Polizeikommissariat: Sanierung oder Umzug?

Das Polizeikommissariat Seesen – nach Wunsch der meisten Beamten haben sie hier die längste Zeit ihren Dienst „geschoben“. Sie befürworten einen Umzug in das ehemalige Städtische Krankenhaus.

Beamte erhoffen sich nach Gesprächen Unterstützung von Sigmar Gabriel und Petra Emmerich-Kopatsch

Es schien so, als sei der Traum vom Umzug des Polizeikommissariats Seesen in das ehemalige Städtische Krankenhaus schon wie eine Seifenblase geplatzt, weil von höherer Instanz, sprich der Polizeidirektion Braunschweig abgelehnt. Nun aber kommt wieder Bewegung in die Angelegenheit. Nach „Beobachter“-Informationen war SPD-Bundesvorsitzender Sigmar Gabriel am vergangenen Mittwoch zu einem (Geheim-)Treffen nach Seesen gekommen, um mit den Beamten auf deren Wunsch hin noch einmal über die aktuelle Situation zu sprechen. Geheim deshalb, weil die Öffentlichkeit von diesem Treffen – aus welchen Gründen auch immer – zunächst nicht informiert werden sollte. Durchgesickert ist es trotzdem, und die SPD-Landtagsabgeordnete Petra Emmerich-Kopatsch bestätigte auf Nachfrage des „Beobachter“ dann auch, dass dieses Informationsgespräch stattgefunden habe.
Es geht konkret darum, dass sich eine überwältigende Mehrheit der hiesigen Polizisten wünscht, ein neues und zeitgemäßes Revier zu haben. Das Gebäude an der Frankfurter Straße, in dem die Polizei derzeit untergebracht ist, ist verwinkelt und vor allem auch sanierungsbedürftig. Das bestätigte auch der Leiter der Polizeiinspektion Goslar, Thomas Brych, der erklärte, dass akutell Handlungsbedarf bei der Frage der Unterbringung der Polizei bestehe. Es gebe zwei Optionen. Zum einen könne der bisherige Standort beibehalten werden. Dann müsste das Gebäude aber saniert werden. Der Eigentümer der Immobilie habe hier auch bereits seine Bereitschaft zugesagt. Auf der anderen Seite locke das Angebot von Asklepios, das in das ehemalige Städtische Krankenhaus investieren würde und den Wünschen der Polizei Rechnung tragen könnte. Für diese Variante plädiert nach „Beobachter“-Informationen auch das Gros der Kollegen. Es gibt aber ein Problem: Ein Umzug der Polizei allein würde nicht ausreichen. Nur wenn auch das Amtsgericht in Seesen seinen angestammten Platz in der „Burg Sehusa“ verlässt und mit in das ehemalige Krankenhaus zieht, könnte das Vorhaben für Asklepios interessant werden. Das wiederum setzt voraus, dass die Mitarbeiter des Amtsgerichts aus dem Gebäude, dass sich im Landesbesitz befindet, dann in ein Mietobjekt ziehen würden.
Wie Amtsgerichtsdirektor Rolf Stratmann deutlich macht, hat auch das Gericht erhebliche räumliche Schwierigkeiten und einen Sanierungsstau. Behindertengerecht ist das Gebäude überhaupt nicht. Rollstuhlfahrer müssen in den Gerichtssaal getragen werden. Fraglich wäre aber, ob man für die unter Denkmalschutz stehende Immobilie einen Nachnutzer findet.
Wie erwähnt: die Pläne sind nicht ganz neu, die Polizei erhofft sich Rückendeckung von der neuen rot-grünen Landesregierung. Sowohl Sigmar Gabriel als auch Petra Emmerich-Kopatsch haben zugesagt, die Polizei zu unterstützen. Gleichzeitig wollen sie im Verlauf der nächsten Tage das Gespräch mit den Verantwortlichen im Amtsgericht suchen, um auch den Sachstand zu erkunden.