Propsteiposaunenchor probt abermals in Lettland

Gab Konzerte in Rauna, Drusti und Dzerbene: der Propsteiposaunenchor. (Foto: Poerschke)
 
Letzte Probe im Evangelischen Kirchenzentrum mit Propsteikantor Andreas Pasemann. (Foto: Poerschke)

Mit der "airBaltic" nach Riga / Konzerte in Rauna, Drusti und Dzerbene / Gespräche über aktuelle Themen

Seesen (poe). Als der Pilot des airBaltic-Fliegers mit der Flug-Nummer BT 252 am Freitagvormittag vergangener Woche über den endlosen Wäldern Lettlands mit dem Landeanflug auf den Flughafen von Riga begann, da war es mit dem strahlenden Sonnenschein über den Wolken vorbei. Und nachdem die Maschine auf der Betonpis­te aufgesetzt hatte, bescherte ein Blick aus den Fenstern den Mitgliedern des Seesener Propsteiposaunenchores ein nicht gerade ungewohntes Bild, nämlich einen grauen Himmel und Regen.
Nicht viel anders hatte es zwei Tage zuvor, am Mittwochabend, in Seesen ausgesehen, als sie sich unter der Leitung von Propsteikantor Andreas Pasemann im großen Saal des Evangelischen Kirchenzentrums trafen, um sich dort zum letzten Mal auf den musikalischen Veranstaltungsreigen einzustimmen, zu dem am Sonnabend im „Pensionat“ der lettischen Partnergemeinde Rauna der Startschuss fiel.
Zum nunmehr dritten Mal sind die Mitglieder des Propsteiposaunenchores nämlich derzeit gern gesehene Gäste in Rauna; aber auch in Dzerbene und in Drusti. Und wie schon in den Jahren zuvor, so waren auch dieses Mal die Tage bis zum heutigen Montag wieder mit zahlreichen Konzerten ausgefüllt. „Die wenigen freien Stunden“, so betonte Kurt Hoppe, 1. Vorsitzender der „Kirchlichen Lettlandhilfe“ und engagierter Posaunist in den Reihen der Propsteibläser, „waren den Gesprächen vorbehalten, in denen es unter anderem um die aktuelle Lage in Rauna ging, um die sich abzeichnenden Entwicklungen, und um die Möglichkeiten, die Menschen in unserer Partnergemeinde auch künftig auf ihrem nach wie vor nicht gerade leichten Weg zu begleiten“.
Im Mittelpunkt gleichwohl standen die Konzerte. So das bereits erwähnte Eröffnungs-Konzert im „Pensionat“ und wenig später ein Konzert in der Siedlung. Ebenfalls noch am Sonnabend hatte der Propsteiposaunenchor zudem in der Kirche zu Dzerbene und abends dann in der Kirche zu Rauna seine musikalische Visitenkarte abgegeben.
Der darauf folgende Sonntag wurde zunächst einmal mit einem musikalischen Gottesdienst in der Kirche zu Rauna und mit einem Turmblasen eingeläutet.
Die heutige lutherische Kirche in Rauna, die Ende des 13. Jahrhunderts erbaut wurde, zählt übrigens zu den Kirchen in Lettland, die nicht nur auf eine lange Geschichte zurückblicken können, sondern die vor allem auch unter kirchen- und kulturhistorischen Gesichtspunkten von besonderer Bedeutung sind. Auf Anregung des Erzbischofs von Riga, Albert II, im selben Jahr wie die Burg (Letztere wurde anno 1381 erstmals urkundlich erwähnt) errichtet, vermag sie unter anderem mit Bildwerken aus dem 14. Jahrhundert nicht nur das regionale Interesse auf sich zu lenken. Da ist beispielsweise über dem westlichen Portal das einzigartige Relief „Adam und Eva“, gefertigt im 13. bis 14. Jahrhundert, zu sehen, und über dem Haupteingang „Christus am Kreuz“. Außerdem hätten, wie Chronis­ten berichten, in der Kirche zu Rauna bekannte Pfarrer gepredigt.
Dem Gottesdienst in Rauna schlossen sich am frühen Nachmittag ein Konzert in der Kirche von Drusti sowie eine musikalische Stippvisite im dortigen Altenheim an, bevor der Tag mit einem gemeinsamen Abendessen und Gesprächen ausklang. Im Rahmen dieser Gespräche, so Kurt Hoppe, bildete die geplante Alten-Begegnungsstätte ein Schwerpunkt-Thema, zumal die Projekt-Realisierung, gefördert durch Mittel der Europäischen Union, nach seinen Worten zwischenzeitlich eine weitere Hürde genommen habe. Dass darüber hinaus natürlich auch der Kleiderladen und dessen zukünftige Ausrichtung Gegenstand der Gespräche war, versteht sich fast von selbst.
„Wir sehen die Hilfe zur Selbsthilfe und die direkte Hilfe in Notsituationen, die dank der überwältigenden Spendenbereitschaft der Bürgerinnen und Bürger aus dem Raum Seesen geleistet werden konnte und geleistet werden kann, ebenso wie unser Bemühen, den Gedanken der Diakonie zu vermitteln und zu verfestigen, als Teile eines Ganzen an. Und dazu zählen nicht zuletzt auch die Konzerte des Propsteiposaunenchores“, merkte Hoppe abschließend an.
Ach so: Ein bisschen „sightseeing“ ist schließlich für den heutigen Montag eingeplant. Bevor nämlich der Flieger um 19.35 Uhr Ortszeit in Richtung Hamburg startet, sind eine Stadtbesichtigung und ein Stadtbummel in Riga angesagt.