Propstei Seesen auf Visitation in Münchehof

Mit dem Stück „Musik sprengt alle Grenzen“ lieferten der Gittelder Kirchenchor und die Liedertafel Münchehof bei ihrem ersten gemeinsamen Auftritt die treffende musikalische Botschaft im Rahmen des Visitationsgottesdienstes. (Foto: Koch)

Der neugebildete Pfarrverband Gittelde-Münchehof ist in kurzer Zeit sehr eng zusammengewachsen

Seesen / Münchehof (JK). Am vergangenen Wochenende besuchte der Propsteivorstand der Propstei Seesen unter Federführung von Propst Thomas Gleicher die Kirchengemeinden des neugebildeten Pfarrverbandes Gittelde-Münchehof. Am Sonntag wurde dann von beiden Gemeinden ein Gottesdienst in der Münchehöfer St.-Antonis-Kirche abgehalten.
Die Visitation ist ein kirchliches Instrument, das durch Martin Luther wieder stärkeres Gewicht erhalten hat. Damals diente es der Einheit der Kirche, denn in den noch jungen evangelischen Gemeinden herrschten entweder noch deutlich zu verbessernde Zustände oder aber zumindest sehr unterschiedliche Riten, Zeremonien und Gottesdienstformen.
Auch heute ist die Visitation noch ein wichtiges Instrument zur Erhaltung der Einheit der Kirche. Aber die Grundausrichtung ist eine andere: Es geht heute weniger um Kontrolle wie einst, sondern um eine wertschätzende Wahrnehmung der zumeist guten Umstände in den Gemeinden sowie um ein gemeinsames Arbeiten an den „Ecken und Kanten“, wo der eigene Wunsch nach Verbesserung oder Veränderung besteht.
Der Propsteivorstand Seesen hat seit einigen Jahren dabei noch ein Spezifikum entwickelt: Die jeweiligen Gemeinden werden unter einem ganz bestimmten Thema besucht. Von dort aus können dann bei Bedarf noch weitere Linien gezogen werden. Da der Pfarrverband Gittelde-Münchehof erst seit zwei Jahren besteht, wurde mit den Kirchenvorständen das Thema „(T)Räume kirchlichen Lebens“ vereinbart.
In den zahlreichen Begegnungen mit den Vertretern der kirchlichen Gruppen und Kreise beider Gemeinden standen daher auch vor allem die Zukunftsperspektiven im Vordergrund. Dass die beiden Gemeinden bereits in einer rekordverdächtigen Zeit weitgehend auf einen Nenner gekommen sind, hat mehrere gute Gründe. Entscheidend war an diesem Wochenende aber, die jeweiligen Ziele der Gemeinden für die (gemeinsame) Zukunft auszuloten. Dabei wurde deutlich, dass die Projekte und die noch tiefer zu erschließenden Räume und Träume viel weniger Neuansätze als vielmehr Vertiefungen des jeweils schon bestehenden großen Reichtums vor Ort darstellen. Oder anders ausgedrückt: Die beiden Gemeinden haben durch ihre unglaublich vielen und durchweg engagierten Mitarbeitenden ein sehr großes geistliches Potenzial, das kaum noch Wünsche offen lässt.
Jedoch: Stillstand ist Rückschritt. Daher waren sich alle Beteiligten darin einig, den eingeschlagenen Weg einer volksnahen und mit der Bevölkerung und deren Öffentlichkeit bes­tens vernetzten Kirche fortzusetzen.
Der abschließende Gottesdienst am Sonntag nahm diese Fäden dann liturgisch und thematisch auf. Denn erstmals in der Geschichte beider Kirchengemeinden musizierten der Kirchenchor Gittelde gemeinsam mit der Münchehöfer „Liedertafel“. Ausgerechnet „Musik sprengt alle Grenzen“ hieß der Titel, den sie mit großer Stimmgewalt anstimmten.
Das Pfarrer-Ehepaar Mittelstädt-Gremse hielt eine gemeinsame, sehr einfühlsame Predigt, in der aufgrund des vorgegebenen Predigttextes die Güte Gottes als Grundlage gelungenen Lebens sowie als sichere Basis bei schweren Schicksalsschlägen zur Geltung gebracht wurde. Von dieser Güte Gottes sei auch der Prozess des Zusammenwachsens beider Gemeinden von Anfang an getragen gewesen.
Propst Thomas Gleicher betonte in seiner Visitations-Adresse an beide Gemeinden, dass der Propsteivorstand in diesen drei intensiven Tagen durchweg beglückende Erfahrungen gemacht habe. Überall hat er Menschlichkeit, Wertschätzung und vor allem eine Frömmigkeit angetroffen, die bei aller Verankerung „im Himmel“ niemals den klaren Blick für die Erde aus den Augen verliert. Im Übrigen seien die beiden Gemeinden durch die hervorragende Vernetzung für die anstehenden Zukunftsaufgaben bestens gerüstet.
Die Gottesdienst-Gemeinde blieb anschließend noch bei Gebäck und Kaffee beieinander. Nach einem Mittags-Snack der Kirchenvorstände und des Propstei-Vorstandes schloss die Visitation mit einer gemeinsamen Sitzung.