Planungssicherheit für die Zeit danach gefordert

Hans-Werner Ohlsen. (Foto: bo)

Landesweites Modell „Integrative Kinderkrippe“ läuft Mitte 2012 aus – Lebenshilfe drängt auf Entscheidungen

Seesen (poe). Der Fachbereich Behindertenhilfe im „Paritätischen“ Niedersachsen drängt auf rasche Entscheidungen. Und der Vorstand der „Lebenshilfe Bad Gandersheim-Seesen“ ebenfalls. Unmittelbarer Anlass: Bereits in wenigen Monaten, genauer gesagt am 31. Juli 2012, läuft nämlich das Modellprojekt „Integrative Betreuung von Kindern mit Behinderung in Krippen“ aus, zu dem das Land Niedersachsen am 1. Februar 2010 den Startschuss gegeben hatte.
Nachdem sich das Niedersächsische Kultusministerium und das Niedersächsische Ministerium für Soziales, Frauen, Familie und Gesundheit im Vorfeld darauf verständigt hatten, landsweit insgesamt 185 Plätze für Kinder mit Behinderung zur Verfügung zu stellen, werden im Rahmen dieses Projektes seither Jungen und Mädchen mit Beeinträchtigungen im Alter von unter drei Jahren gemeinsam mit Kindern ohne Beeinträchtigungen in Krippen und kleinen Kindertagesstätten integrativ betreut. Nach Angaben beider Ministerien werde mit diesem Modellvorhaben das Ziel verfolgt, über einen längeren Zeitraum hinweg die Rahmenbedingungen auszuloten, die erforderlich sind, um „für Kinder dieser Altersgruppe eine kindgemäße und dem individuellen Förderbedarf angemessene Erziehung, Bildung, Betreuung und Förderung zu gewährleisten“.
Für den 1. Vorsitzenden der „Lebenshilfe Bad Gandersheim-Seesen“, Hans-Werner Ohlsen, ist das Projekt „Integrative Kinderkrippe“ gleichwohl schon jetzt eine „Erfolgsgeschichte“ – ein Modellvorhaben, das nach seinen Worten nunmehr generell als Regelangebot umgesetzt werden müsse.
Ohlsen weiß dabei, wovon er spricht, zählt doch die „Lebenshilfe Bad Gandersheim-Seesen“ mit zu jenen Einrichtungen im Land zwischen Elbe und Weser, die sich seit November 2010 an dem Modellvorhaben beteiligen. Seinerzeit hatte die „Lebenshilfe“ mit der Ausweisung von insgesamt zwölf Krippenplätzen im „Haus am Kurpark“ – darunter zehn für nicht behinderte Kinder und zwei für Jungen und Mädchen mit Beeinträchtigungen – zum einen auf den bestehenden Bedarf, zum anderen aber auch auf eine immer stärkere Nachfrage nach Krippenplätzen reagiert.
„Es gibt wohl kaum eine bessere Möglichkeit, die seit 2009 gesetzlich verpflichtende Weiterentwicklung der Integration zur sogenannten Inklusion zu forcieren, als damit schon in der Kinderkrippe zu beginnen“, unterstrich er in einem Gespräch mit dem „Beobachter“, und verwies mit einigem Stolz auf das „zielführende Wirken“ der Kinderkrippe im „Haus am Kurpark“ in den vergangenen knapp eineinhalb Jahren. Hier würden Kinder mit und ohne Behinderung durch entsprechend geschulte Mitarbeiterinnen gemeinsam betreut.
Vor diesem Hintergrund greift der Vorstand der „Lebenshilfe Bad Gandersheim-Seesen“ denn auch die Forderung des „Paritätischen“ Niedersachsen auf, nicht zuletzt unter organisatorischen Gesichtspunkten umgehend Regelungen für die Zeit nach Ablauf des Modellvorhabens festzulegen. Hans-Werner Ohlsen begründete diese Haltung unter anderem mit dem Hinweis darauf, dass Hannover zwar deutlich gemacht habe, auch nach Ablauf des Modellvorhabens am 31. Juli 2012 für 185 Plätze die Betriebserlaubnis zu erteilen, aber „vermutlich erst kurz vor der Sommerpause eine Abstimmung darüber erfolgen dürfte, wie die gemeinsame Erziehung, Bildung und Betreuung der unter dreijährigen Kinder nach Abschluss des Modellvorhabens weiterlaufen soll“. Ohlsen: „Und das bedeutet, dass die Planungen erst sehr spät in Angriff genommen werden können.“