen im Alter von zehn bis 24 Jahren betreut, unterrichtet und auf einen neuen Lebensabschnitt vorbereitet – eine Aufgabe, die in Seesen von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Kurparkschule wahrgenommen wird. Deren Zielsetzung deckt sich mit der der polnischen Schule zumindest im Grundsatz.
„Wir wollen uns gegenseitig kennenlernen; wir wollen hautnah erleben, wie hier in Deutschland pädagogisch, didaktisch, methodisch und logistisch mit behinderten Kindern und Jugendlichen gearbeitet wird, und wir wollen in diesem Zusammenhang auch die Möglichkeiten einer Kooperation zwischen beiden Schulen ausloten“, so umriss Barbara Zakrzewska seinerzeit die erklärte Zielsetzung, die mit diesem Treffen verfolgt worden war. Und ergänzend hatte sie hinzugefügt: „Wir würden uns freuen, wenn es zu einer solchen Kooperation kommen könnte; zu einer Kooperation, die dann natürlich in erster Linie durch einen intensiven Schüleraustausch mit Leben erfüllt werden müsste.“
Gut acht Monate später ist dieser schon damals von beiden Seiten formulierte Wunsch nach einer Kooperation Realität geworden; er mündete gar in eine Partnerschaft ein.
Gestützt auf das positive Votum des Vorstandes machte sich eine neunköpfige Delegation aus Seesen mit dem 1. Vorsitzenden der Lebenshilfe, Hans-Werner Ohlsen, sowie Geschäftsführer Bernward Steinkraus an der Spitze auf den Weg in die rund 650 Kilometer entfernte polnischen Stadt Kozmin Wielkopolski. Hier, im Kozminer Stadtteil Borzeciczki, sind die Schule und das angegliederte Internat in einem Schloss untergebracht. Und eben dort wurden die Gäste aus dem Vorharz herzlich begrüßt.

Gespräche standen im Mittelpunkt

Natürlich nahmen die Mitglieder der Seesener Delegation die Gelegenheit wahr, sich während ihres viertägigen Aufenthaltes aus erster Hand über den Schulalltag und die pädagogisch-didaktische Arbeit mit den Schülerinnen und Schülern zu informieren. Es stand aber auch ein Besuch der Werkstatt für Behinderte in Kozmin auf dem Programm. In der Einrichtung sind gegenwärtig 28 Mitarbeiter beschäftigt. „Aus finanziellen Gründen“, so ließ der Bürgermeister der rund 13.500 Einwohner zählenden Stadt, Maciej Bratborski, seine deutschen Gäste später wissen, „sind wir leider nicht in der Lage, mehr Plätze zu genehmigen“. Und das angesichts einer Warteliste von derzeit 60 behinderten Erwachsenen.
Ob im Gespräch mit Bürgermeister Maciej Bratborski oder dem Stellvertretenden Landrat des Powiat Krotoszynski in der Kreisstadt Krotoszyn, Krzysztof Kaczmarek; ob im Gespräch mit den Lehrern der Schule oder mit Direktorin Barbara Zakrzewska – wenn auch nicht ausschließlich, so ging es aber immer wieder vor allem um die Situation behinderter Menschen in den beiden Ländern sowie um die sich bietenden Möglichkeiten, deren Teilhabe am gesellschaftlichen Leben bei größtmöglicher Selbstbestimmung und Selbständigkeit sicherzustellen. In diesen in einer offenen und angenehmen Atmosphäre geführten Gesprächen wurde deutlich, dass es bei der schrittweisen Realisierung dieses Zieles „trotz zahlreicher Unterschiede auch viele Gemeinsamkeiten gebe und man durchaus voneinander lernen könnte.
Vor diesem Hintergrund stieß die angedachte und angestrebte Kooperation zwischen der Lebenshilfe Bad Gandersheim-Seesen und der „Specjalny Osrodek Szkolno Wychowawczy“ auf das ungeteilte Interesse aller polnischen Gesprächspartner. Man verständigte sich außerdem darauf, gleich eine Partnerschaft zu begründen, die – im Anschluss an ein gemeinsames Abendessen – mit der Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunde offiziell begründet wurde.
Eine Exkursion mit dem Ziel Breslau, die feierliche Verabschiedung in der Aula der Schule, der Austausch von Gastgeschenken und das gegenseitige Versprechen, die junge Partnerschaft mit Leben zu erfüllen – Hans-Werner Ohlsen zog eine durchweg positive Bilanz: „Die herzliche Gastfreundschaft und die Offenheit unserer polnischen Partner hat uns sehr beeindruckt. Und in den vielen Gesprächen ist deutlich geworden, dass sich beide Seiten für den Ausbau dieser Partnerschaft stark machen wollen und stark machen werden“.

Treffen von Schülern in Dresden vereinbart

Die ersten Termine stehen bereits fest. So wird sich auf Anregung von Barbara Zakrzewska in der zweiten Juniwoche eine Gruppe von Schülern aus Kozmin mit Schülern der „Lebenshilfe“ in Dresden treffen. Darüber hinaus liegt eine Einladung zur Teilnahme am 50-jährigen Jubiläum der Schule in Kozmin am 10. Juni vor. Und man erwartet am 30. und 31. August aus Anlass des 40-jährigen Bestehens der „Lammetal-Werkstätten“ in Lamspringe auch Gäste aus Polen.