Polnischer Kreistag würdigt Schulpartnerschaft

Barbara Zakrzewska, Ruth Ohlsen, die stellvertretende Verwaltungsratsvorsitzende der „Lammetal-Werkstätten“ und der Kreistagsabgeordnete Janusz Baszczynski. (Foto: Poerschke)
 
Die Mitglieder der polnischen Delegation. Ewa Zgierski, Leiterin des Integrationskindergartens der „Lebenshilfe“ in Bad Gandersheim (3. von links), zeichnete auch dieses Mal wieder für eine reibungslose Kommunikation verantwortlich. (Foto: Poerschke)

Delegation aus Kozmin in „Kurparkschule“ zu Gast - Landrat Leszek Kulka dankt für ideelle und materielle Unterstützung

Seesen (poe). Einer fehlte „an Bord“, als die polnische Delegation unter der Leitung der Direktorin der „Specjalny Osrodek Szkolno Wychowawczy“, Barbara Zakrzewska, am Donnerstag vergangener Woche in der Harzstadt Seesen eintraf; nämlich der Landrat des polnischen Landkreises Krotoszynski, Leszek Kulka. Dabei wäre er, wie Kulka die Mitarbeiter der „Kurparkschule“ und die Repräsentanten der „Lebenshilfe Bad Gandersheim-Seesen“ wissen ließ, gern mit nach Seesen gekommen, doch wichtige Termine hätten ihm „sozusagen in letzter Minute einen Strich durch die Rechnung gmacht“.
Und so hatte er kurzerhand die Gelegenheit wahrgenommen, sich in einem offiziellen Schreiben – gerichtet an die „Lebenshilfe“ – auch namens des Kreistages für die bisher geleistete ideelle, aber auch materielle Unterstützung zu bedanken.
Es war ein Gegenbesuch, der sich von Treffen in der Vergangenheit durchaus zu unterscheiden verstand. Nicht nur, dass dieses Mal gleich sieben Pädagogen aus dem rund 650 Kilometer entfernten Kozminer Stadtteil Borzeciczki nach Seesen geeilt waren, zählte mit Janusz Baszczynski doch erstmals auch ein Kommunalpolitiker zu den Mitgliedern der Delegation.
Und das nicht von ungefähr, wie er in einem Gespräch mit dem „Beobachter“ einräumte.
Janusz Baszczynski, Kreistagsabgeordneter, engagierter Förderer der „Specjalny Osrodek Szkolno Wychowawczy“, und zugleich Rektor einer Grundschule in der Nähe von Kozmin, hat sich nämlich nach eigenem Bekunden vorgenommen, Kontakte mit einer Grundschule im Stadtgebiet von Seesen zu knüpfen. Kontakte, die – so sein Wunsch – ebenfalls hin zur Begründung einer Schulpartnerschaft weiterentwickelt werden könnten.
Wie Barbara Zakrzewska, die Direktorin jener Schule, die vor gut 50 Jahren in einem unter Denkmalschutz stehenden Schloss aus dem 19. Jahrhundert eingerichtet worden war, und die am 25. März 1960 auf der Basis eines Beschlusses des Kultusministeriums als „Staatliche Bildungseinrichtung für geistig behinderte Kinder“ ihre offizielle Anerkennung erhielt, unterstrich, sei das Interesse der Lehrerinnen und Lehrer an der jüngsten Exkursion besonders groß gewesen. Man habe, so merkte sie an, nicht nur die Einrichtungen der „Lebenshilfe“, und da in erster Linie die „Kurparkschule“ kennenlernen, sondern vor allem auch die bestehenden partnerschaftlichen Verbindungen vertiefen wollen. Ergänzte der Geschäftsführer der „Lebenshilfe Bad Gandersheim-Seesen“, Bernward Steinkraus: „Zudem ging es darum, den Aktionstag aus Anlass des 50-jährigen Jubiläums der Lebenshilfe Niedersachsen, der am 15. September 2012 in der Landeshauptstadt Hannover rund um die Marktkirche stattfinden wird, vorzubereiten, sollen an diesem Aktionstag doch Schülerinnen und Schüler der polnischen Schule sowie der Kurparkschule gemeinsam teilnehmen“. Und so war es denn in der Tat ein umfangreiches „Pensum“, das es in den Tagen von Donnerstag bis Sonntag abzuarbeiten galt.
Da hospitierten die polnischen Gäste in den einzelnen Klassen der „Kurparkschule“ und schauten ihren Kolleginnen und Kollegen über die Schulter; tauschte man sich im Anschluss an den Unterricht unter anderem in Sachen „Didaktik“ und den gezielten Einsatz von Unterrichtsmaterialien aus; wurde schließlich festgestellt, dass es mit Blick auf die gehandhabte Praxis bei der Vermittlung von Unterrichts­inhalten eine Vielzahl von Gemeinsamkeiten geben würde, und dass es im Rahmen des bisherigen Schüleraustauschs „sehr wohl gelungen sei, die Schüler beider Schulen für die für sie jeweils fremde Kultur und Sprache zu interessieren und zu sensibilisieren“.
Diese positive Gesamtbilanz spiegelte sich natürlich auch in den Grußworten und Reden zum Abschluss des mehrtägigen Besuchs wider, in dessen Verlauf Gäste und Gastgeber übrigens immerhin noch so viel Zeit fanden, die Altstadt von Goslar zu besichtigen und in den „Rammelsberg“ einzufahren sowie die Braunschweiger Innenstadt zu erkunden.
Der Geschäftsführer der „Lebenshilfe Bad Gandersheim-Seesen“, Bernward Steinkraus, der die polnische Delegation am Freitagabend im Namen des Vorstandes der „Lebenshilfe“, der Fachbereichsleiterinnen sowie der Mitarbeiter aus den Reihen der „Kurparkschule“ offiziell begrüßt hatte, nahm beispielsweise die „Geschichte“ der noch recht jungen Schulpartnerschaft zum Anlass, angesichts der bisher freigesetzten Aktivitäten von einem Erfolg zu sprechen, der „die Erwartungen bereits nach so kurzer Zeit übertroffen hätte“.
Die Direktorin der „Specjalny Osrodek Szkolno Wychowawczy“, Barbara Zakrzewska, wiederum dankte einmal mehr dafür, dass „der Vorstand der Lebenshilfe Bad Gandersheim-Seesen und die Mitarbeiter der Kurparkschule die Schulpartnerschaft auf so vielfältige Weise mit Leben erfüllen würden“. Und das, wie sie betonte, nicht nur ideell.
Als äußeres Zeichen des Dankes überreichte sie Bernward Steinkraus ein von den polnischen Schülerinnen und Schülern handsigniertes großformatiges Foto.
Ruth Ohlsen schließlich nahm in ihrer Eigenschaft als Stellvertretende Verwaltungsratsvorsitzende der „Lammetal-Werkstätten“ – und in Vertretung des Vorsitzenden der „Lebenshilfe“, Hans-Werner Ohlsen – aus der Hand des Kreistagsabgeordneten Janusz Baszczynski ein offizielles Dankschreiben des Landrats des polnischen Landkreises Krotoszynski, Leszek Kulka, entgegen. Auch er dankte für die Unterstützung der polnischen Schule durch die „Lebenshilfe“, und betonte, dass diese Schulpartnerschaft „den Weg dafür frei mache, jungen Menschen, die in der gleichen Lage sind, vielfältige Möglichkeiten zu eröffnen, sich zu begegnen, auszutauschen, von einander zu lernen und gemeinsam ihre Zukunft mitzugestalten“.