Polizei Seesen will leichte Verstöße verstärkt ahnden

Auch Radfahrer hat die Polizei Seesen künftig stärker im Blick. Denn das Telefonieren ist verboten und somit eine Ordnungswidrigkeit.

Umdenken als Reaktion auf die Verkehrsunfallstatistik

Kein Blinker gesetzt, noch schnell bei Gelb über die Ampel gefahren, mit dem Handy auf dem Fahrrad telefoniert. Tagtäglich gibt es solche Verkehrsverstöße. Bisher haben auch Seesens Polizeibeamten darüber eher hinweg gesehen. „Das wird sich aber ändern”, betont Lothar Niemann, Leiter des Einsatz- und Streifendienstes bei der Polizei Seesen, jüngst bei der Vorstellung der Verkehrsunfallstatistik für 2016. Jeder Unfall ist ein Regelverstoß. 2016 registrierte die Seesener Polizei im Revier 583 Verkehrsunfälle, 2015 waren es 587. Hauptunfallursachen sind überhöhte oder nicht angepasste Geschwindigkeit, Missachtung der Vorfahrt, Fehler beim Abbiegen und Alkoholbeeinflussung beim Unfallverursacher.
„Neben der Überwachung des eigentlichen Vorfahrtsverhaltens erscheint es zielführend, geringfügige Verkehrsordnungswidrigkeiten gradlinig und fortwährend zu sanktionieren”, führt Lothar Niemann zum neuen Verhalten aus. So wollen sie erzieherisch auf die Verkehrsteilnehmer einwirken, um deren Verhalten positiv zu verändern. „Auch bei den Polizisten wird es ein Umdenken geben, diese Verstöße jetzt mehr im Blick zu haben”, betont Thomas Brandes, Leiter des Polizeikommissariats Seesen.
Nicht die einzige Konsequenz. Ein weiteres Problem sind die Verkehrsunfallfluchten. Mit 120 Fällen im vergangenen Jahr bestätigt Seesen den landesweiten Trend. Im hiesigen Revier ist es der Höchststand in den vergangenen fünf Jahren. „Fahrerflucht ist kein Kavaliersdelikt, sondern eine Straftat, die bis zu drei Jahren Haft, den Entzug des Führerscheins und weitere schwerwiegende Folgen nach sich ziehen kann”, betont Lothar Niemann. Es wird Aktionen geben. Die niedersachsenweite Kampagne unter dem Motto „Bleiben Sie fair – wählen sie 110” wird auch in Seesen umgesetzt. Zugleich sollen mögliche Zeugen, die eine Verkehrsunfallflucht gesehen haben, ermutigt werden, sich sofort bei der Polizei unter der Nummer 110 zu melden. „Viele kennen die Notrufnummer gar nicht mehr“, sagt Lothar Niemann.