Ralf Schweda hilft schwerkranken Tieren in Istanbul

Auf eine bessere Zukunft kann jetzt Boxer „Willi“ hoffen, dessen Vorderhand gebrochen war. (Foto: Vollmer)
 
Immer wieder traf Ralf Schweda auf ausgemergelte und mit offenen Wunden übersäte Hunde. (Foto: Vollmer)

Fünf Tage ist der Haryer Tierarzt auf Einladung eines Tierschutzvereins in der Türkei /Ein Kamerateam von Vox begleitet ihn dabei

Von Michael Vollmer, Hary


Die Bilder haben selbst Ralf Schweda, der in seiner beruflichen Laufbahn als Tierarzt schon eine Menge gesehen hat, betroffen gemacht: Todkranke Hunde wimmern vor Schmerz, andere liegen ausgemergelt in den überfüllten Käfigen des Tierheims der Millionen-Metropole Istanbul. Es scheint so, dass ihnen selbst die Kraft zum Fressen fehlt.
Fünf Tage war der Haryer Tierarzt auf Einladung eines internationalen Tierschutzvereins, mit dem er schon lange zusammenarbeitet, in der Türkei unterwegs. Begleitet wurde er von einem Fernsehteam des Senders Vox, der aus seiner Stippvisite gleich mehrere Beiträge für die Doku-Soap „Menschen, Tiere und Doktoren“ produziert. „Diese Szenen in dem Heim, in dem rund 3000 Hunde untergebracht sind, wird man so schnell nicht los. Sie gehen einem ganz schön an die Nieren“, erläutert der Haryer. Sein Einsatz begann aber in dem Bärenzentrum von Bursa.
Nahe der Zwei-Millionen-Metropole sind etwa 80 frühere Zirkustiere untergebracht, die woanders keine Zukunft mehr hätten. In einer komplizierten Operation kümmerte sich der Veterinär zum Beispiel um die Wirbelsäule einer vier Monate alten Bärin, die nach mehreren Hundebissen querschnittgelähmt ist. Eine Professorin der Universität Istanbul assistierte ihm dabei. Das war ein komplizierter Eingriff, den er so an einem Bär zum ersten Mal vorgenommen hat. „Die dreistündige OP ist gut verlaufen“, berichtete Ralf Schweda nach seiner Rückkehr. Außerdem widmete sich der Tierarzt drei weiteren Bären. Zwei der älteren Tiere bekamen in Vollnarkose winzige Goldklumpen eingesetzt. Die Goldimplantationen haben sich bei Hunden, die an einer Hüftdysplasie leiden, bereits vielfach bewährt.
„In Bursa hatten wir Probleme, ein Tier für den Eingriff aus dem Gehege zu bekommen. Ein Bär reagierte zum Beispiel sehr aggressiv gegenüber seinen Genossen. Da mussten die Helfer mit einem Feuerlöscher eingreifen und sie voneinander trennen“, berichtet der Experte. Dabei wäre der Aufenthalt in dem staatlichen Bärenasyl beinahe gar nicht zustande gekommen. Plötzlich lag keine Drehgenehmigung mehr vor, obwohl eigentlich alles abgesprochen war. Dann doch noch die Kehrtwende: Nach dem Händeschütteln mit dem Bürgermeister bekam das Team plötzlich grünes Licht.
Es folgten drei harte Tage in dem Istanbuler Tierheim. Schweda berichtet von teilweise katastrophalen Zuständen. „Todkranke Hunde wurden mit einem großen Schäferhund eingesperrt. Aus Panik verweigerte das schon geschwächte Tier die Nahrung“, blickt der Tierarzt mit Grausen zurück. Nach Schätzungen leben in Istanbul rund 200.000 Straßenhunde. Viele landen, wenn sie nicht von speziellen Trupps getötet werden, in den Heimen. „Tierschützer haben keinen leichten Stand“, erläutert der 45-Jährige, den medizinische Problemfälle besonders reizen. Zu schaffen machten ihm in der Türkei immer wieder die äußeren Rahmenbedingungen. So fanden die Operationen in einer besseren Abstellkammer statt. Das Kopflicht der Fernsehkamera diente als provisorisches OP-Licht. Vor Ort fehlte es an ganz einfachen Dingen, wie zum Beispiel einem Rasierer zum Entfernen des Fells. Ganz zu schweigen von einer defekten Lampe in dem primitiven Behandlungsraum oder den Zeitungen, die als Unterlage dienten.
Größere Probleme machten Schweda immer wieder fehlende Röntgenbilder, ohne die ein Eingriff nur schwerlich möglich ist. Der Aufenthalt für das Team Schweda in dem Tierheim bedeutete Schwerstarbeit. Zehn Eingriffe am Tag waren zu absolvieren. Es ging um gebrochene Knochen, Wirbelsäulenerkrankungen oder schief zusammengewachsene Brüche. „Bei 40 Grad Celsius und einer fehlenden Klimaanlage war das kein Zuckerschlecken“, meint der Haryer.
In der Vergangenheit hat er nach seinen Auslandsaufenthalten mehrfach Tiere in den Ambergau zur weiteren Vermittlung geschickt. Auf eine bessere Zukunft kann auch Boxer „Willi“ hoffen, dessen Vorderhand gebrochen war. Mittlerweile ist der gutmütige Kerl, der noch ein neues Herrchen sucht, in Hary angekommen und erfreut sich nach der medizinischen Versorgung wieder bester Gesundheit.
Bereits seit vier Jahren arbeitet Ralf Schweda mit dem Kölner Sender Vox zusammen. Er ist in der beliebten Vorabend-Sendung immer dann ein gern gesehener Gast, wenn es um Spezialfälle geht. Schon bald geht es nach Japan, um Koi-Karpfen zu behandeln. „Kranke Pferde ziehen bei den Zuschauern nicht mehr“, weiß der Fachmann. Auf die Sendungen folgt meist eine große Resonanz. Neben dem Erfüllen von persönlichen Autogrammwünschen melden sich Tierbesitzer, die in Ralf Schweda bei Problemfällen die letzte Instanz sehen. Vielfach sei es schon gelungen, das Ruder herumzureißen. Für die Tierbesitzer spielen Entfernungen keine Rolle. Sie kommen aus ganz Deutschland und dem benachbarten Ausland in den „Rosenhof“ nach Hary. Schweda weiß von Tierfreunden, die ihn bereits in dritter Generation besuchen.
Die Folgen über den mittlerweile dritten Türkei-Einsatz von Tierarzt Schweda werden von Mittwoch, 26. Oktober, bis Freitag, 28. Oktober, bei Vox, jeweils um 16.55 Uhr, ausgestrahlt.