Pharmaunabhängige Fortbildung in der Schildautalklinik

Unter Leitung von Professor Ortlepp diskutierten rund 60 Ärzte aus der Klinik und dem ambulanten Bereich über die aktuellen Neuerungen in der Inneren Medizin

Der Schwerpunkt war unter anderem der Umgang mit Antibiotika. Sowohl im ambulanten wie stationären Bereich muss ein deutlich kritischerer Umgang mit Antibiotika erfolgen. Die wachsende Zahl von multiresistenten Erregern (Neben MRSA, VRE, nun steigend auch MRGN) zwingt Ärzte wie Patienten zum Umdenken. Insbesondere bei Erkältungskrankheiten müssen weniger Antibiotika verschrieben werden.
Die Klink Schildautal hat bereits konkrete Konzepte zum sogenannten „antibiotic stewardship“ erarbeitet. Mit der Schaffung eine ärztlichen Stelle für Krankenhaushygiene und „antibiotic stewardship“ geht die Klinik sehr offensiv mit diesem Thema um und ist hier in der Region führend. Anhand der Krankheitsbilder Lungenentzündung und Harnwegsinfekte diskutierten die Ärzte die aktuellen Leitlinien und Forschungsergebnisse. Klar wurde, dass der selbständig denkende Arzt insbesondere vor der immer größer werdenden Zahl an Richtlinien, Leitlinien und Gesetzen mehr denn je gefragt ist.
Kritisch beleuchtete Professor Ortlepp die neuen Medikamente Pradaxa, Xarelto und Eliquis zur Blutverdünnung. Alle sind sie eine gute Alternative zu dem altbewährten Marcumar bei Patienten mit Thrombose, Lungenembolie und Schlaganfallprophylaxe aufgrund von Herzrhythmusstörungen. Jedoch haben diese Innovationen auch ihre Gefahren. Insbesondere bei Patienten mit Nierenschwäche oder einem Alter von 75 Jahren ist die Blutungsrate erhöht. Die Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten sind zahlreich und vielfach leider nicht bekannt. Diese Präparate wurden ohne funktionierende Labortests zur Kontrolle aus wirtschaftlichen Gründen schnell auf den Markt gebracht.
Neue Studien zum Cortison belegen den Nutzen der Cortisontherapie in der stationären auch intensivmedizinischen Behandlung von Patienten mit der Lungenerkrankung COPD sowie schweren Rheumaschüben. Auf der anderen Seite beweisen sie auch den Schaden dieser Therapie, wenn sie dauernd insbesondere in höheren Dosen (5mg Prednisolon) eingenommen werden.
Neben neuen Daten zur Prognose der Herzinsuffizienz wurde eine Studie diskutiert, welche andeutet, dass Fiebersenken möglicherweise sogar die Prognose bei Infektionserkrankungen verschlechtert. „Altbewährtes“ ist nicht immer richtig.
Die Veranstaltung war, wie in den letzten Jahren im Bereich der Klinik für Innere Medizin und Intensivmedizin unabhängig von Sponsoren aus Eigenmitteln organisiert. Professor Ortlepp wünscht sich in Zukunft für die gesamte Ärzteschaft, dass auf ein solches Sponsoring verzichtet wird.